Montag, 29. Oktober 2012

Von O bis O!

Eine der schlimmsten wiederkehrenden Herausforderungen, die unsere moderne, technisierte Welt für uns bereithält, ist der jahreszeitliche Reifenwechsel.
Da ich selbst handwerklich nicht zu den schärfsten Messern in der Schublade gehöre, vertraute ich mich dieser Tage einem Meisterbetrieb an, um der Herausforderung wenn schon nicht mit Muskelschmalz, so doch mit reichlich Hirnschmalz zu begegnen. Leider aber musste ich erfahren, dass es auch unter den wackeren Werkstattmeistern schwarze Schafe gibt. Mein festes Vertrauen darauf, dass den Meistern in den Reifenwechselstationen die Verkehrssicherheit am Herzen liegt, wurde in seinen Grundfesten erschüttert, als ich erfuhr, dass man mir doch tatsächlich Geld für diese Tat an der Sicherheit der Menschheit aus der Tasche ziehen wollte. Nun gut, wenn es denn so sein soll! Mach ich den Wechsel eben selber! Warum auch nicht? Immerhin befindet sich in meinem Fundus alles, was ich brauche, um diese Herausforderung nun eben doch mit ein wenig Muskelschmalz zu meistern.
Ganze vier, herrlich rund geformte, tiefschwarze Winterpneus lungern seit der letzten kalten Jahreszeit im Keller herum, und im Fond meines Familienlasters schlummert auch noch ein Wagenheber nebst Drehkreuzschraubenabmontiergerät (oder wie das heißt) im sanften Sommerschlaf.
Das Auto auf dem heimischen Hof festgenagelt, Arbeitsklamotten angezogen, weil die Reifen nach des Sommers wechselhaftem Wetter hie und da eben doch ein wenig verschmutzt waren, und schon ging es los. Der Theoretiker in mir sammelte sich erst mal nach reichlicher Überlegung alles Material zusammen, was ich in der nächsten Stunde (länger sollte es wohl auch für den Ungeübten nicht dauern...) brauchen würde:
Vier Winterreifen – vorhanden, Mindestprofiltiefe sind 1,6 Millimeter, mir stehen nach amtlicher Messung runde 1,8 µm zur Verfügung. Das ist noch im Limit!
Wagenheber - war im Kofferraum ein wenig angerostet, aber wird schon gehen.
Schraubendingsbums, kreuzförmig – vorhanden.

Ein Blick auf die Unterseite meiner Kutsche zeigte mir nach kurzer Suche den Punkt hinter dem ersten Vorderrad, an dem der Wagenheber angesetzt werden sollte. Das ging ja leicht. Weniger leicht war es, das Auto mittels dieses vermaledeiten Dingens in die Höhe bringen zu wollen. Eine vermutete Übersetzung von 1:16000 heißt hier, ich brauche mindestens 16000 Umdrehungen mit einer irgendwie nur halb passenden Kurbel, um den Wagenheber um gerade mal einen Zentimeter in die Höhe zu bekommen! Dabei bestand noch immer kein Kontakt zur Karosserie! Und auf halbem Wege zum Aufnahmepunkt stockte die Kurbel und ließ sich nicht einmal durch den vehementen Einsatz eines Hammers bewegen, ihren Dienst wieder anzutreten! Festgefressen!
Wie gut, dass es Nachbarn gibt. Der fährt einen kleinen Fiat Punto, war aber dennoch, wenn auch ein wenig skeptisch, bereit, mir seinen Wagenheber leihweise zu überlassen.
Fröhlich, dieses kleine Ungemach hinter mich gebracht zu haben, kurbelte ich munter darauf los. Und tatsächlich: Mein Laster stieg in ungeahnte Höhen auf! Nur, um gleich darauf wieder zu Mutter Erde zu stürzen, während der kleine Fiat-Heber sich unter ihm leise stöhnend zusammenfaltete. Mist.
In einer fließenden Bewegung räumte ich den kaltverformten Wagenheber in die Ecke, drückte meinem verblüfften Nachbarn meinen eigenen störrischen Wagenheber in den Kofferraum und fuhr direkt zum nächsten Autoteile-Händler, um einen vernünftigen Wagenheber zu erstehen. Amtliche fünf Tonnen Hubkraft, mit Pumparm, hydraulisch zu bedienen, und mit kleinen Rädern, die es mir, wenn mir denn der Sinn danach stünde, erlaubten, mein reifenloses Fuhrwerk durch die Stadt zu schieben. Nun, ich habe andere Hobbies.
Vermittels des neu erstandenen High-Tech-Kfz-Anhebegerätes gelang es mir nun in nur wenigen Minuten, meinen Laster hoch genug zu heben, um endlich, endlich den ersten Reifen zu wechseln. Da mir, wie der Leser schon weiß, gewisse körperliche Merkmale fehlen, nahm ich das Hebelgesetz zur Hilfe und stattete meinen … Abschrauber (Wie heißt dieses dämliche Ding?) mit einer Verlängerung in Form meines Sonnenschirmes aus. Dreimal kräftig gezogen, und schon... Nun gut, den Sonnenschirm brauchen wir demnächst ohnehin nicht mehr. Und hässlich wie die Nacht war das Ding auch noch.
Trotzdem gelang es mir, die Muttern mit viel Schweiß zu lösen. Das weitere Abdrehen der Radmuttern mittels dieses kreuzförmigen Werkzeugs führte zu einigen Hautabschürfungen meinerseits, weil dieses merkwürdig geformte Gerät einfach nicht auf den Muttern sitzenbleiben wollte. Eine echte Fehlkonstruktion, die ich dem Hersteller bei nächster Gelegenheit mit einem geharnischten Brief unter die Nase reiben werde. Einstweilen versorgte mich meine treue Ehefrau mit einem gewaltigen Grinsen im Gesicht mit mehreren Lagen Pflaster und einigen aufmunternden Worten. Immerhin hatte ich es geschafft, den Vorderreifen (Sommer) von seiner Aufhängung zu befreien und den Vorderreifen (Winter) auf die Schrauben zu setzen. Das Anziehen der Radmuttern vermittels komischen Kreuzgerätes verlief zunächst störungsfrei. Irgendwo hatte ich gelesen, dass Radmuttern mit einem Drehmoment von 120 Nm angezogen werden müssten. Da ich über keinerlei Gerät zur Messung des Drehmomentes verfüge, versuchte ich mich in mehr oder weniger groben Schätzungen. Zunächst zog ich die Muttern mit aller Kraft an. Dann senkte ich mein Fahrzeug wieder ab, setzte das Kreuzschraubgerät wieder auf und zog noch einmal kräftig nach. Danach drückte ich mit meinem gesamten Körpergewicht auf die Mutter, um sie noch ein wenig fester zu bekommen. Ein alter Handwerkerspruch sagt: „Nach fest kommt ab!“ Wie dem auch sei...
Ich bin der festen Überzeugung, dass das Rad auch mit vier von fünf Muttern fest genug am Auto verschraubt ist. Bei den Billy-Regalen funktioniert es ja auch...
Mein erster Reifen war endlich montiert! Angesichts schmerzender Muskeln, diverser, tiefer Wunden und der einsetzenden Dämmerung beschloss ich, ermutigt durch die Überredungskünste meiner Frau, meines Nachbarn und einiger mir ansonsten völlig unbekannter Zuschauer, die restlichen drei Reifen von einem Fachmann wechseln zu lassen. Koste es, was es wolle!
Ich fuhr also mit einem Winterreifen vorne links und drei Winterreifen im Kofferraum in die Werkstatt und mit dem Bus wieder zurück. Aus Gründen, die ich absolut nicht nachvollziehen kann, wollte der Meister mein Auto da behalten. Und das alles wegen einer einzigen kleinen Schraube...

