Samstag, 9. Februar 2013

Diagnose!

So geht das in diesen kalten, feuchten Tagen: Ganz schnell wird man zum Großabnehmer für Papiertaschentücher.
Natürlich hat es auch unsere Kinder erwischt, und zwar gleich mit voller Breitseite. Meinten jedenfalls unsere Zwerge. Die Nasen tropften unablässig, dann kam ein leichter Husten, Müdigkeit, schlechte Laune und natürlich eine Handvoll Fieber. Die meiste Zeit der letzten Woche hingen unsere kleinen Augäpfelchen ziemlich fertig und in seltener trauter Gemeinsamkeit unter der wärmenden Decke auf dem elterlichen Sofa, zogen sich einen Walt-Disney-Film nach dem nächsten rein und ließen sich von den fürsorglichen Eltern nach Strich und Faden verwöhnen. Alles in allem ein für die Jahreszeit völlig normaler grippaler Infekt, der nach einigen Tagen Intensivpflege dann auch pflicht- und programmgemäß seinen Rücktritt antrat. Die Kinder jaulten, aber, mein Gott, wann tun sie das nicht? So schlimm ist so ein saisonaler grippaler Infekt nun auch wieder nicht. Trotzdem: Die Eltern verwöhnten, aber, mein Gott, wann tun wir das nicht...
Viel schlimmer hat es mich dagegen erwischt. Kaum waren unsere beiden Schnupfis zwei Tage aufgrund grippalen Infektes zuhause, da wurde ich krank, und zwar mal so richtig. Natürlich ging ich stehenden Fußes zum Arzt, trotz heftigen Fiebers, unsäglicher Schmerzen am ganzen Körper und einer Niedergeschlagenheit, die man so bisher noch nicht kannte. Ich wurde untersucht, auch durchaus ordentlich, aber die Diagnose war ganz offensichtlich völliger Humbug. Behauptete doch der Doktor, ich litte an einem grippalen Infekt! So ein Unsinn! Alle anderen mögen an einem gewöhnlichen grippalen Infekt leiden, ich war definitiv ernsthaft krank! Mein Krankheitsbild stellte sich doch vollkommen anders dar! Ich litt unter unsäglichen Kopfschmerzen, meine Knochen taten mir weh bis in die nächste Woche! Meine Brust explodierte unter ständigen Hustenanfällen!
Usain Bolt hat die hundert Meter mal in 9,53 Sekunden gemacht, meine Nase schafft das in drei!
Um den Nasenfluß zu stoppen brauchte ich keine Taschentücher, ich brauchte eine Wagenladung Matrazen. Ich hatte sogar schon darüber nachgedacht, wie ich mir einen Eimer unter die Nase hängen  und den Inhalt zu Geld machen könnte! Und dann erst noch das Fieber! Heiß und kalt war es mir gleichzeitig. Ich war der einzige Mensch auf Erden, der beim Erfrieren Schweißperlen, ach was sage ich, Schweißflüsse am ganzen Körper hatte!
Und das soll ein gewöhnlicher grippaler Infekt sein? Das kann mir kein Studierter erzählen. Immerhin hatte der Doktor genügend Weitsicht und Erfahrung, um mich nach Übergabe einiger Paletten Medikamente einige Tage ins heimische Bett zu schicken, natürlich nur den kürzest möglichen Zeitraum, denn wir wollen uns ja nicht mit "gelbem Urlaub" schmücken.
So verbrachte ich den Rest dieser Woche eingepackt in mehrere Decken, umgeben von einer Wagenladung Papiertaschentücher und der oben erwähnten Palette lebensnotwendiger Medikamente, auf dem heimischen Sofa, wo ich mir all die Filme ansah, die ich schon lange mal wieder sehen wollte: Walt Disney bis zum Abwinken... Man bedenke: Die Kinder lagen ebenfalls noch flach, wenn auch nur mit einem gewöhnlichen grippalen Infekt. Kein Platz also für Hollywood-Kracher...
Dank der aufopferungsvollen Pflege der Eltern waren die Kinder bald wieder auf dem Damm, was mir persönlich Gelegenheit bot, mich auf meine vielfältigen Krankheiten zu konzentrieren und meinem geliebten Weib Tipps zur Pflege ihres Gatten zu geben. Und natürlich half ich ihr nach besten Kräften bei der täglichen Hausarbeit, indem ich ihr aufzeigte, wo noch gesäubert werden müsste, wann ich Hunger und/oder Durst hatte oder die Post hereingeholt werden wollte.
Inzwischen bin ich, auch durch die hingebungsvolle Pflege meiner geliebten Ehefrau, soweit wiederhergestellt, dass ich wohl am Montag wieder den Weg zur Arbeit antreten kann. Meine Frau scheint sich darüber außergewöhnlich heftig zu freuen...

