Mittwoch, 28. August 2013

Gesundheit! Danke!


Vor einiger Zeit stand ich mit einigen Freunden in illustrer Runde und diskutierte verschiedene Lösungsansätze zur Bewältigung einiger der dringenderen Probleme dieser Welt, als es plötzlich in meiner Nase leicht, aber unangenehm kribbelte. Meine erste Reaktion auf diesen Hinweis einer nasalen Schutzfunktion war ein Handrücken, der heftig die Nase bearbeitete, bis sie leise Knackgeräusche von sich gab. Das Gespräch nahm davon völlig unbeeindruckt seinen weiteren Lauf, bis es wieder in meiner Nase kribbelte, dieses Mal aber ein wenig nachdrücklicher. Meine bisherigen Erfahrungen mit kribbelten Nasen lehrte mich, dass es nun höchste Zeit war, auf die Suche nach einem Taschentuch zu gehen. Während ich diverse Hosentaschen abklopfte, holte ich tief und hörbar Luft. Das bis dahin munter vor sich hin plätschernde Gespräch erstarb, und die komplette Gesprächsrunde beobachtete mich mit einer Mischung aus Spannung und Sensationsgier. Während ich hektisch in meinen Hosentaschen kramte, schlossen meine Freunde schon Wetten ab: „‘n Zehner, dass er kein Taschentuch findet.“ „Nee, das schafft er schon noch!“
Meine Lungenflügel waren mittlerweile bis zum Bersten gefüllt mit schöner, frischer Luft, als ich vorne rechts endlich einen Zelluloseklumpen ertastete, der vor nicht mal drei Wochen noch ein frisches Taschentuch gewesen war. Mit zitternden Fingern, halb blind in Vorbereitung eines heftigen Niesens, fummelte ich das Taschentuch Stück für Stück aus der Tasche und versuchte, die einzelnen Fetzen irgendwie vor die Nase zu bekommen. Inzwischen verweigerten die Lungen die weitere Luftaufnahme und wiesen vehement daraufhin, dass es nun höchste Zeit sei, auszuatmen. Egal, wie! 
Meine Freunde betrachteten mich interessiert. Meinen Kopf weit in den Nacken gelegt, mit Lungenflügeln groß wie Elefanten, weit aufgerissenem Mund und einem Zellulosepuzzle vor der Nase erwartete ich nunmehr den Ausstoß sämtlicher Fremdkörper dieser Welt aus meinem Riechorgan.
Und dann kam… nichts! Das Kribbeln verging ebenso schnell, wie es gekommen war. Die Luft entwich geräuschvoll aus meinem überdehnten Atemapparat, der Kopf klappte nach vorn, mein Taschentuch wanderte umgehend in die nächste Tonne. In den Gesichtern meiner Zuschauer zeigte sich ein klein wenig Enttäuschung, während ich selbst doch sehr verwirrt darüber war, nun doch nicht genossen zu haben. Dafür aber lief mir die Nase, und zwar heftig. Mein eigenes Taschentuch war ja nun gerade in die ewigen Jagdgründe gegangen, aber wozu hat man denn Freunde? Mir wurde ein neues, sogar ungebrauchtes Taschentuch in die Hand gedrückt, mit dem ich denn nasalen Dammbruch schließen und die bisherigen Flüssigkeitsströme aufnehmen konnte. Oh, welch Wohltat. Nun endlich konnte das Gespräch wieder aufgenommen werden. 
Ich wollte gerade mit einem gelehrten Diskurs über den EU-Beitritt diverser Staaten beginnen, als plötzlich ein weiteres, ausgesprochen heftiges Kribbeln meine Nase überfiel. Ich griff in die Hosentasche, fasste in irgendetwas eklig nasses und zog daran. Aber bevor ich auch nur ansatzweise meine Nasenöffnungen verschließen konnte, schossen unzählige Tropfen, beladen mit Myriaden von Viren, Bakterien und anderen Passagieren, mit nahezu unglaublicher Wucht aus der Nase, begleitet von einem ebenso überraschten wie lauten „ATSCHÜHH!“ Ich hatte nicht einmal die Gelegenheit, wenigstens die Armbeuge vor das Gesicht zu  heben. Ich schaffte es gerade mal, meinen Kopf abzuwenden, was aber auch nur zur Folge hatte, dass der feuchte Strahl viraler Überraschung nicht in einer engen Keule nach vorn aus der Nase entschwand, sondern sich in eine breite, elegante Kurve auffächerte, woraufhin sich meine Gesprächsrunde sprunghaft erweiterte. 
Jetzt endlich, lange nach der plötzlichen Verbreitung biologischer Kleinstteile, konnte ich das noch nasse Taschentuch dazu nutzen, wenigstens die feuchten Überreste des Niesanfalls aus meinem Gesicht zu entfernen, während ich ein nasales „Schuldigung“ in die Runde schniefte. 
Obwohl dies mein einziger Ausbruch überraschender Niesübungen war, blieben meine Freunde im weiteren Gespräch auf respektvollem Abstand, was ich ihnen auch nicht übelnehmen konnte. 
Wer will sich schon mit einem ganzen Psychrempel anstecken? Sehen Sie, meine Freunde auch nicht.
Nur wenige Tage später konnte ich eine gute Freundin bei einem ähnlichen Dilemma beobachten. Auch sie atmete tief ein und bereitete sich auf einen Nieser der Extraklasse vor. Im Unterschied zu mir, schaffte sie es, aus ihrer Handtasche ein frisches Taschentuch zu angeln, es anmutig zu entfalten und sich vor die Nase zu halten, dies alles einhändig, weil die zweite Hand die Handtasche festhielt, blind, weil sie den Kopf im Nacken hatte, und rechtzeitig, bevor sie ihrem Nieser mit einem damenhaften „HAAAAA-tschi“ Ausdruck gab. 
Eben diese junge Dame fragte ich wenige Minuten nach diesem geradezu niedlichen Ereignis nach einem Taschentuch. Und soll man es glauben? Dieselbe Frau, die gerade eben blind und einhändig ein Taschentuch in höchster Eile und Präzision aus der Handtasche gezaubert hatte, brauchte nun geschlagene fünf Minuten, um die Packung Taschentücher in den Tiefen ihres tragbaren Großlagers zu finden. 