Wartet nur ab, bis der Winter vorbei ist! Bis dahin habe ich dem Autoteile-Markt noch den einen oder anderen Besuch abgestattet! Und dann nagel ich mir die Reifen selbst an das Auto! Ha!

Montag, 22. Oktober 2012

Polarnacht "light"

An sich hat der Norden ja viel Faszinierendes, zum Beispiel Mittsommer, oder die Polarnacht.
Ich bekomme in schöner Regelmäßigkeit eine Ahnung, wie es sein muss, wenn Tageslicht nur eine Option ist, aber keine Tatsache. Nachtschichten bringen meinen Tagesablauf regelmäßig völlig durcheinander.
Dabei ist es eigentlich ein ganz normaler Arbeitstag; er fängt eben nur ein bisschen später an als gewöhnlich.
Der Start in den nächtlichen Arbeitstag (schon allein dies ein kleines Paradoxon) gelingt eigentlich recht gut. Vielleicht bin ich nicht ganz ausgeschlafen, aber das geht mir an anderen Tagen genauso., Dagegen hilft eine gute Tasse Kaffee, tiefschwarz, heiß und koffeingesättigt. Dann habe ich genug Schwung, die Routinearbeiten, die so anliegen, in dieser Nacht zu erledigen.
Zwischendurch noch eine Tasse Kaffee, um den Kreislauf ein wenig in Schwung zu bringen, dann bekomme ich die Nacht schon rum. Alles kein Problem!
Irgendwann ist die Routinearbeit getan, und wie es so ist mitten in der Nacht, kommen keine neuen Aufgaben. Zeit für eine kleine Pause, einen Plausch mit den Kollegen, Ablenkung bei einer genüsslichen Tasse Kaffee.
Ein Blick auf die Uhr: Hurra, die ersten zwei Stunden sind rum. Erst?
Je ruhiger der Arbeitstag, ach nein, die Arbeitsnacht ist, desto schwieriger wird es jetzt.
Drei Uhr: Gääääääähn! Erstmal einen Kaffee...
vielleicht einen doppelten Espresso...
gemütlicher Stuhl, irgendwie...
..................
..................
......wollte ich nicht noch eine Kaffee? Schwarz, heiß, stark! Damit lässt sich der Rest der Nacht aushalten! Wär doch gelacht! Ha!
Schmeckt gut, der Kaffee.
Wollte doch noch was lesen. Knochentrockener...
.... Text, ....
...............
.............das....
...............
...............
...............
Mein Kaffee! Weckt kaltes Koffein eigentlich auch die müden Glieder? Der Stuhl ist aber auch zu bequem! Dann vielleicht doch noch eine Runde durch die Gemeinde. Mal schauen, wem man noch ein Gespräch aufzwingen kann. Wieviel Uhr? Erst halb vier?!
Was einen jetzt wachhält, ist der Gang zur Keramik, weil der ganze Kaffee ja auch irgendwann wieder raus muss. Eine willkommene Abwechslung im langweiligen Tran des Nachtschicht-Trotts. So ein Gang zur Toilette kann ein kleines Ritual werden. Genüsslich über den Gang wandern, in aller Ausführlichkeit vor Örtchen der Natur ihren Lauf lassen, gründliches Händewaschen mit kaltem Wasser und, bitte schön, noch ein paar Spritzer ins Gesicht. Na bitte, endlich wieder wach.
Fünf Uhr, gleich kommt die Ablösung. Der rechte Zeitpunkt, sich mit einem Kaffee zu bewaffnen, der den Kreislauf einen motivierenden Tritt in den Allerwertesten gibt, um dann den Tagesablauf noch einmal Revue passieren zu lassen, damit nachher bei der Übergabe nichts vergessen wird. Also, was war denn alles so los? Aha....
... nicht so viel....
.........langweilig....
.................
.................
.................
.................
Mein Gott, ist denn die Ablösung nicht endlich da? Und mein Kaffee ist schon wieder kalt! Vielleicht sollte ich mal an die frische Luft gehen? Keine schlechte Idee, wenn es draußen nicht so eisekalt wäre und wenigstens nicht regnen würde... Noch ein Gang auf die Toilette, Wasserspiele anwerfen.

Irgendwann am Morgen ist es dann endlich so weit, die Ablösung ist da! Schnell die Übergabe über die Bühne gebracht und nichts wie nach Hause. Schön, wenn man dann Mitfahrer ist  und den Sonnenaufgang...
..........
..........
.... sind wir schon da?
Und endlich, wenn die ganze Nation zur Arbeit geht, komme ich endlich in meinem Bett zur Ruhe! Oh, Wohltat! Oh, Wonne in Morpheus Armen! Na ja, die Handwerker nebenan hätten heute aber auch mal eine Pause machen können...
Die nächste Nachtschicht wird eine Qual....

