Montag, 31. Dezember 2012

Denke immer daran, dass es nur eine wichtig Zeit gibt: Heute. Hier. Jetzt.

Das hat Tolstoi mal gesagt. Und damit hat er wohl nicht so ganz unrecht.
Trotzdem ist der letzte Tag des Jahres traditionell eine Gelegenheit, sich an die vergangenen 365 Tage zu erinnern und Wünsche auszusprechen für die kommenden 365 Tage.
Und was war das nun für ein Jahr 2012?
Christian Wulff ist als Bundespräsident zurückgetreten und Joachim Gauck folgte ihm ins Amt.
In Syrien ging der Aufstand gegen das Regime Assad unvermindert weiter, und das wird wohl noch eine ganze Zeit so weiter gehen.
Dat Lisbeth von der Themse, also Ihre Königliche Hoheit Elisabeth II., von Gottes Gnaden Königin des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland und ihrer anderen Länder und Gebiete, Oberhaupt des Commonwealth, Verteidigerin des Glaubens, hat in diesem Jahr ihr sechzigstes Thronjubiläum gefeiert.
Das Filmstudio in Babelsberg hat seinen hundersten Geburtstag gefeiert.
Ebenso den hundersten feierte die russische Prawda und der Verleger Axel Springer, wenn er denn noch leben täte.
Wir haben die Handball-Europameisterschaft in Serbien gesehen und natürlich die Olympischen Spiele und die Sommer-Paralympics in London.
Die Mars-Sonde Curiosity ist auf dem Mars gelandet, was zwar eine technisch hervorragende Einzeltat ist, mich aber mehr überrascht hätte, wenn sie auf dem Jupiter (oder so) gelandet wäre.

So gibt es sicher noch eine ganze Menge anderer Dinge und Ereignisse, die zum Ende dieses Jahres ein oder mehrere Gedanken wert wären. Weltpolitisch, wissenschaftlich, kulturell...
Aber was uns in diesem Jahr sicher am meisten beschäftigte, war doch unser eigenes Leben. Jeder von uns hat in diesem vergangenen Jahr genug erlebt, um sich seinen ganz persönlichen Jahresrückblick zu gestalten.
Für mich persönlich war es ein beruflich außergewöhnlich erfolgreiches Jahr, und ich bin dankbar, dass ich das alles mit meinen Freunden, Kameraden und Kollegen erleben durfte. Privat war es für mich ebenso ein wunderbares Jahr. Ich habe meine Kinder gesund aufwachsen sehen, habe viel mehr Zeit mit meiner Frau verbringen können, als ich gehofft habe und habe mich im Kreise meiner Familie ausgesprochen wohl gefühlt.
Das alles lässt mich hoffnungsvoll, froh und unbeschwert in das nächste Jahr blicken, das nun kommt, obwohl die Welt schon vor ein paar Tagen längst in Feuer und Schwefel hätte untergehen sollen. Wir danken an dieser Stelle der Sensationspresse und dem unbekannten Fremden, der den Maya-Kalender ebenso kompetent wie konsequent fehl gedeutet hat.
Ich halte es also am Ende dieses Jahres mit dem guten, alten Aristoteles, der mal sagte:
 
Angenehm ist am Gegenwärtigen die Tätigkeit, am Künftigen die Hoffnung und am
Vergangenen die Erinnerung. 

Euch allen, die Ihr in den letzten Monaten meinen Blog verfolgt habt, wünsche ich ein erfolgreiches Jahr 2013, verbunden mit meinem Dank an Euch und der Hoffnung, dass Ihr weiterhin meine Geschichten genießt. 

Wenn's alte Jahr erfolgreich war, dann freue dich aufs neue,
und war es schlecht, ja dann erst recht.
KARL-HEINZ SÖHLER 




 

Sonntag, 30. Dezember 2012

Was vom Tage übrigblieb...

... ist ja eigentlich ein Roman von Kazuo Ishiguro, der 1989 erschien und 1993 mit Emma Thompson und Anthony Hopkins in den Hauptrollen verfilmt wurde.
Zu meinem Bedauern habe ich das Buch immer noch nicht gelesen (es gibt einfach so unglaublich viele Bücher, die noch gelesen werden wollen!), aber der Titel fiel mir sofort ein, als ich dieser Tage die Überreste des Weihnachtsfestes betrachtet habe.