Donnerstag, 22. August 2013

Wie war das noch?


Jeden Monat ist es dasselbe Spiel: Kaum hat der Monatsanfang den monetären Lohn täglicher Mühe auf das strapazierte Konto gespült, rennt der verantwortungsbewusste Familienvater mit Mutti los und kauft für die Brut (und natürlich auch für das eigene leibliche Wohl) allerhand Nahrungsmittel, Getränke und Hygieneartikel ein. Am Ende einer solchen Bevorratungsoperation stehen ein hoffnungslos überfüllter Familienlaster, ein deutlich schlankeres Konto und eine EC-Karte mit deutlichen Schleifspuren. 
Im Idealfall muss diese EC-Karte in der Folgezeit nur noch selten benutzt werden, bis kurz vor Ende des Monats (so runde zwei Wochen) der Tank meines Familienlasters so allmählich trocken fällt. Ich versuche dann immer, möglichst dann zu tanken, wenn der Benzinpreis mal nicht himmelhoch steht, sondern wenigstens annähernd in Erdnähe. Manchmal gelingt es mir, manchmal ärgere ich mich nur wenige Stunden später, dass ich nicht noch ein klein wenig gewartet habe, um zwei Cent pro Liter mehr sparen zu können. Immer aber ist das Zahlungsritual dasselbe: Seit der Möglichkeit, elektronsich zu bezahlen, habe ich solch astronomische Beträge, wie sie mittlerweile zur Begleichung der Tankrechnung nötig sind, nicht mehr bar bei mir. Die Gefahr eines äußerst verlustreichen Überfalls ist einfach zu groß. Folglich bezahle ich in der Regel an der Tanke mit meiner EC-Karte. Immerhin leben wir in einer modernen, technisierten und größtenteils digitalisierten Handelswelt. Ich schiebe meine Karte also in den dafür vorgesehenen Schlitz, bestätige ein ums andere Mal, dass sich die Karte am richtigen Platz befindet, dass der Betrag der richtige ist und dass ich nunmehr elektronisch bezahlen möchte. "Bitte geben Sie Ihre Geheimzahl ein!" 

Oha, wie war die gleich noch? Nach einigem Überlegen und einem nervösen Blick auf die Schlange bezahlungswilliger Kunden hinter mir, tippe ich die vier Ziffer mit zitternden Fingern in das Gerät. 

"Ihre Eingabe war nicht korrekt. Sie haben noch 2 Versuche!"
Nun, die wollen gut überlegt sein. Wenn ich mich noch einmal vertue, schwinden meine Chancen, die Karte weiterhin zu benutzen. Außerdem habe ich kein Bargeld bei mir, aus oben bereits aufgeführten Gründen. Als vorsichtiger Bürger, der um die Gefahren von Taschenraub, Phishing und ähnliche Gemeinheiten durchaus weiß, befindet sich in meinem Geldbeutel kein Zettel mit einer vierstelligen Nummer. Außerdem bin ich mir sicher, dass die vier Ziffern, die ich da gerade eingetippt habe, stimmen. Nur über die Reihenfolge bin ich mir nicht ganz im Klaren. Nach weiterem, langem und intensiven Überlegen und einer kurzen Entschuldigung in Richtung der mehr oder weniger geduldigen Warteschlange probiere ich mein Glück mit einer Zahlenkombination, die einfach stimmen muss, sonst bin ich aufgeschmissen. Die Sekunden der Wartezeit, die zur Prüfung meiner Eingabe nun einmal notwendig ist, erscheinen mir wie Stunden. Endlich piepst das Gerät: "Bezahlung erfolgt. Bitte Karte entnehmen." Erleichterung strömt durch mein geschundenes Herz, beschwingt nehme ich Kassenbon und Quittung in Empfang, strahle die Warteschlange an und verlasse auf Wolken schwebend die Tankstelle. 
Dieses Erlebnis nahm ich zum Anlass, einmal all die Passwörter, PIN-Nummern und Zugangscodes, sammeln zu wollen, die ich im Moment so benötige, nicht nur, um meiner Familie das Überleben zu sichern, sondern auch, um meine tägliche Arbeit zu verrichten und einige Teile meiner Freizeit zu genießen. 
Es ist noch gar nicht so lange her, da brauchte man nur einen kleinen Zettel im Nachtschränkchen oder eben, wenn man ein wenig risikofreudiger war, im Geldbeutel und ein Adressbuch neben dem Telefon im Hausflur, um die wichtigsten Nummern und Namen bei Bedarf nachschlagen zu können. 
Heute haben wir die Namen im Telefon oder Smartphone gespeichert und brauchen eine Geheimzahl, um das Smartphone benutzen zu können. Dann brauchen wir ein Passwort für den heimischen Computer, für soziale Netzwerke, Internetforen, für Online-Banking und -Shopping, für tausenderlei Dinge Benutzernamen und Passwörter in rauen Mengen. Und auf der Arbeitsstelle geht es weiter: Wir brauchen unsere Personalnummern, Benutzernamen und eine weitere Reihe Passwörter, um mit dem Computer unseres Arbeitgebers zu arbeiten, um interne Netzwerke und notwendige Programme zu nutzen. 

All diese Passwörter, Benutzernamen und Zugangscodes passen nicht mehr auf einen kleinen Zettel, ich bräuchte schon ein ganzes Buch, um all die Zugänge, Passwörter, Benutzernamen und Geheimzahlen aufzuschreiben, denn im Kopf kann ich mir das alles schon lange nicht mehr behalten. Dieses Buch läge dann in meinem Nachtschränkchen, wenn es denn dort noch Platz hätte. Früher lag dort einmal ein Zettel, auf dem nichts weiter als vier Ziffern standen... 