So bekomme ich einen kleinen Eindruck von der Polarnacht, wenn man (gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit) im Dunklen zur Arbeit fährt. Auf dem Heimweg geht die Sonne noch lange nicht auf, und wenn man seine kleine Mütze Schlaf dann endlich bekommen hat, wird es schon wieder dunkel... Kein Wunder, wenn man dann ein bisschen blass um die Nase ist...

Zum Abschluß ein schöner Film, in der die Nacht zum Tag wird.

 Tromsø in the Polar Night

Samstag, 20. Oktober 2012

Rollenspiele

Als sich vor einigen Jahren ein kleines Wunder ereignete und mein Sohn sich anschickte, diese Welt zu erobern, betrachtete ich eine erste Ultraschallaufnahme von ihm und dachte mir: "Mein Sohn! Irgendwann rennst du durch die Welt, die Taschen voller Steine, Schrauben, Schnur, Kaugummi und allem anderen, was man so braucht, und erlebst ein Abenteuer nach dem anderen."
Ich sehe meinen Sohn aufwachsen, erlebe seine kleinen Abenteuer mit und erlebe, wie er älter wird, Interessen entwickelt und wieder ablegt, wie er wächst und gedeiht.
Ein wenig später nur machte sich meine Tochter ebenfalls auf den Weg, dieser Welt ihren ganz eigenen Stempel aufzudrücken. Und wieder sinnierte ich beim Anblick des Ultraschallbildes: "Meine Tochter! Eine Welt in Rosa, mit Pony, Püppchen und Barbie."
Und auch sie sehe ich aufwachsen und erlebe ihre Streifzüge mit dem Puppenwagen, ihre derzeitige Vorliebe für Handtaschen und die täglichen kleinen und großen Revierkämpfe mit ihrem Bruder.

Gewissermaßen scheint der Weg vorgezeichnet. Unsere Kultur und Tradition führt zu einem festgefügten Bild, wie sich ein Junge zu verhalten hat und was ein Mädchen ausmacht. Jungs sind blau, draugängerisch, abenteuerlustig und spielen Streiche. Mädchen sind rosa, niedlich, spielen mit Puppen und weinen viel. Was in der Folge, also in der Zukunft dazu führt, dass aus Jungs echte Männer und aus Mädchen eben Frauen werden. Hier die Axt, das Auto, die Muskeln, dort der Kochlöffel, der Kinderwagen, Brust, Beine und Po.
Manchmal aber bekommt dieses Bild Risse, und dann entsteht ein völlig neues Bild, erst recht in unseren modernen Zeiten mit Emanzipation, Alice Schwarzer und Frauenquote.
Na gut, mein Junge trägt meist blaue Kleidung, macht Unsinn und spielt am liebsten mit Autos. Aber er ist auch sehr sensibel, ziemlich launisch und manchmal eine richtige Zicke. Während meine Tochter zwar Rosa trägt, mit Puppen aber nicht wirklich viel anfangen kann. Dafür aber ist sie der Draufgänger mit einem Haufen Unsinn im Kopf.
Meine Vorstellungen, die ich mir einmal von meinen Kindern gemacht habe, verändere ich beinahe Tag für Tag. Und es tut mir nicht mal leid! Mein Sohn, den ich als "Dennis the Menace" gesehen habe, als Klettermaxe mit Zwille, als Cowboy oder Soldat, erscheint mir  nun eher als Schöngeist, der sich am Anblick von Tieren und Pflanzen erfreut, als feinfühliger Philosoph, der nur zu gern in seiner eigenen Gedankenwelt lebt. Während seine Schwester schweren Schrittes durch die Welt stapft, als wäre es ihre eigene. Meine Tochter hat nichts als Unsinn im Kopf und die Hosentaschen voller Steine, Knöpfe, Schnüre und Sand. Während mein Sohn vor dem Baum sinniert, warum er da steht und was er da macht, versucht sich meine Tochter bereits schreiend vor Vergnügen am Aufstieg.
Eines Tages, da sind sich meine beste Frau von allen und ich uns einig, wird unser Sohn mit einem Strauß Blumen nach Hause kommen, während unserer Tochter die Fahrradkette aus der Tasche baumelt.
Oder vielleicht auch nicht. Denn immer, wenn ich denke, dass Sohn und Tochter die Plätze getauscht haben, klettert er die Schränke im Haus rauf und runter, während sie versonnen ihre Handtasche packt und ihre Püppchen umsorgt.
Bereit, die Welt zu erobern!

Donnerstag, 18. Oktober 2012

So viele Menschen...

Gerade eben noch war ich auf der Suche nach einem Thema, um mich endlich mal wieder in meinem Blog zu melden. Ich habe etwas gefunden!

Was mich am folgenden Video fasziniert, ist der Friede und die Ruhe, die entstehen, wenn die Menschen mal nicht über die Straßen wuseln. Wir kennen San Francisco als eine Stadt voller Bewegung, so wie wir Frankfurt, München, Hamburg oder unsere eigene Heimatstadt voll von Menschen kennen.
Was für ein Unterschied ist es, wenn all die Menschen, die da so normalerweise unterwegs sind, plötzlich fehlen! Ein ähnliches Gefühl überkommt mich, wenn ich tief in der Nacht durch meine Stadt streife. Wenn es nicht gerade Wochenende ist und alle Clubs und Kneipen noch offen, dann sind auch hier die Straßen leer. Es ist der Gegensatz zum sonst so hektischen Treiben, der mich dann fasziniert. Dass eine Stadt wie San Francisco oder eben meine Heimatstadt so ruhig, so friedlich wirken kann, erstaunt mich.
Aber genug geschrieben. Klickt das Video an, schaltet um auf Vollbild und genießt!


P.S.: Ich war noch niemals in San Francisco, aber nach diesen Bildern könnte ich es mir echt überlegen...

Sonntag, 14. Oktober 2012

Mannesfreuden...

Heute bin ich mal wieder einem meiner liebsten Hobbies nachgegangen. Ich habe gekocht!

Es gab Schweinsfilet auf mediterrane Art!
Das komplette Rezept kann man hier einsehen.