Nun ist alles wieder vorbei. Mannigfaltige Geschenke wurden ausgetauscht, mehrere Gänge ausgezeichneter und während 364 Tagen im Jahr viel zu teurer Speisen wurden verzehrt, und tagelang beherrschte ein einziges Thema die Musikwelt: Weihnachtsmusik.
Aber nun ist alles vorbei. Das Geschenkpapier, das man im Schweiße seines Angesichts im Laden ausgewählt und um das Geschenk gewickelt hat, liegt zerknüllt, zerrissen und unbeachtet in der Mülltonne, die Waage im Badezimmer ist definitv kaputt, weil sie nur noch utopische Werte anzeigt ("So viel habe ich doch das ganze Jahr nicht gewogen!") und der Tannenbaum verliert nun büschelweise seine Haare Nadeln.
Und von der bis zum Zweiten Weihnachtsfeiertag noch vollkommen unvermeidlichen Weihnachtsmusik ist nun nichts mehr zu hören. Das ist es, was mich an den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester immer am meisten fasziniert: Von einem Moment auf den anderen, vollkommen ohne erkennbaren Übergang, wird die besinnliche, tränendrüsenantreibende, romantisierende Herz-Schmerz-Musik durch dröhnende, wummernde, schnelle Partymusik ersetzt. Sämtliche herzerwärmenden Sendungen in allen Tv-Sendern landauf, landab werden rigoros gegen eine Dauerbefeuerung von Comedians, Komödien, Lachparaden und Gute-Laune-Shows ersetzt. Was gerade noch eine ruhige, friedliche und besinnliche Zeit war, ertrinkt nun im Lärm der Silvestervorbereitung. Abrupter kann ein bevölkerungsweiter Stimmungswechsel nicht sein.
Aber keine Bange! Spätestens gegen Ende des Sommers geht es wieder los mit der Vorweihnachtszeit. Kein Witz! In diesem Jahr war es der 30. August, an dem ich die ersten weihnachtsbezogenen Süßwaren im Supermarkt meines Vertrauens entdeckte. Und weil die weihnachtlich nutzbare Phase des Einzelhandels in Jahre 2012 ja so kurz war, wird man im Jahre 2013 vielleicht schon im Juli mit dem Konsumterror anfangen...

Montag, 24. Dezember 2012

Heilig Abend

Dunkel ist die Nacht, 
fast kein Auge wacht.
Nur die Hirten auf der Erden 
lagern wachend bei den Herden,
reden von dem Herrn, 
ob er wohl noch fern. 

Und ihr Auge weint. 
Siehe, da erscheint
in den Höhen Licht und Leben.
Siehe, tausend Engel schweben
von den lichten Höh'n,
herrlich anzuseh'n!

Und ein Engel spricht:
"Fürchtet Euch nur nicht!
Siehe, ich verkünd'ge heute
allen  Menschen große Freude, 
deren werden soll
alle Welt noch voll. 

Und vergesst es nie, 
denkt dran spät und früh:
Euch. ihr Sünder, die verloren, 
ist der Heiland heut' geboren, 
Christen, Euer Herr!
Fürchtet Euch nicht mehr!"



Dies ist ein altes Volkslied aus Pommern.

Die Zeit des Gebens, des Liebens, der netten Worte, der Stille, der besinnlichen Momente. Die Zeit des Träumens, des Wünschens, des Beschenktwerdens, der erfreuten Gesichter.



Ich wünsche Euch allen Frohe Weihnachten! 


Sonntag, 23. Dezember 2012

Wintersport!