Allerdings bin ich auch mit diesem Buch auf ein Hindernis gestoßen: Eine ganze Reihe von Passwörtern, die ich tagtäglich zu benutzen habe, um beispielsweise an meinem Arbeitsplatz wenigstens halbwegs produktiv zu sein, muss in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen geändert werden. Das eine Passwort nach vier Wochen,. das nächste nach zwei Monaten, ein anderes alle sieben Tage, und so weiter und so fort... 
Natürlich reicht es dann nicht, ein Wort zu nehmen, dass ich mir recht leicht merken kann. Im Sinne der Sicherheit in den Netzwerken müssen meine Passwörter bestimmten Konventionen folgen, damit ich sie verwenden kann: Sonderzeichen, wechselnde Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlenfolgen und dergleichen mehr. Einen Rattenschwanz von beispielsweise "ÄöH@ro#f34l*gm9" kann ich mir einfach nicht merken. Folglich bin ich geradezu gezwungen, mir auch diese häufig wechselnden und gar nicht mal simplen Passwörter aufzuschreiben. Das wiederum bedeutete allerdings eine ganze Reihe von immer wiederkehrenden Streichungen und Neueinträgen in meinem externen Gedächtnis, wenn ich es denn schriebe. Ich bin daher dazu übergegangen, all meine Passwörter und Benutzernamen, alle Zugangscodes und PIN-Nummern in eine Tabelle einzutragen, und zwar am Computer. Denn diese kann ich übersichtlich gestalten und nach Belieben oder Notwendigkeit ändern. Es gibt keine Streichungen und, nebenbei gesagt, auch keinen Interpretationsspielraum aufgrund höllisch unleserlicher Schrift. Alles ist klar und deutlich zu lesen und jederzeit im Computer griffbereit. Ich brauche nun keine Angst mehr zu haben, ein Passwort, eine PIN-Nummer oder einen Benutzernamen zu vergessen, ich brauche ja nur in der Liste nachzuschauen. Es ist ja alles da! Und garantiert aktuell! Natürlich ist diese Datei gegen den Zugriff von außen durch ein kompliziertes Passwort geschützt. Tja, und das... hab ich vergessen. Und ich hatte es auch noch nicht auf einen kleinen Zettel geschrieben... 