Kochen ist für mich ein besonderes Hobby, denn eigentlich bin ich ja eher sitzenden Tätigkeiten zugetan, wie zum Beispiel dem Lesen. Na gut, nicht nur sitzend, ich kann dabei auch ganz gerne mal liegen.
Beim Kochen aber fliege ich durch die Küche. Die  muss dann auch ganz allein mir gehören! Eventuelle Frauen, Kinder, Gäste oder sonstige Unruhestifter werden zwar nicht der Heiligen Hallen verwiesen, müssen aber schnell feststellen, dass es für sie trotz der ungeahnten Größe der Küche einfach keinen sicheren Platz gibt, wenn ich mit Messer, Holzlöffel, Schneebesen, Schüssel, Schneidbrett und Pfanne nebst Kaserolle durch meinen Arbeitsbereich fege.


Es sind die kleinen Rituale nebenbei, die mir das Kochen so wertvoll machen. Sicher, die üblichen Tätigkeiten wie Kartoffeln schälen, Zwiebeln häuten, Mehl anschwitzen und so weiter, habe ich von meiner Mutter gelernt. Und sie war eine hervorragende Lehrmeisterin! Aber für mich selbst habe ich die Tätigkeit des Kochens mit ein paar kleinen Extras gewürzt, ohne die ich bei keinem Gericht auskomme. Dazu gehört zum Einen ausgesprochen gute Musik, zu deren Takt ich den Löffel durch die Soße schwingen lassen kann, und zum Anderen meine rituelle Tasse Espresso, die ich zwischendurch genüßlich schlürfe, während das Fleisch in der Pfanne schmurgelt, die Soße aufkocht oder das Gemüse sein Dampfbad nimmt.
Um mein Kocherlebnis als solches noch abzurunden, habe ich mir in diesen Tagen eine Kochjacke zugelegt, wie der geneigte Leser auf dem Foto vielleicht schon erkannt hat. Eigentlich gehört ja noch eine Kochmütze dazu, aber damit sehe ich in der Tat aus wie der letzte Fußgänger... Außerdem tragen die Fernsehköche auch eher selten eine Kopfbedeckung bei der Arbeit.
Wo wir gerade bei den Fernsehköchen sind: Ist euch schon mal aufgefallen, dass in den Kochstudios beinahe ausschließlich Köche stehen? Die Damenwelt ist bei solchen Sendungen eher auf "Helfertätigkeiten"reduziert. Und auch unter den Sterneköchen findet man sehr, sehr selten Frauen. Ist das nicht seltsam? Wenn man nämlich dann mal in die heimische Küche schaut, sieht man eine ganze Menge Mütter, Omas, Tanten, Ehefrauen, die daheim den Kochlöffel schwingen. Den Spruch "Bei Muttern schmeckt es noch am besten!" gibt es ja nicht von ungefähr!
Zuhause kochen die Mamas,
im Studio kochen die Papas.
Geschlechtertrennung, wie sie konsequenter nicht mal die Katholische Kirche hinbekommen hat...
So denn, in diesem Sinne: Guten Appetit!

Zum Schluß noch eine krasse Behauptung nebst Beweis:
Äpfel, Zwiebeln und Kartoffeln schmecken alle gleich. Den Unterschied macht nur der unterschiedliche Duft der Knollen.
Beweis: Die Nase zuhalten und in jedes reinbeißen, dann schmecken alle süß.

Realität und Halluzination

Der Nobelpreis für Literatur ist in diesem Jahr 2012 an den Chinesen Mo Yan gegangen, mit der Begründung, er verbinde "mit halluzinatorischem Realismus Märchen, Geschichte und Gegenwart"
Da frage ich mich, was eigentlich "halluzinatorischer Realismus" ist.
Zugegebenermaßen habe ich die Romane von Mo Yan nicht gelesen, kann also aus schriftstellerischer Sicht nicht beurteilen, ob er den Nobelpreis verdient hat. Andererseits weiß ich aber, dass Mo Yan Parteimitglied ist und sich mit dem Regime durchaus arrangiert hat. Seine Begründung dafür, die er einmal in einem Interview im Jahre 2009 gegeben hat, liest sich wie die Begründungen der ehemaligen Parteigänger von NSDAP oder SED: Wer nicht dabei war/ist, kommt zu nichts.
Für Mo Yan mag das der richtige Weg gewesen sein. Immerhin setzt er sich trotzdem kritisch mit dem Regime, unter dem er lebt, innerhalb der engen Grenzen, die ihm dadurch gesetzt sind, auseinander.
Aber mir stellt sich die Frage, ob das Komitee der Nobelpreis-Stiftung hier die richtige Entscheidung im Sinne Alfred Nobels getroffen hat. Immerhin wollte er Schriftsteller auszeichnen, die "in der Literatur das Herausragendste in idealistischer Richtung produziert" haben. Ist es herausragend, dass Mo Yan "zu Ehren des Großen Führers Mao Tse Tung" dessen berüchtigte Reden abgeschrieben hat? Möglicherweise, aber sicher nicht in der idealistischen Richtung, die Alfred Nobel sich vorgestellt hat. Ich bin mir sicher, da hätte es andere Schriftsteller gegeben, die besser geeignet wären, Nobels Forderung nach herausragender Leistung und Idealismus Rechnung zu tragen. Und ich bin mir sicher, diese Schriftsteller wären nicht nur in China zu finden, sondern auch in Chile, Mexiko, auf dem afrikanischen Kontinent oder sogar in Deutschland.