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Guten Morgen, liebe Wintersportfreunde! Ich begrüße sie heute im winterlich verschneiten Blödeby, wo heute die 37ten Weihnachtsmeisterschaften im TrashDumping stattfinden.
Ehemänner aus aller Herren Länder haben sich heute hier eingefunden, um den Besten des Jahres 2012 zu küren.
Am Donnerstag gab es schon das freie Training, und hier hat sich erneut Andrew „Trashbag“ Guettman in die vorderen Ränge gespielt, wie auch beim Qualifying gestern bei schon leicht verschneiter Strecke.
Da taucht er auch schon am Starterhäuschen auf, Trashbag hat heute offenbar auf profillose Schuhe gesetzt, das könnte ein Risiko heute sein. Trashy, wie ihn seine Gegner und Freunde respektvoll nennen, ist für gewöhnlich Rechtsträger, aber hier sehen wir, er hat sich für die linke Hand entschieden! Die linke Hand trägt also den Wettkampfmüllbeutel, gefüllt mit repräsentativem dreitägigen Abfall aus einem Haushalt, die rechte Hand also folglich die Führungshand. Die Tür am Starterhäuschen öffnet sich bereits, aber da gibt es offenbar noch ein kleines Problem. Der Kampfrichter Torve Iskaldson checkt noch einmal Größe und Gewicht des Wettkampfmüllbeutels. Zeit und Gelegenheit, die Strecke hier in Blödeby kurz vorzustellen.
Ja, da geht es nach dem Start gleich nach links in die neunstufige Höllensenke, hier erreichen die Wettkämpfer die höchsten Geschwindigkeiten im Rennen, das heute übrigens im Einzelstart durchgeführt wird. Unten am Ende der Höllensenke schließt sich die Hugo-Eckener-Gedächnis-Kehre an, eine 180-Grad-Kurve, die bei den heutigen Witterungsverhältnissen mit Bedacht genommen werden muss. Ich weiß nicht, ob das die richtige Entscheidung war, heute mit profillosen Schuhen ins Rennen zu gehen! Dann kommt die leicht abfallende Beate-Uhse-Gerade, keine große Herausforderung, aber hier, kurz vor dem Ende noch einmal eine schnelle Links-Rechts-Kombination in das Volvo-Loch, wo dann auch schon die Zieltonne steht.
So, der Kampfrichter ist mit dem Wettkampfbeutel einverstanden, und Trashbag Guettman macht sich nunmehr bereit für den Start... Konzentration steht ihm ins Gesicht geschrieben... Links der Wettkampfmüllbeutel, rechts die Führungshand an der Absprungklinke...  
Und DA ist der Start, Trashy kommt gut weg, gleich nach links geneigt in die Höllentalsenke! Meine Güte, ist der Mann schnell! Mitte der Senke, was ist daaas!? Da gleitet er aus und rudert mit den Armen! Hier nochmal rechts unten in ihrem Bildschirm in der Zeitlupe gut zu sehen! Da gleitet der rechte Fuß links weg, er versucht mit einer Links-Rechts-Ausfall-Kombi auszugleichen! Er kommt wieder auf die Beine, aber es trägt ihn weeiiiiiit raus aus der Hugo-Eckener! Führungshand nach vorne, Junge!! Na, geht doch, ein wenig spät vielleicht, aber da kommt jetzt auch noch die Lasthand vor! Der Oberkörper weiiiit nach vorne gezogen! Junge, du schaffst das!! Da setzt er endlich die Beine wieder unter den Rumpf, eine geschickte 180-Grad-Wende, und so kann er den Schwung aus seinem Sturz in die Beate-Uhse-Gerade mitnehmen! 
Jetzt hat er Zeit, sich wieder zu sammeln. 
Die altbekannte Rechts-Links-Kombination durch die Gerade, Tempo aufbauen, jetzt die letzte Slalom-Kurve..Und wieder zieht es ihm den Schuh weg! Ja, ob das so die richtige Entscheidung war mit den profillosen, ich weiß ja nicht! Er fängt sich, meineDamenundHerren, er fängt sich wieder! Da beweist sich die Klasse und Erfahrung dieses alten Haudegens, der schon gegen den legendären Alfred Tetzlaff angetreten ist, '76 war das, sie werden sich erinnern! Die letzten Meter zur Zieltonne, die Lasthand geht schon hoch, oh, das kostet Zeit, Mann! Viel zu früh! Die Führunghand greift im letzten Moment den Deckel der Tonne, Abwärtsschwung! Uund der Beutel ist in der Tonne! Und mit dem letzten Dreher kracht Trashbag Guettman in die Bande, aber da lacht er auch schon, reißt die Arme hoch! 
Er weiß es! Er weiß es! Er weiß es schon, liebe Wintersportfreunde! Das ist der Titel! Der Sieg! Meine Güte, was für ein Kracher, dieser Mann, was für ein Kerl!
Und mit diesen emotionalen Eindrücken gebe ich zurück ins Sendestudio zu Ole Olsen Olsensen. Vielen Dank!

Samstag, 22. Dezember 2012

Handwerk hat goldenen Boden?

Eines Morgens, es war noch gar nicht so lange her, stürmte mein Eheweib mit wehenden Fahnen, hoch über den Kopf erhobenen Händen und ebenso erhobener Stimme auf mich zu: „Wir brauchen unbedingt einen neuen Spülkasten!“ Nun ja, ich konnte sie verstehen.
Der bisherige Spülkasten tat seine Arbeit ein bisschen zu enthusiastisch, denn das Wasser lief beinahe kontinuierlich durch, wenn man ihm nicht ab und an (eigentlich immer) einen kräftigen Schlag auf den Deckel gab. In der Nacht ärgerte uns der Spülkasten, indem er nur ein kleines, kaum wahrnehmbares Bächlein durch die Toilette schickte, bis nachts um halb drei der Wasserkasten nachbefüllt wurde, komplett mit zischendem Wasserlauf und einem eigentümlichen (und vor allem lauten!) Quietschen am Ende des Befüllvorganges. So war es mir eigentlich sehr recht, endlich einen neuen Spülkasten an der Toilette vorzufinden, vorzugsweise ohne viel Arbeit.
Ich beorderte also telefonisch einen Klempner herbei. Das heißt, ich versuchte es.
„Hören Sie? Ich habe einen Notfall! Meine Toilettenspülung läuft durch! Kommen Sie! Retten Sie!“
„In sieben Tagen hätte ich einen Termin frei, dann könnte ich kommen...“
„Was? Aber Ihre Werbung sagt doch was von 24/7-Notdienst!“
„Ja, es dauert sieben Tage, bis sie einen Termin bekommen können, aber dann brauche ich 24 Stunden, um den Schaden zu beheben.“