Mittwoch, 21. August 2013

Die moderne Welt


Die moderne Welt, in der wir leben, ist ja zuweilen schon faszinierend.
Früher, als nach Aussage sämtlicher älterer Menschen noch alles besser war, geriet die alltägliche Ernährung des Familienclans gerne mal zum „Alle-Mann-Manöver“, wie man unter Seefahrern so gerne sagt. Papa sorgte mit Keule, Pfeil und Bogen für das Fleisch, die Kinder sammelten genug Holz für den heimatlichen Feuerkreis, und Mama drechselte aus frisch geschossenem Wild, einigen Dutzend Beeren und Wurzeln und jeder Menge Kreativität eine ausgewogene Mahlzeit in drei Gängen für die ganze Höhle. 
Seither hat die Küchen- und Mahlzeitenzubereitungstechnik erstaunliche Fortschritte gemacht, die unter anderem dazu geführt haben, dass meine Wenigkeit nicht verhungert. Denn bei meinen waidmännischen Fähigkeiten würde sich essbares Wild höchstens totlachen, statt durch eine gut geführte Keule oder einen Robin-Hood-mäßigen Schuss mit Pfeil und Bogen meinerseits den Löffel abzugeben. 
Wie der regelmäßige Leser schon längst weiß, bin ich durchaus in der Lage, mittels Herd, Topfsammlung, diverser Küchengeräte sowie einer ständig wechselnden Auswahl von Lebensmitteln das eine oder andere essbare Mahl zuzubereiten. Jedenfalls ist bei mir noch keiner verhungert. Im Allgemeinen koche ich genügend, um auch am folgenden Tag noch Gelegenheit zu haben, mein lukullisches Meisterwerk zu genießen. Und hier liegt der Hase im Pfeffer, um beim Essen zu bleiben. 
Es gibt natürlich mehrere Arten, kalte Speisen von gestern wieder zu erwärmen. Auf dem Herd, im Ofen, meinetwegen auch auf offener Flamme. Aber die einfachste, schnellste und natürlich auch bequemste Art der Neuerwärmung ist mit Sicherheit die Mikrowelle. Statt darauf zu warten, bis Töpfe, Schüsseln und Terrinen im Ofen langsam warm werden, knallt man seine Portion essfertig auf einen Teller, schiebt selbigen in die Mikrowelle und lässt sie einige Sekunden bis Minütchen brummen. So schnell kommt man heutzutage zu einer warmen Mahlzeit! 
Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. 
Wenn man sich so eine Mikrowelle mal rein äußerlich betrachtet, fallen einem dann doch gleich eine ganze Reihe Knöpfe und Regler auf, alle mit mehr oder weniger kryptischen Symbolen behaftet. Vermittels dieser zahlreichen Bedienelemente soll gewährleistet werden, dass jede Speise bedarfs-, mengen-, und mundgerecht erwärmt wird. Dazu wäre grundsätzlich das gründliche Studium der Bedienungsanleitung vonnöten, eine Form der Literatur, die ich persönlich immer für überfrachtet und größtenteils überflüssig betrachtet habe. Also, weg mit dem Ding. 
Es kann ja nicht so schwer sein, einen Teller mit Kartoffeln, Erbsen und Möhren, sowie einem ordentlichen Schnitzel in diesem technischen Meisterwerk warm zu bekommen.  Und so schritt ich eines schönen Tages zur Tat! 
Der Knopf zur Regelung der Leistung des Gerätes war bald gefunden, und ebenso schnell war er ganz nach rechts gedreht. Warum dieser Knopf zwischen „Null“ und „Volle Pulle“ noch ungefähr zwölf weitere Einstellungen hatte, erschloss sich mir nicht; war mir auch egal, denn eine alte Volksweisheit sagt ganz richtig: „Viel hilft viel!“
Nach einigem Herumprobieren fand ich dann auch den Knopf, mit dem man die Garzeit einstellen konnte. Nach dem Motto „In fünf Minuten ist alles gut!“ pendelte ich mich irgendwo bei 5 Minuten und ein paar Sekunden ein und suchte den Startknopf. Gefunden, gedrückt, und das Gerät brummte heiter los… Weil fünf Minuten je nach Laune, Tagesform und Luftfeuchtigkeit immer mal ein weniger länger dauern können, begann ich in der Zwischenzeit mit dem Herrichten meines Mittagstisches. Messer und Gabel, dazu ein Gläschen Gallensteiner Nierentritt und die aktuelle Tageszeitung. Letztere musste ich erst mal suchen, weshalb mir die ersten Anzeichen, dass mit meinen Wunderofen ganz offensichtlich was nicht stimmen konnte, nicht auffielen. Weder das erste Zischen überhitzten Wassers, noch erste zarte Knackgeräusche vom Gemüse drangen an mein Ohr, während ich die Einzelteile der aktuellen Tagespresse aus allen möglichen und unmöglichen Ecken des Zimmer zusammensuchte. Erst, als ich meinen persönlichen Mittagstisch zu meiner Zufriedenheit zusammengestellt hatte, wandte ich meine Aufmerksamkeit wieder meiner  Mahlzeit zu, die in der Zwischenzeit zu wilden, unkontrollierten Salutschüssen übergegangen war. Mit heftigen Explosionen und lautem Zischen bedeutete mir die Mikrowelle, dass meine Speise nun leicht überhitzt war. Ist ja kein Problem, denn wie jeder weiß, wird durch die Mikrowelle lediglich die Speise erwärmt, nicht aber Teller oder Schüssel. Mehrere heftige Donnerschläge aus dem Inneren der Mikrowelle sowie ein lustiges Klingeln wiesen mich nunmehr darauf hin, dass die eingestellte Garzeit abgelaufen war. Ich öffnete die Tür, wich der dichten Wolke kochend heißen Wasserdampfes behände aus und griff nach dem Teller. Den ich nach Bruchteilen von Sekunden und weit außerhalb des Garraumes unvermittelt wieder losließ… Nicht nur mein Mittagessen brodelte in vulkanischer Hitze, auch der Teller war glühend heiß! Natürlich übernahm die Schwerkraft sofort ihre Aufgabe und sorgte für eine großräumige Ausbreitung vormals erlesener Speisen auf dem Laminat. Der Blick ins Innere des Glutofens war auch nicht sonderlich erfreulich. Die kümmerlichen Überreste dutzender explodierter Erbsen und Möhren, gemischt mit Sprenkeln dunkler, festgekochter Sauce und übermalt von zartgelben Kartoffelfetzen schmückten sämtliche Wände, Boden und Decke des Garraumes. Nur mit Mühe schob sich das Licht der Mikrowellenfunzel durch das Gewirr zerfetzter Grundnahrungsmittel. Angesichts des Gemetzels im Inneren der Mikrowelle wunderte ich mich, dass überhaupt noch etwas meiner so sehnsüchtig erwarteten Mahlzeit auf dem Boden angekommen war. Einzig das Schnitzel erschien noch intakt, sah man einmal von den nach dem Freiflug daran klebenden Haaren, Staubfusseln und dem irgendwie verkohlten Geruch ab. 
Meine Pläne für die Mittagspause änderten sich aus naheliegenden Gründen ad hoc. Aus dem Mittagessen einschließlich politischer Bildung sowie einem sich daran anschließenden, ausgiebigen Suppenkoma wurde eine konzertierte Reinigungsaktion mit Lappen, diversen Reinigungsessenzen und einem Spachtel. Nicht nur der Fußboden musste gefegt, gewischt und desinfiziert werden, auch das Innere des Küchenvulkans musste (nach Abkühlung zumindest der oberen Belagsschichten) freigekratzt, gereinigt, desinfiziert und poliert werden. Eine Tätigkeit, die weit mehr Zeit in Anspruch nahm, als meine Mittagspause es getan hätte… Und Hunger hatte ich immer noch! 
Letzteren stillte ich angesichts des gerade erlebten Desasters durch Einnahme einiger Scheiben belegter Brote, die garantiert nicht in den Genuss der Mikrowelle kamen. Die Lektüre der Zeitung wurde verschoben zugunsten der nun doch wieder hervorgekramten Bedienungsanleitung. Wer  hätte gedacht, dass ein Buch über die Bedienung einer Mikrowelle gleichzeitig ein Lehrbuch über den praktischen Gebrauch der Wellenausbreitung zum Zwecke der Wärmeerzeugung sein könnte? Ich vertiefte mich in Theorie und Praxis elektromagnetisch induzierter Teilchenbewegung, Frequenzen und Wärmeübertragung und konnte schon bald jeder der zwölf Einstellungen am Leistungsregler einen Sinn entlocken. Ich war stolz auf mich!

Die ganze Geschichte spielte sich vor vielen Jahren ab. Inzwischen gehe ich mit einer Mikrowelle ganz selbstverständlich um, wie mit jedem anderen Haushaltsgerät, sei es Kühlschrank, Waschmaschine oder DVD-Player.  Denn wenn mich diese Geschichte eines gelehrt hat, dann dieses: 
Auch, wenn Bedienungsanleitungen eine überfrachtete und größtenteils überflüssige Form der Literatur sind, lohnt es sich zuweilen doch, sie zu lesen. Wenigstens die wichtigsten Kapitel… 



Samstag, 10. August 2013

Nachtflug

Das ausgesprochen warme Wetter der letzten Tage lässt uns nur allzu schnell vergessen, wie kalt, feucht und vor allen Dingen lang der letzte Winter war. Während wir zitternd und frierend unter Regenschirmen und mehreren Schichten dicker, warmer Kleidung das Wetter im Allgemeinen und den Winter im Besonderen hingebungsvoll monatelang verfluchten, fühlten sich die Insektenlarven ausgesprochen wohl. Wer damit gerechnet hatte, dass das ungemütliche Klima des letzten Winters einschließlich großer Teile des Frühlings den heranwachsenden Mücken, Schnaken und anderen lästigen Insekten den Garaus gemacht hätte, hatte sich kräftig verrechnet. Tatsächlich sagen Experten, dass es in diesem Jahr wesentlich mehr Insekten gibt als in den vorangegangen Jahren, weil die Larven eben das feuchte Klima für eine gesunde Entwicklung brauchen. 