Wie "treffsicher" das Komitee der Nobelpreisstiftung tatsächlich sein kann, zeigt folgende kleine Geschichte:
Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die Europäische Union. Damit soll dem Beitrag Rechnung getragen werden, den die EU zu sechs Jahrzehnten friedlicher Entwicklung in Europa geleistet hat. Und die vielen Vertreter der Europäischen Union haben nun nichts besseres zu tun, als sich darüber zu streiten (sic!), wer die Auszeichnung in Oslo entgegennehmen darf... Das ist doch zutiefst paradox: Streit um einen Preis des Friedens! Gleichzeitig ist es aber auch zutiefst menschlich, denn Wichtigtuerei, Neid und Missgunst geben sich hier die Hand.
Auch hier frage ich mich, ob dieser Preisträger den Vorstellungen Alfred Nobels tatsächlich entspricht. Wäre es nicht besser gewesen, einen einzelnen Menschen, der sich besonders um den Frieden in dieser Welt verdient gemacht hat, auszuzeichnen, als Ansporn und Motivation für all die anderen, die sich bis jetzt einfach nicht getraut haben? Oder eine kleine, vielleicht sogar nichtstaatliche Friedensorganisation, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten versucht, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen? Meiner Ansicht nach ist die Organisation Europäische Union einfach viel zu groß und nicht wirklich fassbar. Was sich ja nun auch bestätigt, nachdem es eine ganze Reihe von Vorschlägen gibt, wer aus diesen vielfältigen Ressorts, Abteilungen, Ausschüssen und wasweißichnochalles der EU den Preis entgegennehmen soll.
Meiner Meinung nach sollte der Präsident des Eurpopäischen Parlaments den Preis entgegennehmen, oder Herman van Rompuy, der Ratspräsident. Auf jeden Fall sollte sich eine Gala, ein Ball, eine Feierstunde anschließen, die europaweit im Fernsehen übertragen wird, und in der eindeutig dargestellt wird, dass hier nicht einige wenige, sondern vielmehr unzählige Bürger aus 27 Ländern ausgezeichnet wurden. Die Frage, was mit dem Geld passieren soll, das mit dem Nobelpreis verbunden ist, immerhin gut 900000 Euro, möchte ich gar nicht beantworten. Und ich bin mir sicher, da wird es noch jede Menge Debatten geben! Da hat das Komitee der Nobelpreisstiftung echte Halluzinationen gehabt, dass diese Realität gut gehen würde...

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Denken Sie nicht an blaue Elefanten!

Ich hatte heute ein Erlebnis, dass ich nicht einmal meinen ärgsten Feinden wünschen würde. Obwohl, einem vielleicht...
Ich hatte heute das Vergnügen, einen gar nicht mal so schlechten, sehr interessanten Vortrag zu hören, der leider ein bisschen länger wurde als geplant. Das ist an sich nicht so schlimm, zumal das Thema in der Tat sehr interessant war. Ärgerlich war nur, dass ich nach etwa 15 Minuten Vortrag das Gefühl hatte: "Solltest langsam mal auf die Toilette..."
Rede,
Vortrag,
Bilder,
Rede...
Es wäre unhöflich gewesen, den Vortrag wegen einer solchen Lapalie zu verlassen, wenn auch nur kurz. Ich blieb also an meinem Platz und folgte dem Redner durch seine ganz persönliche Welt.
Rede,
Vortrag,
Bilder,
Rede...
Meine Blase signalisierte: "So langsam wird es dringend!" Aber es war doch so interessant! Ich versuchte, die Nachrichten aus dem unteren Bereich meines ungeduldigen Körpers wenigstens temporär zu ignorieren, bis ich Zeit und Gelegenheit hätte, dem Drängen meiner Blase nachzugeben.
Rede,
Vortrag,
Bilder,
Rede...
Wie es sich für einen anständigen Vortrag gehört, kam er nach einiger, andernfalls durchaus annehmbarer Zeitüberschreitung zum Ende. Meine Blase hüpfte daraufhin in freudiger Erwartung geradezu euphorisch auf und ab, was mich aus meinem Stuhl schnellen ließ, um schnellen Schrittes zur Tür zu eilen. Dort wurde ich aufgehalten, und während sich ein großer Teil meines Hirns mit dem sich nun entspannenden Gespräch über den Zeitbegriff im Allgemeinen und Pünktlichkeit im Besonderen beschäftigte, kreiste in einem kleinen, aber gemeinen Areal ganz hinten an der Hirnwand nur ein Gedanke: "Du darfst jetzt an alles denken, nur nicht an rauschende Bäche!" Meine Blase erinnerte sich augenblicklich, dass sie da noch ein dringendes Bedürfnis hatte. Ein gewisser Druck baute sich in meinem Bauch auf. Nun kann man ab und an ein Gespräch nicht einfach so beenden, zumal circa fünfzig Prozent der Teilnehmer mein Chef waren. Ich versuchte also, mit allerlei klugen, aber nichtssagenden Antworten das Thema zum Abschluß zu bringen, während vor meinem inneren Auge Gebirgsbäche hektoliterweise vor sich hin strömten und mein inneres Ohr dazu das Rauschen in Dolby Surround hörte. Nach einer gefühlten Ewigkeit konnte ich einen letzten Gruß zwischen den Lippen herauspressen. Endlich konnte ich zur Erlösung verheißenden Tür der Toilette vordringen. Aber das Schicksal meinte es nicht gut mit mir. Auf dem Weg zum urinalen Paradies begegnete ich dem nächsten Gesprächspartner, und das leidige Spiel wiederholte sich. Krampfhaft versuchte ich mich in nettem Small Talk, während dieses kleine und gemeine Hirnareal leise zu singen begann: "Es klappert die Mühle am rauschenden Bach..."
Glücklicherweise währte dieses Gespräch nicht lange, und ich beschloß, mich auf dem weiteren Weg zur Erleichterung nicht einmal von einer Kontinentalverschiebung, einem Vulkanausbruch oder ähnlichen Kleinigkeiten aufhalten zu lassen. Aber ach! Die Götter hatten sich gegen mich verschworen! Vor der Tür stand der Utensilienwagen unserer Gebäudereinigungsfachkraft: "Ich habe gerade angefangen! Dauert auch nicht lange!" flötete es aus dem Vorraum der Toilette.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich habe großen Respekt vor der Arbeit unserer wackeren Reinigungsfachkräfte, und ich weiß, dass sie unter großem zeitlichen Druck stehen. Aber in gewissen Situationen sind neunzig Sekunden für einen tennisplatzgroßen Schauraum für langweilige Kacheln mit keramischen Sitzgelegenheiten und praktischen Urinalen einfach zu lang! In der Toilette rauschte infolge der Reinigungsarbeiten eine Toilettenspülung nach der anderen, während ich mit gekreuzten Beinen vor der Tür auf und ab lief und sowohl dem Rauschen der Toiletten wie auch dem Wellenschlag in meiner Blase lauschte. "ICH MUSS MAL!" brüllte meine Blase! Meine Sicht war gelb! Mir stieg sogar der Geruch warmen Harns in die Nase! Und eine altbekannte Angst beschlich mich: "Was ist, wenn die Blase platzt?"
Bevor ein derartiges Desaster passieren konnte, grinste sich die Reinigungsfachkraft aus der Toilette, bedankte sich artig für meine Geduld und schaute mir ein wenig verblüfft nach, als ich mit Höchstgeschwindigkeit das nächste Urinal anflog.
Mit zitternden Händen und Schweiß auf der Stirn nestelte ich an Knopf und Reißverschluß, die sich genau diesen Moment aussuchten, um in den Streik zu gehen. Fluchend rupfte ich am Hosenbund im verzweifelten Versuch, die zur Verrichtung nun äußerst dringender Geschäfte nötigen Körperteile an die mehr oder weniger frische Luft zu bekommen. Endlich! "Moin!"
Was? Da stand doch tatsächlich einer neben mir?! Völlig gelassen und in sich ruhend stand dieser mir völlig unbekannte Mann neben mir und ließ der Natur ihren freien Lauf. Und ich? Nix! Der tiefste Punkt auf Erden ist der Mariannengraben. Ganz unten, in rund 11000 Metern Tiefe herrscht ein Druck von rund 1100 bar. Das ist ein Witz gegen den Druck, der in meiner Blase herrschte! Wenn der Typ sich nicht augenblicklich vom Acker macht, pinkel ich hier lupenreine Diamanten! (Moooment..! Da kommt mir doch gerade eine Geschäftsidee.) Es ist nichts zu machen. Meine Blase ist bis zum Überlaufen voll und spielt das Lied vom feuchten Tod, aber das Pinkelbecken bleibt trocken wie die Wüste Gobi! Ich kann nun mal nicht, wenn man mich beobachtet! Sicher, der Mann schaut völlig entspannt die Wand an. Aber wir wissen doch, wie das ist, wir Männer! Natürlich will der wissen, was ich in der Hand habe! Jetzt denke ich an murmelnde Bäche, an rauschende Wellen. Ich singe leise "I'm dancing in the rain!", ich drücke sogar die Klospülung... Nichts zu machen! Der trockenste Ort der Welt ist nicht die Atacama-Wüste in Chile, es ist mein... Endlich schüttelt er ab! Endlich geht er! Hallelulja! Die Tür schließt sich hinter ihm und gleichzeitig öffnen sich bei mir die Schleusen! Selten war ein nasser Strahl so schön anzusehen!
Die menschliche Blase hat ein durchschnittliches Fassungsvermögen von 800 Millilitern. Aber was sich da gerade sprudelnd den Weg bahnt, sind Liter, Hektoliter! Welch seliges Gefühl, wenn ein ganzer Ozean den Körper verlässt! Ein glückliches Lächeln ersetzt meinen bis dahin so gequälten Gesichtsausdruck, und ich genieße den Augenblick bis zum allerletzten Tropfen. Aaaah! Welch Wohltat.