Dann mach ich das eben selber. Kann ja kein Hexenwerk sein!
Einer der Vorteile der Konsumgesellschaft ist es, dass Spülkästen in allerlei Größen, Formen und Farben beim Baustoffhandel meines Vertrauens permanent am Lager sind. Glücklicherweise behelligte mich keiner der Angestellten mit irgendwelchen Beratungsgesprächen, sodass ich nach kaum einem halben Tag Entscheidungsfindung vor dem haushohen Regal mit Spülkästen mit etlichen Euros weniger in der Tasche, dafür aber einem ansehnlichen Spülkasten unter dem Arm meiner heimatlichen Scholle entgegenstrebte.
Zuhause besorgte ich mir dann auch gleich die paar Werkzeuge, die ich für die nun folgende Operation brauchen würde. Neben Schutzbrille, Arbeitshandschuhen und Sicherheitsstiefeln, kamen noch Knieschoner, Bohrmaschine, eine Auswahl von Bohraufsätzen für Holz-, Stein- und Metallbohrarbeiten in fünfzehn verschiedenen Stärken, ein Akkuschrauber, das 50-teilige Bit-Sortiment für den Akkuschrauber, ein Zollstock, ein elektronisches Metermaß, eine Wasserwaage, ein Auswahl verschiedener Zangen, Schraubenzieher in verschiedener Größe und Ausführung, eine elektrische Stichsäge mit fünfzehn verschiedenen Sägeblättern, eine Handsäge für Metallsägearbeiten, eine Trittleiter, ein Satz Dichtungen in verschiedenen Durchmessern und Stärken und ein Handtuch dazu. Solchermaßen ausgerüstet sollte es mir möglich sein, die Aufgabe in nur wenigen Stunden zu meistern.

(c) Andreas Gütter, 2012


Das Abbauen des alten Spülkastens war keine Schwierigkeit, nachdem ich den Wassereinlauf abgeschraubt und die folgende Überschwemmung mit einigen Quadratmetern Feudel wieder halbwegs trockengelegt hatte. Immerhin weiß ich jetzt, wofür die kleine Schraube am Wassereinlauf war. Und beim nächsten Mal denke ich sicher auch daran, vorher den Kasten zu entleeren.
Das Auspacken des neuen Spülkastens war dank meiner werkstättischen Grundausstattung eine Kleinigkeit, das Lesen der Einbauanleitung erinnerte mich hingegen an das Bücherregal „Billy“ eines namhaften schwedischen IKEA-Hauses. Trotzdem gelang es mir, den Piktogrammen einen einigermaßen stimmigen Sinn zu entlocken. Nachdem ich das Wasserrohr solange eingekürzt hatte, dass es gepasst hätte, wenn die Toilette näher am Spülkasten gestanden hätte, gelang es mir, den Kasten mit zwei der vier vorgesehenen Schrauben an der Wand zu befestigen. Der Einsatz der Bohrmaschine konnte zu meiner großen Überraschung entfallen, da der neue Spülkasten mit nur wenigen Hammerschlägen beinahe wie von selbst an die alten Befestigungspunkte gezwungen werden konnte.
Der reichliche Einsatz von Bauschaum gewährleistete trotz der rätselhafterweise aufgetretenen Lücke den tropffreien Transport des Spülwassers in die Toilettenschüssel. Ebenso tropffrei konnte der Spülkasten befüllt werden, nachdem ich achtzig Zentimeter Zuleitung (gerade, verzinkt) mit Hammer und Zange in die zwanzig Zentimeter zwischen Ventil und Spülkasten verbaut hatte. Die Schrauben hielten daraufhin leider nicht mehr richtig dicht, aber auch hier vertraute ich auf die dichtende und haltende Wirkung des Bauschaumes.
Nach gerade mal vier Stunden harten Handwerkertums und zwei Stunden konzentrierter Reinigungsarbeit im Bad konnte ich meiner Frau und meinen begeisterten Kindern eine funktionierende Toilettenspülung präsentieren! Und dieser Typ vom Installateur-Dienst hätte da einen ganzen Tag für gebraucht...
Seltsamerweise besteht meine Frau seit neuestem darauf, dass das gesamte Bad renoviert werden soll. Und ich soll dafür einen Fachmann engagieren! Das verstehe, wer will...

Freitag, 21. Dezember 2012

Welche Welt geht denn da unter?