Daher ist eines der häufigsten Geräusche, was man in diesem Sommer hört, das Surren und Summen kleiner, blutgieriger Mistviecher, die uns Zweibeiner offenbar als irrsinnig großes und schmackhaftes Buffet betrachten. Das zweithäufigste Geräusch in diesem Sommer ist folglich auch das mehr oder weniger rhythmische Klatschen von Händen auf Nacken, Arme, Brust, Beine, Po oder wo auch immer die kleine Sauger ihre Mahlzeit einzunehmen wünschen. 

Während andere Menschen in meinem Dunstkreis sich tagtäglich über neuerliche Mückenattacken aufregen und der mehr oder weniger interessierten Umwelt Arme und Beine mit beulenpestartiger Dekoration vorführen, blieb ich bisher von der blutsaugenden, insektoiden Plage beinahe unberührt. Vielleicht liegt es an meiner Vorliebe für Knoblauch, vielleicht an meiner stahlharten Ganzkörperhornhaut, die kein Stachel zu durchdringen vermag, jedenfalls ist mein Model-Body noch zart und glatt, abgesehen vielleicht von meiner männlich-herben Körperbehaarung.
Trotzdem bin auch ich vom derzeitigen Massenauftreten von Mücken, Faltern und dergleichen mehr nicht gänzlich unbetroffen, bin ich doch regelmäßiger Teilnehmer am nächtlichen öffentlichen Straßenverkehr. Sobald der Motor meines Familienlasters brüllend zum Leben erweckt wird und der gleißende Strahl meiner High-Energy-Frontalfunzeln die fahle Dunkelheit des mitternächtlichen Nordhimmels durchdringt, stürzen sich wahre Heerscharen insektoiden Lebens ins Licht. Solange das Fahrzeug immobil ist, mutet die plötzliche Völkerversammlung im Schein meiner Lampen lediglich wie eine ausgesprochen agile, lebenslustige Staubwolke an.
Aber sobald ich den hundert munteren Mustangs unter der Haube die Sporen gebe und unseren Familienlaster durch die dunkle Nacht treibe, ist die gesamte, gigantische Insektenwolke im Lichte meiner Kutsche nur von einem einzigen Gedanken beseelt: Stürzt euch alle auf die Windschutzscheibe!
In Bruchteilen von Sekunden verwandeln sich ehemals elegante Flieger, kleine Wunderwerke der Natur, in kaum millimeterdicken, ekligen Schleim auf meiner Frontscheibe. In Scharen werfen sich die suizidalen Flatterviecher gegen meinen Laster, ohne dass ich auch nur im Ansatz eine Chance hätte, ihnen auszuweichen. Mit jedem Meter, den ich weiterfahre, klatschen weitere, unzählige Leiber auf die Scheibe und behindern auf diese Weise ganz allmählich die Sicht in die weite Welt vor mir. Kurz bevor das Fahren einem Blindflug gleicht, versuche ich mittels Unmengen von Waschwasser und hektischer Scheibenwischerei, die Sicht auf die Straße zu verbessern. Aber statt sich von der Frontscheibe zu lösen und in den natürlichen Kreislauf des Werdens und Vergehens einzugehen, verteilen sich die sterblichen Überreste von unzähligen Mücken und Faltern nur gleichmäßig unter dem verzweifelten Hin und Her der Scheibenwischer und geben der Scheibe das Aussehen eines frisch lasierten Schlachtfeldes. Mein Blick bleibt getrübt, aber immerhin kann ich noch das wichtigstes erkennen: Straßenbegrenzungen, andere Verkehrsteilnehmer in ähnlich misslicher Lage und die Abzweigung zum heimatlichen Carport.
Am nächsten Morgen kann man mich dabei beobachten, wie ich kopfschüttelnd und bewaffnet mit Glasreiniger, Schwamm und anderen Reinigungsutensilien vor meinem Familienlaster stehe und das Ergebnis des nächtlichen Massakers auf der Frontscheibe betrachte.
Es kostet reichlich Mühe, viel Reinigungsmittel und einige Kubikmeter Wasser, die dicke Schicht aus tausenden und abertausenden Faltern und Käfern mit Spachtel, Schwamm und Hingabe von der Scheibe zu entfernen, damit ich in der nächsten Nacht wenigstens für eine kleine Weile freie Sicht habe, bevor sich die gesamte Insektenwelt wieder auf mein Auto stürzt. 
Angesichts des allnächtlich frisch belegten Insektenfriedhofs frage ich mich, warum es überhaupt noch so viele Insekten geben kann. Wenn man mal bedenkt, wie viele Fahrzeuge in jeder Nacht unterwegs sind, und welche unglaublichen Massen an Insekten über allerlei Windschutzscheiben landauf-landab geschmiert werden, dürften eigentlich kaum noch welche übrig bleiben, die im Schlafzimmer nächtens nach Blut gieren. Und tatsächlich ist es doch immer nur eine einzige, winzige Mücke, die uns nächtelang mit ihrem Sirren um Schlaf, Verstand und körperliche Unversehrtheit bringt.
Aber die Rechnung scheint irgendwie nicht aufzugehen, denn schon in der nächsten Nacht stellt meine Windschutzscheibe wieder einmal ein undurchdringliches und finales Hindernis für die fliegende Insektenwelt dar. Da mir die Milliarden Dramen auf der Frontscheibe allmählich auf den Geist gehen und ich auch endlich mal den Durchblick behalten will, beginne ich spontan einen Feldversuch, um künftig die Scheibe sauber zu halten. Ausgehend von dem bekannten Fakt, dass alle Mücken unbeirrbar ins Licht fliegen, entziehe ich den im weiteren Umkreis befindlichen Vertretern insektoiden Lebens den Grund, sich vor oder auf meinem Auto zu versammeln: Ich schalte das Licht bei voller Fahrt aus. Schon nach nur wenigen Metern, nach einigen sehr merkwürdigen, rumpelnden und ziemlich beunruhigenden Geräuschen, nach etlichen endlos langen Schrecksekunden und einem plötzlichen, heftigen Schweißausbruch beende ich den Feldversuch ebenso spontan, wie er begonnen hat, und suche in der Dunkelheit meines Familienlasters hektisch nach dem Lichtschalter. Ich hätte nie geahnt, dass ich einmal ein derartig heftiges Verlangen nach Licht, insbesondere in Fahrtrichtung, haben würde. So langsam kann ich die Mücken verstehen.
Ich werde mich wohl damit abfinden müssen, allnächtlich das letzte zu sein, was unzählige Insekten zu sehen bekommen. Oder ich versuche, Mücken, Falter und anderes Getier, was vom Lichte angezogen wird, mit Glühwürmchen zu kreuzen. Dann hätte jedes Vieh sein eigenes Licht und brauchte sich nicht mehr für das meines Vehikels zu interessieren.
Walter Röhrl hat mal gesagt: „Ein guter Autofahrer hat die Fliegen auf der Seitenscheibe.“ Vielleicht versuche ich das mal...  