Zum Abschluß das Paradoxon des Tages: "Diesen Hinweis nicht lesen!"

Dienstag, 9. Oktober 2012

Jedes Böhnchen...

... gibt ein Tönchen, jede Erbse einen Knall.
Das sagten mir meine Oma und meine Mutter gerne.
Dann gab es da noch die Frage: "Was hältst Du eigentlich eigentlich von einem Furz?" "Och, die eigenen sind in Ordnung!"

...

Man kann heutzutage eigentlich nicht früh genug anfangen, seine Kinder an die Welt der Computer heranzuführen. So saß ich denn auch heute mit meinem Sohn vor der Klapperkiste und rannte mit ihm durch eine binäre Welt voller merkwürdiger Frösche, bunter Ballons und lustiger Geräusche. Es ist erstaunlich, was ein kleiner vierjähriger Junge schon am Computer zu tun vermag!
Was hat das jetzt mit den ersten Zeilen zu tun? Eigentlich nichts.
Mein Sohn saß auf meinem Schoß, klickte sich durch virtuelle Kinderwelten und hatte einen Riesenspaß. Ich auch, bis...
Der Bildschirm wurde milchig, unzählige Fliegen umkreisten Sohnemann und mich, die Tapete begann, sich von der Wand zu lösen, meine Brille wurde blind und mein Ehering verwandelte sich von edlem Gold zu profanem Wellblech. Und das alles innerhalb weniger Bruchteile von Sekunden.
Dann erreichte eine olfaktorische Apokalypse meine vom Schnupfen gebeutelte Nase. Sie zog sich tief in den Schädel zurück und drängte sich ängstlich an den Nacken. Mein Mund zog sich zusammen, bis er nur noch groß wie ein Stecknadelkopf war. Meine Haut wurde grün, die Augen tränten heftig, schlossen sich und weigerten sich standhaft, sich wieder zu öffnen.
Und mein Sohn, Urheber dieser ultimativen Flatulenz, saß auf meinem Schoß und feixte. Na ja, die eigenen Fürze riecht man ja nicht wirklich...
Die erstickten Geräusche aus dem Wohnzimmer, eine panisch flüchtende Katze und eine zart braune Wolke alarmierten mein Frauchen, die auch sofort zur Rettung sprang. Ein tiefer, tiefer Atemzug vor der Dufthölle, den Mund fest verschlossen, die Lippen zu einer nur mikrometer-breiten feinen Linie zusammengepresst, rannte sie wie vom Satan verfolgt zur Balkontür und riss sie kompromisslos auf.
Glücklicherweise entschloss sich der dezente Geruch, seine Erkundungstour im Garten fortzusetzen. Frische Luft strömte ins Wohnzimmer, diverse Gesichtsmuskeln entspannten sich, Blicke wurden klar und die bange Frage stand im Raum: Was hat dieser kleine Kerl gegessen? Und kommt da noch mehr?
Es kam nicht mehr. Zum Glück! Und die Ursache seiner überragenden Darmtätigkeit war vermutlich die Erdnuss-Sauce, die es gestern zum Huhn gab. Alles also völlig normal. Gewissermaßen... Aber mein Entschluss steht fest: Nach dem Genuss von Hülsenfrüchten oder anderen, die Darmtätigkeit anregenden Nahrungsmitteln wird der Rest des Tages an der frischen Luft verbracht! Unabhängig von der jeweiligen Wettersituation!

Ich sehe gerade: Der Herbst ist da. Bei uns im Garten sind schon sämtliche Blätter von den Bäumen gefallen. Sogar von Nachbars Fichte... Wie seltsam...

Sonntag, 7. Oktober 2012

Oh, die Liebe...