Heute ist der 21. Dezember 2012. Nach allem, was uns durch die Boulevard-Presse bekannt ist, sollte dieser Tag den Abend nicht mehr erleben. Inzwischen wissen wir aber durch dieselbe Boulevard-Presse, dass das ja alles gar nicht stimmt.
Die Welt geht nicht unter, und trotzdem pilgern einige Unverbesserliche nach Frankreich, in den kleinen Ort Bugarach, weil irgendjemand, von dem sie selbst nicht wissen, wer es war, behauptet hat, dass dort die Außerirdischen landen, um wenigstens ein paar von uns zu retten. Spätestens nach einer Woche würden die Außerirdischen ihre Geretteten wieder zur Erde zurückbringen, davon bin ich überzeugt. 
Was für mich persönlich Anzeichen für einen völlig verdienten Weltuntergang ist, sind zum Beispiel Weltuntergangsüberlebenspakete, die man allen Ernstes erwerben kann. Ich habe auch eine Weltuntergangsversicherung gefunden. Man bekommt eine satte Million Euro, wenn der Weltuntergang eintritt. Was will man dann noch mit der Kohle, wenn man selbst nur noch eine Wolke Moleküle ist? Ich hoffe, das war ein Scherzangebot... 
Mal ehrlich, wenn ich wüsste, dass morgen mein letzter Tag auf Erden ist, würde ich mir allen Luxus, den ich bekommen kann, auf Pump kaufen! Nach mir die Sintflut! 
Und überhaupt: Was für einen Sinn haben denn Weltuntergangsüberlebensstrategien? Solange diese Pläne nicht das Verlassen der Erdumlaufbahn, das Erreichen eines erdähnlichen Planeten und dessen erfolgreiche Besiedlung vorsehen, ist das ohnehin Quatsch. Der Terminus Weltuntergang bedeutet, dass die gesamte Welt untergeht, einschließlich aller Bunker, Überlebenspakete und Berufsoptimisten.

Für die ganzen Propheten der Weltuntergangsfraktion (die Zeugen Jehovas, Nostradamus-Follower und ähnliche) muss das heute ja der reinste Weltuntergang sein. Wie sollen sie ihren Jüngern bloß erklären, dass es nicht geklappt hat? Wieder mal... Ich hätte da einen kleine Tipp: 
Ich glaube, es war Papst Silvester II., der einen Weltuntergang beim Jahreswechsel von 999 zu 1000 (n.Chr.!) vorhersagte, der dann auch nicht eintrat. Seine Begründung: "Natürlich ist die Welt nicht untergegangen! Ich habe ja auch gebetet!" Beweise ihm einer das Gegenteil. 
Aber er ist ja nicht der erste, der den Weltuntergang vorhergesagt hat, und er wird auch nicht der letzte sein. Die Bibel ist ja angeblich voll von Hinweisen auf den Weltuntergang, und man muss sie nur richtig lesen, um das Datum zu finden. Aber selbst die Zeugen Jehovas halten sich inzwischen nach einigen Fehlberechnungen damit zurück, einen genauen Zeitpunkt anzugeben. 
Den hat auch Nostradamus nicht wirklich angegeben, aber er hat uns eine Reihe Hinweise gegeben, die wir natürlich nur richtig deuten müssen. Dann klappt es auch mit dem Weltuntergang. 
Selbst Isaac Newton (Ihr wisst schon, der mit dem Apfel und der Gravitation) hat einen Weltuntergang vorhergesagt, und zwar für das Jahr 2060. Nun, wir werden sehen... 
Es war aber kein geringerer als Vladimir - der Russische Bär - Putin, der den einzig richtigen Zeitpunkt für den Weltuntergang bekannt gegeben hat. In einer monströs langen Pressekonferenz am 20. Dezember verkündete der russische Präsident den Weltuntergang für einen Zeitpunkt in gut 4,5 Milliarden Jahren, wenn die Sonne das Licht ausmacht. Bis dahin tut uns ohnehin kein Zahn mehr weh.

Ich bin überzeugt davon, dass der Maya-Kalender, der die ganze Geschichte ausgelöst hat, nur am 21.12.12 aufhört, weil der Kalenderschreiber einfach keinen Platz mehr auf dem Stein gehabt hat. Und bestimmt findet man in den nächsten Tagen einen weiteren Stein der Maya, auf dem der Kalender vom 22.12.12 bis 21.12.2412 verzeichnet ist, komplett mit allen Geburtstagen künftiger Herrscher, Weihnachten und Oster-Terminen. Wahrscheinlich findet man den Kalender dann in Nordkorea, und vermutlich wird er von Kim Jong-Un gefunden. Immerhin hat der Teufelskerl (bzw. seine von ihm beauftragten und inspirierten Forscher) schon das tausend Jahre alte Einhornnest gefunden. Siehe hier: Einhornnest gefunden! Was ist da schon ein Filofax-Ableger der Maya? 