Sonntag, 3. Februar 2013

Größe ist relativ

Bei dem derzeit herrschenden grauen Wetter, mit Regen, Schneeregen, Eisregen und Temperaturen weit unterhalb der Wohlfühlzone ist es kein Wunder, dass ein Großteil der Familie über Schnupfen in allen Variationen klagt. Wobei... Eigentlich ist es nur eine Variation, nämlich die, die unglaubliche Mengen Taschentücher verbraucht und einem eine etwas näselnde Stimme verleiht.
Unsere Kinder sind natürlich auch betroffen, und entsprechend ihrer Natur wandert ein Teil des schleimigen Naseninhaltes nur zu gern in die Ärmel der Pullover...
So schnell können wir Eltern gar nicht das Taschentuch vor die tropfenden Nasen halten, wie dieselben schon tief in den Ärmel der Pullis versenkt sind. SCHNIERF!
Aber wir sind stur, wir probieren es immer wieder: "Hier, Schätzelein, nimm das Taschentuch." Was es dann auch tut, unser Schätzelein. Beide, natürlich. Das Taschentuch wird zusammengeknüllt, die inzwischen völlig trockene Nase gewissenhaft abgetupft und das Taschentuch in die Hosentasche gestopft.
Unsere Geduld macht sich inzwischen bezahlt, wandert doch nun ein Teil der nasalen Schleimproduktion direkt nach Fertigstellung in das weiße Papierknäuel, welches dann, mehr oder weniger leicht durchfeuchtet, wieder in der Hosentasche des Schnupflings verstaut wird. Zwischendurch ist es dann ein zweifelhaftes Vergnügen, diese ekligen, feuchten Dinger wieder aus der Kinder Hosentaschen zu fischen und mit spitzen Fingern fachgerecht zu entsorgen.
So richtig bemerkenswert wird diese Aktion aber erst am Abend, wenn die Hosen in die Wäsche wandern sollen.
Wir rufen uns die Dimensionen einer typischen, vorn angebrachten Hosentasche einer Hose in Größe, sagenwirmal, 110 kurz in Erinnerung: Die Faust eines drei- bis vierjährigen Kindes passt mal eben so hinein, und das auch nur  mit viel gutem Willen, wie man dem konzentrierten Gesichtsausdruck unseres Nachwuchses beim Einlagern der Taschentücher entnehmen kann. Die durchschnittliche erwachsene, maskuline Hand vermag maximal drei bis vier Finger in der Tasche zu versenken. Handrücken, Daumen und erst recht Handgelenk müssen draußen bleiben.
Zurück zum Abend: Das Kind (gleich, welchen Geschlechts) windet sich unter übermenschlichen Anstrengungen in einem Zuge aus Hose, Unterhose, Strümpfen und/oder Strumpfhosen. Dieses übrigens trotz (oder vielleicht gerade wegen) der unermüdlichen elterlichen Ratschläge, doch a) zunächst Knöpfe und Reißverschlüsse zu öffnen und b) ein Kleidungsstück nach dem anderen auszuziehen. Weder bildliche Darstellungen noch das ansonsten bewährte VENÜ-Prinzip (Vormachen - Erklären - Nachmachen - Üben) haben bisher greifbare Erfolge auf diesem Gebiet vorweisen können.
Ist diese titanische Aufgabe aber erst mal vollbracht, liegen am Ende zwei Haufen ineinander verknoteter Kleidungsstücke für den unteren Körperbereich vor dem Wäschekorb. Da wir aus verständlichen Gründen verhindern wollen, dass Waschmaschine und/oder Trockner aufgrund unsachgemäßer Befüllung einen Defekt erleiden, werden die Kleidungsstücke nun in mühevoller Kleinarbeit voneinander getrennt und (jetzt kommt's!) die Taschen entleert.
Soweit wir es beobachten konnten, sollten sich einzig und allein Taschentücher in den Hosentaschen befinden, weshalb Mutter wie Vater vorsichtig, mit leicht angeschauertem Gesichtsausdruck, mit zwei Fingern in die Tasche greifen,  um die feuchten Hinterlassenschaften aus ihrer dunklen Höhle zu zerren. Und jetzt reden wir mal nur von einer einzigen Hosentasche, die vorne rechts, von Töchterchens Hose! Außer mindestens zwei feuchten Klumpen, die vormals Taschentücher gewesen sein mögen, fischen unsere Finger noch folgende Gegenstände heraus:

  • 1 kunterbunter Würfel mit fünf Zentimeter Kantenlänge, bestehend aus diversen Legosteinen
  • je 1 Seelöwe und 1 Hase, aus zwei Überraschungseiern von Ur-Oma
  • 5 Eicheln
  • 3 Kastanien
  • 1 Minibuch von etwa drei Zentimetern Kantenlänge
  • 1 Jojo
  • 1 Plastikgabel aus ihrer Spielküche
  • 2 Matchbox-Autos
  • 3 interessante Steine
  • 1 weniger interessanter Stein  
  • etwa 20 Zentimeter Schnur
  • und etwa zwei Schaufeln Sand

Der Leser sei versichert, dass Sohnemanns Taschen auch nicht viel anders befüllt sind. Wir beide stehen vor dem Rätsel, wie eine Tasche, in der eigentlich nur Raum für eine Kinderfaust sein sollte, beinahe den gesamten Hausstand fassen kann! Einstein hat ja mal bewiesen, dass Raum und Zeit relativ sind, und irgendwie muss es wohl mit diesem Phänomen zusammenhängen, dass wir zwei handelsübliche 10-Liter-Eimer brauchen, um die Hosentaschensammlungen unserer Kinder zu verstauen.
Was mich persönlich aber bei dieser ganzen Geschichte immer wieder erstaunt, und zwar weitaus mehr als das Fassungsvermögen kindlicher Hosentaschen Größe 110, ist der verwunderte Gesichtsausdruck meiner Frau, wenn sie wieder Unmengen von Gegenständen in die Eimer füllt. Sie müsste es doch eigentlich kennen! Immerhin ist sie eine Frau mit einer Handtasche, die innen mit Sicherheit um einige Kubikmeter größer ist als außen. Jedenfalls kann ich mir keinen anderen Grund vorstellen, warum meine Frau bewaffnet mit Grubenlampe, Helm und Ariadnefaden in ihrer Handtasche nach der Geldbörse sucht...