Zu meiner grenzenlosen Überraschung und Freude gibt es tatsächlich ein paar mutige Menschen, die meinem Blog ebenso hingebungsvoll wie aufmerksam folgen.
Eine Freundin, die meinen Blog tatsächlich liest, bat mich nun, doch mal etwas über die Liebe zu schreiben, und sie lieferte auch gleich ein paar Fragen mit: Woran erkennt man, dass es Liebe ist? Woher weiß man, ob es der/die Richtige ist? Woher weiß man, ob es gut geht?
Das sind Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Weit größere Geister als ich haben sich in den vergangenen Jahrhunderten der Literatur daran versucht, die Liebe zu erklären. Namen wie Ovid, Goethe, Thomas Mann, Puschkin und viele, viele weitere Meister des Wortes fallen mir ein.
Weil ich aber diese Freundin mag, wage ich es, mich in die Riege derer einzureihen, die die Liebe zu beschreiben versuchen.
Woran erkennt man denn nun, dass es Liebe ist?
Vielleicht daran, dass man an gar nichts anderes mehr denken kann als den (Wunsch-) Partner. Unser ganzes Denken und Handeln dreht sich nur noch darum, ob es dem Partner recht ist. Gerade am Anfang einer Liebe fühlen wir uns, als hätten wir Watte im Kopf. Rationales Denken ist fast gar nicht mehr möglich, weil wir nur an IHN oder SIE denken. Nach einer Weile wird rationales Denken wieder möglich, weil Alltag und Gewöhnung Einzug halten, aber dann sind wir schon mitten in der Beziehung und wir fragen uns: „Woher weiß man, ob es der/die Richtige ist?“
Ich wusste es nie... Bei all meinen Freundinnen (na ja, so viele waren es nun auch nicht...) hatte ich eigentlich immer das Gefühl, sie könnte die Richtige sein. Aber sicher war ich mir nie. So kam es, wie es kommen musste. Früher oder später bekam ich immer wieder ein Gefühl der Langeweile. Was ich hatte, reichte mir nicht mehr, und ich begann, mich anderweitig umzusehen. Das war dann der Zeitpunkt, an dem ich mir sicher war, dass sie eben doch nicht die Richtige war.
Und dann traf ich, obwohl ich es nicht geplant hatte, nicht mal zu hoffen wagte, auf ein Mädchen, dass meinen Puls heftig beschleunigte. Sie schaffte es, durch ihre bloße Existenz dafür zu sorgen, dass ich nicht mehr klar denken konnte. Ich hatte nicht das Gefühl, sie sei die Richtige. Ich stellte mir nicht die Frage, ob es Liebe ist. Ich wusste aber, dass sie der Teil meiner Selbst ist, der mich vervollständigte. Ich weiß es noch heute.
Die Frage, woran man Liebe erkennt, und ob diese eine die Richtige ist, stellte sich mir also gar nicht, weil ich von Anfang an davon überzeugt war und noch bin.
Wohl aber stellt sich mir die Frage, ob es denn gut geht. Das kann ich nur hoffen und das meine dazu beitragen.
Liebe heißt, sein Leben, sein Fühlen, sein Denken zu teilen. Liebe heißt, seine eigenen Bedürfnisse für den Partner zurückzustellen, nicht sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern seinen Partner. Liebe heißt aber auch, das alles, was man dort von sich selbst gibt, von seinem Partner zurück zu bekommen. Wenn der Partner ebenso selbstverständlich seine Bedürfnisse für dich zurückstellt, wenn der Partner mit dir denkt und handelt, wenn er dich in den Mittelpunkt seines Lebens stellt, dann kann es gut gehen.
Das wichtigste aber: Nimm die Liebe nicht selbstverständlich!
Seit sieben Jahren bin ich mit meiner Frau zusammen, fünf davon sind wir verheiratet. Jeden Tag bin ich dankbar für ihre Liebe, jeden Tag bemühe ich mich, ihr den Himmel auf Erden zu bereiten. Und das schöne und wunderbare dabei ist: Ihr geht es genauso.
Solange das so ist, habe ich keine Zweifel, dass es gut geht. Und dass es so bleibt, dafür machen wir uns jeden Tag bewusst, dass das, was wir haben, nicht selbstverständlich ist.
Wir haben unserer Beziehung mit unseren beiden Kindern eine ganz besondere Bedeutung gegeben. Wir haben damit eine Verantwortung übernommen, die größer ist, als alles, was wir beide bis dahin gekannt haben.
Ob das alles gut geht, wissen wir nicht. Aber jeden Tag tun wir etwas dafür, damit es bis in alle Ewigkeit gut geht.

Männer in Frauenberufen?

In den letzten Jahren ist der Anteil der Frauen in traditionell von Männern dominierten Berufen kontinuierlich angestiegen, sagen die Statistiken. Und die müssen es ja wissen!
Die Emanzipation der Frau schreitet also weiter voran, und dagegen ist zunächst einmal gar nichts zu sagen. Ich jedenfalls genieße es, eine Frau mit eigenem Kopf zu haben, und ich genieße die temporäre Anwesenheit einiger Kolleginnen an meinem Arbeitsplatz. Ein weibliches Wesen bringt doch immer ein wenig Farbe in den grauen Alltag. Außerdem ist das Betriebsklima besser, denn plötzlich achten wir Kerle auf unsere Ausdrucksweise. Kommt schon, Jungs! Ihr wisst, dass es so ist!
Wenn nun aber immer mehr Frauen in Männerberufen einsteigen, wo bleiben da die Männer, die sonst diesen Platz eingenommen hätten? Ich habe noch keine Statistik gelesen, die eine Aussage über den Anstieg des maskulinen Anteils in traditionellen Frauenberufen trifft.  Statt dessen lese ich, dass nach einer Umfrage vom September 2012 neunzig Prozent der Männer weder Wäsche waschen noch bügeln können. Ergo: Es gibt keine Männer in Frauenberufen! Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass diese Schlussfolgerung offensichtlich falsch ist. Vermutlich ist das Rollenverhalten dermaßen tief ins maskuline Hirn eingeprägt, dass sich kein echter Kerl (und das sind wir doch alle!) traut zuzugegeben, dass er sich wenigstens ab und zu einer eher femininen Tätigkeit widmet. Schon allein aufgrund dieser Geisteshaltung kann es keine belastbare Statistik über Männer in Frauenberufen geben.
Gerade deswegen breche ich heute eine Lanze für Männer, die sich gerne Tätigkeiten widmen, die eher feminin geprägt sind.
Ich bügle selbst!