Wie sagte schon mein Vater:
Und wieder ist ein Tag vollbracht, 
und wieder haben wir nur Mist gemacht. 
Morgen geht's mit gleichem Fleiße
weiter mit derselben Sch...

(Doch, Papa, hast Du gesagt! Der Satz hat sich mir in den zerebralen Frontallappen eingebrannt...) 

Und morgen früh können wir uns dann wieder solche Bilder live anschauen: 


Freitag, 14. Dezember 2012

Der freie Wille

Seine Kinder satt zu bekommen, sollte eigentlich keine Schwierigkeit sein. Immerhin ist das Essen ein Grundbedürfnis, das gestillt werden will.
Solange das Kind noch nicht allzu lange auf diesem Erdenrund weilt, ist die Fütterung des Raubtieres auch denkbar einfach: Anlegen an Mamas reichlich gefüllte Milchbar, und schon wird mit seligem Blick genuckelt. Alles sehr einfach, vielleicht auch, weil die Speisekarte eine ausgesprochen spartanische Auswahl von Menüs aus garantiert biologischem Anbau bietet.
Trotz der sehr eingeschränkten Menüauswahl neigen Männer, die der Speisung mehr oder weniger zufällig beiwohnen, dazu, die glücklichen Babies hingebungsvoll zu beneiden.

Spätestens jedoch, wenn die mütterliche Menütafel geschlossen wird und man die Speisekarte um Breichen verschiedenster Konsistenz und Zusammenstellung erweitert, beginnt das Drama.
Denn nun entwickelt das Kind auch noch ganz allmählich seinen eigenen, freien Willen. Wenn der dritte Löffel schwungvoll auf dem Latz gelandet ist, statt den Weg in die infantile Mundhöhle zu finden, wenn Sohnemann  im letzten Augenblick angewidert den Kopf wegdreht, sodass der Spinatbrei in den Haaren landet, wenn Töchterchen den Karottenbrei großzügig auf Strampler, Sitzhilfe und Fußboden verteilt hat, ist man bereit, dem Erfinder des freien Willens gerne mal ein paar Takte zu seiner hervorragenden Idee zu erzählen.
Aber glücklicherweise garantieren elterliche Geduld, zahlreiche Überlistungsstrategien und ein gehöriges Maß Sturheit seitens des Löffelhalters die ausreichende Ernährung der Kinder trotz aller Ausweichbewegungen...
Je älter nun die Kinder werden, desto mehr entwickeln sie Vorlieben und Abneigungen, was für sich genommen eine durchaus faszinierende Entwicklung ist. Man ist ja schon ein wenig stolz, wenn man sieht, wie die Kinder ihre ersten eigenen Entscheidungen treffen.
Ab und an wird diese Entwicklung allerdings auch recht frustrierend...
Letzte Woche, zum Beispiel, gab es regelmäßig Abendessen. Na ja, das gibt es ja nun jeden Abend, aber in dieser letzten Woche zeigten uns unsere beiden Augäpelchen, wie weit ihr eigener freier Wille und ihre eigenen Vorlieben und Abneigungen schon gediehen sind.

Montag - "Abendbrot, da isst man Brot!", sagt Söhnchen. Kein Problem, es wird gefuttert, bis sich     der Bauch kugelt.

Dienstag - Es gibt Nudeln. Originalzitat Sohnemann: "Ich will Reis!"

Mittwoch - Weil wir unseren Kindern Gutes tun wollen, gibt es Reis. Zitat Filius: "Ich will Nudeln!"

Donnerstag - Wenn Nudeln und Reis nicht gewünscht sind, gibt es Kartoffeln. Zitat Junior (m): "Ich will aber Brot!"

Freitag - Abendbrot, da isst man Brot... Aber Sohn will nur Gurken. Haben wir aber nicht.

Samstag - Gurken gekauft: "Ich mag aber keine Gurken!"

Sonntag - "Heute essen wir aber kein Abendbrot!" Söhnchen vielleicht nicht, aber der Rest der Familie isst ganz sicher! 


Die gleiche Woche sah bei Töchterchen ungefähr so aus:

Montag - "Ich möchte nicht essen!" Ein kleines Brot mit einer armseligen Wurstscheibe wird unter übermenschlichen Anstrengungen unserer kleinen Dame in den Bauch gezwungen. 

Dienstag - Keine Meinungsäußerungen, da Mund permanent voll. 

Mittwoch - Halbe Portion im Bauch, die andere Hälfte auf dem Fußboden verteilt. Tochter pappsatt. 

Donnerstag - "Ich möchte nicht essen." Tut es dann aber doch ein wenig  und verteilt den überwiegenden Rest auf den Fliesen. 

Freitag - Gurken, Käse, Wurst, Eier, alles mit den Händen und am liebsten gleichzeitig. Aber um Himmels Willen kein Brot! 