Wer schon immer mal genau sehen wollte, was die Mücke am Arm eigentlich genau macht, folge dem Link:


Donnerstag, 8. August 2013

Strandlogistik


Ist das nicht ein herrlicher Sommer? Blauer, oft wolkenloser Himmel, warmer Wind, herrlicher Sonnenschein... Genau das richtige Wetter, um einen Tag am Strand zu verbringen! Raus aus dem Haus, rein in den Sand und in das kühle Nass der Flensburger Förde. Was für ein Glück , dass wir dort wohnen, wo andere Urlaub machen. 
Nun ist das aber nicht ganz so einfach, mit zwei Kleinkindern und den Alttieren mal eben an den Strand zu gehen. Jedenfalls ist es in logistischer Hinsicht ein weit größerer Aufwand als damals zu jenen seligen Zeiten, als ich noch allein an den Strand ging. Da hatte ich nämlich nicht viel mehr als ein Badetuch zum Drauflegen und Abtrocknen, ein Buch zum Schmökern und etwas Trinkbares mit an den Strand genommen. 
Prinzipiell ist das heute auch noch so, allerdings in etwas größeren Maßstäben und unter „ferner liefen“. Wenn man mit Kindern einen Tag am Strand verbringen will, braucht man eben ein paar Kleinigkeiten mehr, um den Tag zu überstehen. 
Das fängt schon mal mit dem Badetuch an. Davon brauchten wir, als wir an den Strand wollten, vier, und außerdem noch mindestens vier weitere Handtücher zum Abtrocknen. Dass vermutlich zwei der vier Familienmitglieder gar nicht ins Wasser gehen würden, spielte beim Packen keine Rolle. Da die Kinder nicht mit Hose und Hemd ins Wasser gehen sollten, war Badezeug vonnöten, natürlich auch für die Eltern. Also auch rein in die Tasche. Außerdem neigen Kleinkinder dazu, ihre Klamotten unvermittelt zu verschmutzen und zu befeuchten. Daher musste auch noch Wechselwäsche eingepackt werden, und zwar das volle Programm, inklusive Strümpfen und Pullovern, falls es den Kindern doch kalt werden sollte. Wir Eltern hofften in diesem Zusammenhang auf unsere Nehmerqualitäten und einen schnellen Heimweg, sollte überraschend arktisches Klima über die Förde einbrechen. 
Neben Bade-, Ersatz- und Schutzkleidung sowie mehreren Quadratmetern Liege- und Trockentüchern musste natürlich auch noch für Spiel, Spaß und Spannung gesorgt werden. Die Mitnahme zweier großer Schaufeln für die Kinder war natürlich angesichts des Sandstrandes Pflicht. Dazu noch Eimerchen, eine große Auswahl Förmchen, das lustige Ding, wo das Wasser durchfließen kann, ein Sieb und eine Harke. Zur elterlichen Zerstreuung kamen noch zwei Frisbee-Scheiben hinzu, zwei Romane, natürlich die Klugofone, sowie Fotoapparat und Fernglas. 
Auf dem häuslichen Flur standen nun, nach erfolgter Sammlung des benötigten Materials und dessen erfolgreicher Verpackung, drei große Taschen: Eine mit sämtlichen Handtüchern, eine mit Wechselwäsche, Sonnenhüten und -brillen, und eine mit Spiel- und Spaßgeräten. 
Für den Tag an der Sonne und dann auch noch am Meer empfiehlt sich dringen die Mitnahme und exzessive Nutzung von Sonnenmilch, weshalb eine Familienpackung mit Schutzfaktor „Irrsinnig hoch“ für die Eltern und eine weitere Literflasche mit Schutzfaktor „Unglaublich irrsinnig hoch“ für die Nachkommenschaft in die vierte Tasche glitten. Daneben fanden dort zwei Wasserflaschen, acht Tüten Caprisonne, acht Butterbrote mit Wurst, acht Butterbrote mit Käse, eine große Salami, zwei Packungen Kekse, zwei Tüten Gummibärchen, vier Äpfel, vier Kiwis (die Frucht, nicht die Vögel!), sowie eine Dose Erdnüsse ihren Platz. Obenauf wurde der Sonnenschirm gestapelt, und dann waren wir bereit, den Strand zu erobern. Oder auch nicht... 
Die Vorstellung, vier dick bepackte Tasche und einen kompletten Sonnenschirm über einen guten Kilometer (oder mehr) durch glühende Sonne über heißen Teer und Sand zu schleppen, behagte weder mir noch meiner Frau. Die Kinder sind noch zu klein, um derartige Volumina und Gewichte zu schleppen, und meine Frau ist ein wenig zu zart, um zwei Taschen zu buckeln. Ich auch, wenn ich das mal so sagen darf... 
Das Befahren des Strandes mit Kraftfahrzeugen aller Art ist für den Abschnitt, den wir zu besuchen gedachten, verboten, was auch absolut sinnvoll ist, denn ein großer Teil des Weges zum Strand zeichnet sich durch eine geringe Breite und ein großes Gefälle aus. Ich hätte die Karre vielleicht (mit tausend Kratzern) runter gebracht, aber nie wieder rauf... 
Der Vorschlag meiner Frau, dass ich zunächst nur eine Tasche tragen sollte, und meine Frau dann die Kinder am Strand beaufsichtigt, während ich den Rest des Gepäcks aus dem Familienlaster pflücke, stieß bei mir auch nicht so recht auf Zustimmung, weil wir uns nicht entscheiden konnte, welche der Taschen als erstes mitgeführt werden sollte. 
Uns blieb nur eine Lösung: Das Gepäck musste weniger werden. Und zwar viel weniger! Wir einigten uns darauf, mit nur einer einzigen Tasche auskommen zu wollen. 
Als erstes verzichteten wir auf einen Großteil unserer Baumwolllast. Die Liegetücher sollten eine Doppelfunktion übernehmen und auch als Trockentücher dienen. Die Möglichkeit, dass ein plötzlicher Temperaturabfall eintreten könnte, wurde nach Konsultation des dänischen und deutschen Wetterdienstes ersatzlos fallengelassen, was dazu führte, dass etwa zwei Drittel der zuvor verpackten Menge an Wechselwäsche wieder in die Schränke wanderte. Davon ausgenommen waren natürlich Sonnenhüte und -brillen, denn heiß und hell war es ja trotz allem immer noch. Aus diesem Grunde wollten wir natürlich auch nicht auf die Sonnenmilch verzichten, ließen dabei aber die elterliche Familienpackung im Bad, denn was den Kindern gut tut, kann für die Eltern ja nicht schlecht sein. 
Auch das vorhandene Spielmaterial wurde heftig ausgedünnt und beschränkte sich am Ende auf die beiden Schaufeln, denn ohne kann man einfach nicht an den Strand. Sämtliches anderes Spielzeug wanderte zusammen mit dem Sonnenschirm wieder in den Garten, wo es uns zu einem späteren Zeitpunkt wieder zur Verfügung stünde. 
Des Weiteren einigten wir uns darauf, dass man am Strand besseres zu tun hätte, als den ganzen Tag zu futtern. Das Angebot an Speisen und Getränke beschränkte sich daher auf vier Flaschen Wasser, was an einem heißen Tag unerlässlich ist, einer Packung Kekse und vier Äpfel, die den Vorteil haben, sowohl den Hunger als auch den Durst löschen zu können. 
Übrig blieben nun ein Rucksack mit allem, was Baumwolle war, und ein Korb für Speis und Trank. Und natürlich Fotoapparat und Fernglas, sowie die zwei Bücher. Weil Strand ohne Bücher, das geht nun auch nicht. 

