Samstag, 8. September 2012

Bleibt alles anders...

... hat Grönemeyer mal gesungen. Und wisst Ihr, was? Er hat recht, der olle Sangesbarde!

In diesen Tagen war ich endlich mal wieder in München, wo ich vor über zehn Jahren mal gewohnt habe. Es hat eine Weile gebraucht, aber dann hab ich viel Bekanntes entdeckt und auch das eine oder andere Neue bestaunt.
Meine alte Münchner Adresse zum Beispiel. Das Haus steht (natürlich) immer noch am selben Fleck. Auch die Läden rundherum gibt es noch immer, sei es der Getränkeladen, bei dem ich seinerzeit hektoliterweise koffeinhaltige Zuckerbrause gekauft habe, oder der Lotto-Laden, bei dem ich sogar ganze zwei Mal einen gigantischen Geldgewinn von zwo fuffzich abholen durfte. Nur die Fassade hat sich geändert. War sie zu meinen Zeiten in einem städtischen Standart-vergiß-mich-ganz-schnell-wieder-Abgas-Grau gehalten, zeigt sie sich heute in einem eleganten, sauberen Hier-sind-Sie-zuhause-Grauton. Im Nachhinein betrachtet unterscheiden sich beide Farbtöne nur im Geruch...

Was sich auch nicht geändert hat, ist das Geräusch der Stadt. Jetzt, wo ich nicht mehr in München wohne, fällt mir diese Geräuschkulisse erst so richtig auf. Das beständige Hupen, die Motoren überall, das Bimmeln der Tram, die Gesprächsfetzen in allen Sprachen dieser Welt, Flugzeuge über der Stadt oder auch das Piepsen und Klacken der Fußgängerampeln... All das kenne ich noch aus den Alten Zeiten, als ich selbst beinahe Tag für Tag durch die Straßen gewandert bin und ein klitzekleiner Teil dieser Stadt war.
Obwohl... ein bisschen was hat sich auch in der Geräuschkulisse geändert. Es ist ein Klang hinzugekommen. Ich habe den Eindruck, als gingen beinahe alle Menschen mit einem Knopf im Ohr oder einem geradzu riesigen Kopfhörer auf dem Kopf durch die Stadt. Überall höre ich immer wieder das "BOMM! Zing!"-Gedudel der MP3-Player, deren Besitzer und Zuhörer mit zuweilen verträumten Blick über den Stacchus oder den Marienplatz gleiten, eingehüllt in das musikalische Inferno ihrer tragbaren Disko.
Ach ja, den Marienplatz gibt es natürlich auch noch. Hier hat sich wirklich nichts geändert. Noch immer ist er "der" Mittelpunkt für alle Touristen dieser Welt. Wer einmal das Klischee des wild fotografierenden Japaners sehen will, ist hier richtig. Wer US-Amerikaner auf der Suche nach der Alten Welt sehen will, ist hier richtig. Und wer Reiseführer, die einen Schirm hochhalten und in mindestens drei Sprachen gleichzeitig dozieren, sehen will, ist hier ebenso richtig. "And to the לינקס können Sie شاهد den マリエン広場  !"
(Wer herausfindet, was ich hier geschrieben habe, bekommt einen persönlichen Gruß von mir!)
Natürlich bekommt der geneigte Tourist hier auch seine kleine Tasse Kaffee (Kännchen gibt's draußen nicht) für popelige 5,50 Euronen...
Gewisse Dinge ändern sich eben nicht.


So war der Trip nach München ein kleines Schwelgen in Erinnerungen. Der Kleinstadt-Pirat in mir weiß nun wieder, wie es sich anfühlt mit der U-Bahn durch den Großstadtdschungel zu kreuzen. Ich habe gesehen, wie wenig sich München an sich verändert hat, wenn es auch hie und da einige Neuigkeiten gab. Die U- und S-Bahnstationen zum Beispiel werden gerade mit großem Aufwand modernisiert, während das Deutsche Museum noch immer so aussieht, wie bei meinem letzten Besuch vor zehn Jahren.
Das Hofbräuhaus ist noch immer voll bis unters Dach mit Touristen aus aller Herren Länder, die glauben, hier spiele sich das "Echte" Bayern ab. Angesichts eines vermutlich italienischen Kellners in Lederhose und kariertem Hemd sowie einer offenkundig japanischen Brezelverkäuferin im Dirndl wird dieses Bild bei einigen Touristen wohl ein wenig gelitten haben, aber ein paar ordentliche Maß Helles werden die Wunden schnell wieder heilen.
Und München ist immer noch das Größte Dorf der Welt. Und wird es wohl auch bleiben.
Bleibt eben alles anders... 

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