Samstag - "Ich mächte nicht essen!" Das Brot bleibt angeknabbert und traurig auf dem Teller liegen. 

Sonntag - Der Brotkorb ist leer, die Wurstplatte ebenso, Käse gibt es nicht mehr, und wir müssen neue Gurken kaufen: "Ich hab aber noch Hunger!"

Essen ist ein Grundbedürfnis, das gestillt werden will. Nur über das Wann und Was sind wir uns noch nicht einig. Aber spätestens, wenn die Kinder über die Arbeitsplatte schauen und den Kühlschrank allein ausräumen können, machen sie sich selbst ihr Essen!



Dienstag, 11. Dezember 2012

's is Winter!

Als ich noch ziemlich jung war (also vor sehr langer Zeit), habe ich mal gelernt, dass die Eskimos über hundert Worte für "Schnee"haben.
Das ist natürlich Quatsch. Erstens gibt es "die Eskimos" ja gar nicht, sie nennen sich Inuit, was aber auch nichts anderes heißt als Mensch. Und zweitens haben sie auch nicht viel mehr Worte für Schnee als unsereins. Allerdings ist die Sprache der Inuit, die sich Inuktitut nennt, eine sogenannte polysynthetische Sprache, was bedeutet, dass Worte, Eigenschaften und Tätigkeit durch Affigierung zu scheinbar einem einzigen Wort verschmelzen. Dort also, wo der normal hochdeutsch sprechende Wintergeschädigte sich wortreich über "Schnee, der eiskalt vom Dach in meinen Nacken gerutscht ist" beschwert, benutzen Inuit einen Ausdruck, der auf Deutsch ungefähr so aussehen könnte: "Schneedereiskaltvomdachinmeinennackengerutschtist".
Etwas ähnliches kennen wir ja auch im Bayrischen. Dort heißt derselbe Sachverhalt (siehe oben): "Himmiherrgottzefixhalleluljasoginochamoi!" Dabei wird der rechte Arm über den Kopf gehoben und die rechte Hand mit fegenden Bewegungen in den Nacken gelegt. Die linke Hand greift um die linke Hüfte herum in den Rücken. Jetzt mit der linken Hand die rechte ergreifen. Und eins, zwei, draaai, vier, und Sei-ten-wech-sel! Ähm.
...
Wo war ich? Ach ja, beim Schnee. Es ist also Unsinn, dass irgendjemand gut hundert verschiedene Worte für Schnee hat. Wahr ist allerdings, dass es eine ganze Reihe von Ausdrücken gibt, mit denen ich die derzeitig vorhandene "weiße Pracht" beschreiben könnte. Ich habe zum Beispiel ein Wort für den Schnee, den ich im frühestmorgendlichen Dämmerlicht von heimischen Aufgang und Fußweg schaufeln muss, nur, damit der städtische Winterdienst selbigen nur wenige Minuten später wieder mittels motorisierter Schaufel unter dicken Haufen verschüttet.
Ich habe auch einen Ausdruck für das Eis, das ich am frühen Morgen mit halb abgefrorenen Fingern und einer kaputten CD-Hülle von der Frontscheibe meiner Karosse zu kratzen versuche.
Ich habe auch einen Ausdruck für den festgetrampelten Schnee auf dem Fußweg, der mich zu Bewegungsoptionen nötigt, die auf meiner persönlichen Fähigkeitsliste unter dem Stichwort "No go!" gelistet sind. Hierzu zählt zu allererst die Bewegungsform "Spagat", den zu erlernen ich in diesen Tagen innerhalb von Sekundenbruchteilen gezwungen war, und über dessen Auswirkung meine Oberschenkel noch heute mit Nachdruck Ausdruck geben!
Ich hätte noch unzählige weitere Beispiele für Ausdrücke, mit denen ich den Schnee beschreiben könnte, auch und gerne in jeder beliebigen toten oder lebendigen Sprache. Aber sie alle haben etwas gemeinsam: Sie sind allesamt nicht druckfähig...
Ja, der Winter hat eben einige Eigenschaften, die mir nicht so wirklich zusagen. Die Kälte, die einem langsam, aber sicher durch die Zwiebelschichten an die nackte Haut kriecht. Das Michelin-Männchen, zu dem ich regelmäßig mutiere, nur weil ich mich warm anziehen und eben nicht frieren möchte. Das frühmorgendliche Orgelkonzert der scheintoten Anlasser in der Straße der Laternenparker... 