Die Flensburger Förde bei Holnis


Und was soll ich sagen? Wir haben einen fantastischen Tag am Strand verbracht, mit viel Spaß, Freude und (in meinem Falle) dem erstens Sonnenbrand des Jahres. Soviel zu Schutzfaktor „Unglaublich irrsinnig hoch“... Uns hat nichts gefehlt, nicht mal der Sonnenschirm, denn es gab am Strand genug Bäume, unter die wir uns hätten legen können, wenn wir gewollt hätten. All das Essen, das wir uns vorbereitet hatten, wurde am Abend, nach vielen schönen Stunden am Strand, zuhause mit großem Appetit vernichtet. Und demnächst gehen wir wieder an den Strand, mit nur einer, vielleicht zwei Taschen. Aber auf keine Fall mehr! 
Die Bücher haben wir übrigens fast gar nicht in der Hand gehabt...  


Wer da wohl der Käpt'n ist? Käpt'n Ahab? Käpt'n Iglo? Käpt'n Sparrow?

Samstag, 3. August 2013

Warum es so lange dauert...

Schreiben kann so richtig Spaß machen! Ich kann meiner Fantasie, meinen Emotionen und meiner Kreativität freien Lauf lassen. Und am Ende steht da etwas, das wiederum die Fantasie und die Emotionen meiner Leser stimuliert. 

Ich erinnere mich noch an jene längst vergangenen Zeiten, als mir zum Schreiben nichts anderes als ein Blatt Papier und ein Stift zum Schreiben zur Verfügung stand. Da hat man sich seine Worte schon vorher gut überlegt, bevor man sie zu Papier brachte. Und trotzdem gab es ausgesprochen oft Streichungen über Streichungen, weil ich mich verschrieben hatte, weil ich neue Gedankengänge hatte oder weil ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden war. Sehr oft wurde das gerade so mühevoll beschriebene Papier aus dem Block gerissen, zerknüllt und in den Papierkorb geworfen. Oder wenigstens grob in diese Richtung. Vielen anderen und weitaus besseren Autoren als mir wird es nicht anders ergangen sein. 
Das schöne am Papier war, dass man es aus dem Papierkorb wieder hervorholen konnte, wenn einem eine alte Idee vielleicht doch noch zugesagt hatte. Das Papier wurde glatt gestrichen, gelesen, und schon ging es mit der Geschichte weiter. 
Am Ende standen einige Seiten mit einer mehr oder weniger sauber geschriebenen Geschichte und unzählige Papierknäuel, die sich in kleinen Haufen rund um den Schreibtisch gesammelt hatten. Der Papierkorb blieb meistens leer...
Aber der Fortschritt blieb natürlich auch vor mir nicht stehen, und so konnte man mich Anfang der 1990er Jahre beobachten, wie ich an Mamas guter, alter Triumph das Schreiben mit der Schreibmaschine erlernte, und zwar mit allen zehn Fingern. Was ich an Mamas mechanischer Schreibmaschine lernte, führte ich an einer elektrischen Schreibmaschine weiter. Heute steht, wie in den meisten Wohnungen, ein PC auf meinem Schreibtisch, mit dem ich weit mehr machen kann, als "nur" Geschichten zu schreiben. Es fasziniert mich ja schon, welche Möglichkeiten der Computer mir bietet. Ich kann verschiedene Stile, Worte und Satzfiguren ausprobieren, kann Idee ad hoc einfließen lassen, wieder löschen, ändern und wieder ändern, bis ich endlich zufrieden bin. Und das alles, ohne dabei unzählige Streichungen vorzunehmen, die den Text letztlich unleserlich gemacht hätten, oder einen Haufen Papier in den Papierkorb zu werfen. Oder wenigstens in seine Nähe... 
Mit dem Computer kann ich meine Ideen sofort aus dem Kopf in die Finger gleiten lassen, und wenn ich eine andere Idee bekomme, kann ich einzelne Worte, Sätze oder gleich das ganze Kapitel wieder umschreiben oder komplett löschen. Solange ich Papier und Stift brauchte, um meine Geschichten zu schreiben, überlegte ich länger, um meinen Text ans Licht der Welt zu bringen, einfach, um weniger Streichungen zu haben und nicht so viel Papier zu verbrauchen. Heute am PC ist das nicht mehr nötig. Normalerweise formt sich meine Geschichte ohnehin zuvor in meiner Fantasie, in meinem Kopf. Ich brauche mich dann nur noch hinzusetzen und sie niederzuschreiben. Aber heute kann ich mittendrin der Geschichte eine neue Wendung geben, ohne dafür stapelweise Papier vernichten zu müssen. Wenn ich heute eine Geschichte niedergeschrieben habe, muss sie deswegen nicht fertig sein. Ich kann mir jederzeit das Geschriebene wieder auf den Bildschirm rufen und meine  Geschichte umschreiben, wenn es mir gefällt. Eine Geschichte kann  leben, sich verändern, nur mit ein paar Klicks am Computer. Das ist irgendwie faszinierend. 
Allerdings hat man beim Schreiben am Computer auch so ganz eigene Probleme... 