Wiewohl beruflich in einer traditionell maskulin geprägten Umwelt tätig, bügle ich, quasi als Yin zu diesem Yang, zuhause die Wäsche gerne selbst. Es ist weniger eine Aufgabe, noch weniger ein Beruf, als eher ein Hobby, so seltsam das auch klingen mag. Aber ich mag den Übergang vom chaotischen Knitter zum glatten, ordentlichen Kleidungsstück. Außerdem kann ich beim Bügeln gemütlich einen Film sehen und mein geliebtes Tässchen Espresso schlürfen.
So stehe ich also allwöchentlich an meinem Bügelbrett, lausche dem Geräusch des Dampfgenerators meiner Bügelstation und verfolge ein cineastisches Kleinod am Flachbildschirm, während meine Hände unzählige Hemden, Hosen, Shirts und Kleidchen entknittern.
Ich weiß, ich gehöre zu einer Minderheit, aber damit kann ich doch herrlich leben. Muss ja nicht jeder wissen...

Und damit wir heute noch was lernen:
Wer das Bügeln letztlich erfunden hat, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass schon den Chinesen der Han-Dynastie (202 v.Chr. - 220 n.Chr.) glatte Seidenkleider wichtig waren. Die Kunst des Bügelns ist also schon uralt...

Samstag, 6. Oktober 2012

Was'n heute für'n Tach?


Eigentlich gibt es den heutigen Tag gar nicht. Na ja, zumindest war das 1582 so. Da verging der Tag dermaßen schnell, dass man ihn letztlich gar nicht bemerkt hat. Muss ein fantastischer Tag gewesen sein, damals. Warum? Na, weil er so schnell verging!
Ist Euch noch nie aufgefallen, dass die Zeit umso schneller vergeht, wenn man gut zu tun hat oder was herrlich interessantes erlebt oder einfach eine verdammt gute, aber viel zu kurze Zeit verbringt? Da hat man das Gefühl, man stünde erst 10 Minuten mitten im Leben, und dabei sind schon wieder zwei Stunden vergangen.
Hat man aber mal nichts zu tun, muss man warten oder steckt man mal nicht gerade in dem größten Vergnügen seit Eröffnung des Moulin Rouge (das war übrigens am 06. Oktober 1889!), zieht sich die Zeit wie Gummi; dann hat die Zeit Überholverbot...
Irgendwie ist das schlecht organisiert... Man sollt sich beschweren! Die Frage ist nur: Wo? Wer hat denn die Zeit in diese Welt gebracht?
Wenn ich mich nicht irre, sind die ersten Aufzeichnungen, die man als Zeitmessung interpretieren kann, runde 30000 Jahre alt und wurden irgendwo in Deutschland entdeckt. Was irgendwie auch zu erwarten war, immerhin gelten wir Deutschen als ausgesprochen pünktliche Menschen.
Einstein hat allerdings die Zeit als gleichberechtigte Größe neben Raum und Zeit negiert. Man kann sie entdecken, aber nicht erfinden.
Das bringt uns aber nicht zu einer Antwort, wer die Zeit denn nun erfunden hat. Und diese Antwort wird man wohl auch nicht wirklich finden, denn Zeit ist ein Phänomen. Ich halte es da auch mit Einstein.
Letztlich würde es wohl auf einen Beschwerdebrief an den jeweiligen Schöpfer unserer vielfältigen Religionen hinauslaufen. Wir dürften in diesem Falle davon ausgehen, dass wir keine einfach zu fassende Antwort bekommen würden. Orakel wollen in der Regel ja interpretiert werden.

Wer sich nun die Frage stellt, warum der 6. Oktober 1582 so unglaublich schnell vorbei war:
In diesem Jahr wurde der bis dahin geltende Julianische Kalender vom Gregorianischen Kalender ersetzt, was dazu führte, das der heutige Tag in diesem Jahr schlicht ausfiel, jedenfalls in den damals katholischen Ländern. Es dauerte noch bis 1949, bis der Gregorianische Kalender weltweit anerkannt wurde. Was natürlich nicht bedeutet, dass andere Kalender nicht mehr existieren. Man denke hier nur mal an jüdische oder muslimische Kalender. Aber der Gregorianische Kalender wird inzwischen weltweit eingesetzt.

Freitag, 5. Oktober 2012

Jubel!

Da! Jetzt! Endlich läuft er wieder! Nach gefühlten hmpfnhpfmzig Wochen ohne großartige Computertechnik läuft mein Computer nach fünf Tagen wieder wie am Schnürchen. An dieser Stelle dem Team der Computerwerkstatt einen herzlichen Dank!
Und was habe ich in diesen Tagen nicht alles verpasst!
Den Tag der Deutschen Einheit!
Das Laubhüttenfest!
Chinas Nationalfeiertag!
Den ersten Satelliten im Weltall!

Zu jedem dieser Anlässe (und zu allen anderen, die mir jetzt gerade nicht einfallen wollen) hätte ich quasi tagesaktuell bloggen können, aber die Technik wollte ja nicht...
Da bemerkt man erst, welchen Stellenwert der heimische PC in der Freizeitgestaltung einnimmt.
Früher gingen wir an die frische Luft oder spielten Brett-/Karten- oder Gesellschaftsspiele. Wir hatten immer was zu tun. Heute sitzen wir vor dem Bildschirm des Computers und klicken uns durch ganze Welten voller mehr oder weniger sinnvoller Information.
Als mein treuer binärer Freund nun jede Tätigkeit trotzig einstellte, hätte ich beinahe erwartet, den Bildschirm weiterhin regungslos anzustarren, weil, wie Loriot schon sagte, "ich mir von einem Fernseher nicht vorschreiben lasse, wohin ich zu starren habe!"
Aber glücklicherweise a) gehöre ich zu einer Generation, die ohne Computer aufgewachsen ist,
b) bin ich Familienvater. Somit hatte ich genügend Ideen, wie ich die Zeit "unplugged" verbringen konnte. Und natürlich habe ich mit den Kindern gespielt, und wäre das Wetter nicht so abgrundtief scheußlich gewesen, hätte... Aber "hätte" liegt im Bette!
Das schönste, was ich ohne PC in diesen Tagen tat, war des Abends ein gutes Buch zu lesen, in aller Ruhe und Stille. Wobei...
Das tue ich auch mit und / oder trotz des PC immer wieder gerne.