Aber bevor die gesammelte Wintersportindustrie und ihre Jünger mich nun steinigen (vermutlich mit Schneebällen...): Der Winter hat auch schöne Seiten. Und die genieße ich dann auch. Die Norweger nennen diese Zeit, wenn es die Sonne den ganzen Tag nicht über den Horizont schafft, die "blaue Zeit". Und eine kleine Ahnung bekommen wir hier bei uns auch, wo der Norden schon ganz langsam zum Süden wird.
Dann, wenn der Schnee lautlos fällt, die frühe Dämmerung die Welt um mich herum in diesen ganz besonderen Blauton hüllt, wenn alles um mich herum still ist und nur der Schnee unter meinen Stiefeln leise knirscht, wenn mein Atem in der Kälte als Dampf langsam aufsteigt, wenn in der Ferne die Fenster in den Häusern golden leuchten, dann ist der Winter wunderschön.
Dann, wenn draußen der Wintersturm heult und alles in einem weißen Schneegestöber versinkt, wenn der Grog in den Händen vor sich hin dampft, wenn die Heizung bollert und der dicke Pullover so richtig kuschelig ist, dann ist der Winter wunderschön.

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Aber trotzdem: Ich warte jetzt schon wieder sehnsüchtig auf Sommer, Sonne, Strandwetter. 

Dienstag, 4. Dezember 2012

Mittagsschlaf..?

Mittagsschlaf ist doch was feines. 
Insbesondere dann, wenn man mehr oder weniger unregelmäßige Arbeitszeiten hat. Dann nutzt man quasi jede Möglichkeit, sich ein bis mehrere Mützen Schlaf zusätzlich einzufangen. Und groß sollten die Mützen sein, die man sich da auf den Kopf rammt.
Es ist nämlich gar nicht so leicht, in Morpheus Arme zu fallen, obwohl die Voraussetzungen dafür eigentlich denkbar gut sind.
Die Kinder sind erfolgreich dem Kindergarten übereignet worden, das arbeitende Volk schweigt gerade angesichts voller Münder ebenfalls, und selbst der Nachbar mit dem kaputten Roller hat seine nervtötenden Versuche, die Mühle zu reparieren, zumindest vorläufig aufgegeben. Stille breitet sich aus... 
So wickeln wir uns gewissenhaft in die urgemütliche Wolldecke, geben uns auf dem Sofa liegend dem Mittagskoma hin und schließen mit einem letzten, wohligen Gähnen die Augen. Wir gleiten in die sanfte Bewusstlosigkeit des Schlafes...

Und dann juckt es! Eine kleine Stelle, gleich unter der Nase! Also gut, eine Hand unter der Decke hervor gezogen, kurz kratzen und schon gleiten wir wieder ins Traumland. Wohlige Wärme, Stille, und es juckt am Hals, gleich links unter dem Ohr! Wieder sucht sich die Hand ihren Weg aus der Wolldecke, wir kratzen uns hingebungsvoll am Hals und beeilen uns, damit man nicht allzu wach wird. 

Jetzt aber! Schlaf, komm!

Tiefes Atmen und ein leichtes Schnarchen sollen den Rest des Körpers davon überzeugen, dass wir längst im Tiefschlaf angekommen sind. Folglich versuchen wir nachdrücklich, das Jucken unter der Gürtelschnalle zu ignorieren! Noch ein bisschen länger, dann geht es sicher gleich von selbst weg! ... Argh! Hand unter den Gürtel und hingebungsvoll und ausdauernd kratzen, kratzen, kratzen! Aaah, welch Wohltat! 
Einschlafversuch, die x-te. Vergeblich...
Nachdem wir fünfzehn Minuten lang jedes Jucken und jedes Kitzeln am ganzen Körper mit langen Nägeln, unterdrücktem Fluchen und seltsamen Verrenkungen bekämpft haben, geben wir erschöpft auf und gestehen uns unsere Niederlage ein. Wann haben wir eigentlich zum letzten Mal geduscht, dass es uns nun dermaßen jucken muss? 

Für den Rest des Tages erinnert uns ein ausgesprochen heftiges Gähnbedürfnis permanent an den verlorenen Mittagsschlaf. Wir verbiegen uns unsere komplette Gesichtsmuskulatur, damit der Rest der Welt uns unseren ständigen Drang zu gähnen nicht anmerkt. Wir reiben uns die Augen, strecken Muskelpartien, von denen wir bisher nicht mal wussten, dass wir sie haben, und tun alles, um uns vom Erschöpfungsschlaf nicht einfangen zu lassen. 
Endlich ist der Abend da! Zeit und Gelegenheit, endlich den verlorenen Schlaf wiederzufinden. Nach einer gründlichen Tiefenreinigung unseres Leibes und frisch gesalbt entern wir glücklich und schlafestrunken das heimische Federbett, um uns nur zu gern und mit Schwung in Morpheus Arme zu werfen. Sanft schlummern wir Richtung Traumland, die Decke wird warm, der Körper schwer, die Augenlider noch viel schwerer... 

AAAAAAAH! Es juckt! Am Rücken! Und ich komm nicht dran!