Wenn ich auf Papier schreibe und irgendwann den Faden verliere, kann ich mir all die Entwürfe, die verworfenen Ideen und verschrifteten Gedankengänge wieder vom Boden aufsammeln, das Papier glätten und den Faden wieder aufnehmen. Am Computer ist das so nicht wirklich möglich, denn die Entwürfe sind schon wieder überschrieben, die verworfenen Ideen im Datennirwana verschwunden und wenn ein Gedankengang weg ist, ist er weg. Das ist nicht so schlimm, solange mein Hirn noch arbeitet und ich mehr oder weniger flüssig meine Geschichte schreiben kann. Und solange ich die Geschichte speichern kann... 

Vor einiger Zeit saß ich am Schreibtisch, um ein paar Zeilen zu elektronischem Papier zu bringen, die mir schon eine kleine Weile im Kopf umherwanderten. Stunde um Stunde saß ich da, wühlte in meinen Haaren, tippte Sätze ein, korrigierte, verbesserte, fügte neue Ideen hinzu und verwarf dafür ganz andere. Ich war ganz  in meiner schriftstellerischen Welt versunken, die Finger glitten über die Tastatur, die Muse umschmeichelte mich, und Seite um Seite reihten sich die Buchstaben zu Silben, Silben zu Worte, Worte zu Sätzen. Viel zu selten habe ich die Gelegenheit, mich derart tief in mein Tun zu versenken, dass ich die Welt um mich herum vergesse. An diesem denkwürdigen Nachmittag stimmte einfach alles. Die Fantasie sprudelte, die Muse war ganz wild auf mich, und meine Geschichte schrieb sich beinahe von selbst. Es passiert nicht oft, dass ich schon beim Schreiben das Gefühl habe, dass die Geschichte in sich stimmig ist und sich richtig gut liest. Meist ist es richtig viel Arbeit, den Text so zu schreiben, wie ich ihn gerne lesen möchte  und wie ich ihn gerne meinen Lesern geben möchte. Aber an diesem Nachmittag ging mir das Schreiben leicht von der Hand, und ich fühlte mich außerordentlich wohl. Und dann drang ein leises, aber vernehmliches "Diling!" an meine Ohren. Unvermittelt fiel ich aus den Höhen der Fantasie hinab ins Hier und Jetzt und starrte verdutzt meinen Bildschirm an: 
"Microsoft Word hat einen Fehler festgestellt und muss beendet werden."
Das war doch wohl nicht sein Ernst? Das konnte doch nicht wahr sein? Mein Text, Frucht endloser Stunden an der Tastatur, Ergebnis vieler Überlegungen, die genialste Geschichte, die ich seit langem geschrieben habe, war vom Bildschirm verschwunden! Mit einem Schrei gab ich meiner Wut und meinem Frust lautstark Ausdruck, und nur der Gedanke an die Folgekosten verhinderte, dass zumindest Teile meiner Rechnerausstattung einen Freiflug bekamen. Meine gute Laune flüchtete blitzartig, meine Muse trat mir metaphorisch in den Hintern und rannte eilends meiner Laune hinterher. Natürlich versuchte ich, das Dokument wiederherzustellen, aber ich hatte einen Anfängerfehler gemacht: Ich hatte nicht gespeichert. Was von meinem Text übrig blieb, war nicht der Rede wert. Trotzdem versuchte ich, aus der Asche der Datentrümmer noch den Phönix meiner Geschichte aufsteigen zu lassen, aber so sehr ich es auch versuchte, so sehr ich auch in den Tiefen meines Gehirns kramte, der Text wollte nicht mehr so werden, wie er mal war. Er fühlte sich einfach nicht mehr richtig an. War das denn auch ein Wunder, nachdem gute Laune und Muse verflogen waren? Wenn man auf Papier schreibt und die Muse geht in Urlaub, dann kann man weitermachen, wenn sie wieder zurück ist. Aber der Ärger über das Versagen der modernen Technik vertreibt Muse und Laune so weit, dass es viel Zeit und Überzeugungskraft braucht, um beide wieder anzulocken. 

Das ist einer der Gründe, warum ich auch heute noch meine Geschichten am liebsten zu Papier bringe, bevor ich sie der Technik übergebe. Und das ist es auch, neben einem herrlichen Sommer und der Urlaubszeit, warum in meinem Blog so lange nichts Neues zu lesen war. 
Aber keine Angst! Es wird bald wieder neue Geschichten für Euch geben. 

Hier noch ein Klassiker in diesem Zusammenhang: