Montag, 27. Juni 2016

Kurz im Bild - Im Dienst für das Imperium!


Master Sergeant Howie Schlumpf hielt einen Augenblick in seinem Vortrag „Waffen und Ausrüstung des modernen Imperiums“ inne. Nun war er schon seit fünf Jahren Ausbilder in dieser Schulungseinrichtung der imperialen Armee. Nicht die schlechteste Aufgabe, die er seit seinem Eintritt in die Armee vor über zwanzig Jahren übernommen hatte.
Manchmal, während des langen und harten Dienstes für das Imperium in einer weit entfernten Galaxie, dachte er noch an Schlumpfinchen zurück. Hätte sie seinerzeit seinen Hochzeitsantrag nicht ausgeschlagen, wäre er wohl nie Soldat geworden. Was wohl inzwischen aus ihr geworden ist?
Das dezente Räuspern seiner Gruppe brachte den Ausbilder zurück in die Realität. Morgen ist Prüfung, und diese Frischlinge hatten es einfach noch nicht drauf! Das würde ein langer Tag werden… 


Mittwoch, 25. Mai 2016

Kurz im Bild - Herz aus Gold


Random Flox, Leiterin der Entwicklungsabteilung im Konstruktionsbüro Wowbagger & Söhne, wusste nicht, ob sie enttäuscht oder einfach nur verärgert sein sollte. Der neue Entwurf der „Herz aus Gold“, den ihr heute Chefdesigner Ego‘Smer Galumbits vorstellte, entsprach ganz und gar nicht ihren Vorstellungen. Sie hatte sich ein zum Verrücktwerden schönes Raumschiff gewünscht; und aus irgendeinem Grunde schien man überzeugt zu sein, dass nur ein Bügeleisen diese Forderung erfüllen könnte. Außerdem ist die gesamte Designabteilung ganz offensichtlich davon ausgegangen, dass das Raumschiff ausschließlich von Besatzungsmitgliedern geflogen würde, die nicht über irgendeine Form von Wirbelsäule oder Rückgrat verfügten, denn viel mehr hätte in der engen Hauptluke des Schiffes keinen Platz. Random Flox fragte sich auch, wo in diesem Designerungetüm der wahnsinnig interessante und unwahrscheinlich teure Unwahrscheinlichkeitsdrive seinen Platz finden sollte. Sie beschloss, ihrem Chefdesigner einige unbequeme Fragen zu stellen. 


Natürlich ist diese kleine Geschichte inspiriert von Douglas Adams "Per Anhalter durch die Galaxis", wie könnte es anders sein?
Und eigentlich müsste irgendwo in dem Bild noch ein Handtuch auftauchen. Andererseits sind Arthur Dent und Ford Prefect noch nicht an Bord...

Montag, 16. Mai 2016

Abenteuer Staubsaugen!

Ach, wie freut man sich doch immer, wenn man nach eines langen Tages Mühen die heimatliche Scholle erreicht, wo einen die treu liebende Ehefrau in einem behaglichen, sauberen Haus mit Abendessen, dem einen oder anderen geistigen Getränk und viel Wärme empfängt.
Aber schon viele Männer mussten die Erfahrung machen, dass sich so ein Haus nicht von alleine sauber macht. Man(n) muss da schon selbst Hand anlegen. Und natürlich bin ich hinsichtlich des Rollenmodells in der Hausarbeit eher von der modernen Sorte, was bedeutet, dass ich tatsächlich bei Gelegenheit den Müll rausbringe oder auch mal die Geschirrspülmaschine ausräume, wenn ich gerade zufällig mal Zeit habe. Warum meine Frau das dann jedes Mal mit Freudentänzen feiert, bleibt mir allerdings ein Rätsel…  
Dieser Tage war es dann mal wieder so weit, dass ich mich an den täglichen Hausarbeiten willentlich, freiwillig und ohne Zwang beteiligte, bat mich doch mein liebstes Eheweib von allen eindringlich, einmal kräftig und überall durchzusaugen. Mach ich doch gerne!
Im Wohnzimmer und den daran angrenzenden, der gesamten Familie vorbehaltenen Räumen wie Bad, Küche, Flur und Esszimmer war das Staubsaugen auch gar kein Problem. Ich möchte gar sagen: Routine! Und so ging mir die Arbeit, auch aufgrund des Einsatzes eines modernen, kaum zehn Jahre alten Staubsaugers der Premiumklasse, leicht von der Hand. Ich kurvte mit einer Lässigkeit und Leichtigkeit saugend durch das Haus, dass ich mich an meiner eigenen Coolness hätte erkälten können, wäre ich nicht so ein eisenharter Kerl! Als Ouvertüre wurde das Erdgeschoss bis in die letzten Ecken vom Staube befreit, die Kür führte mich dann ins Obergeschoss, quasi auf das Sonnendeck, wo Schlafzimmer, ein geräumiger Flur und ein weiteres kleines Bad absolut professionell, effektiv und schnell vom allgemeinen Staube befreit wurden. Mensch, was war ich stolz auf mich! Das musste ich dann auch gleich meiner Frau mitteilen und zeigen, worauf sie lächelte, mich an der Hand nahm und zum Zimmer meiner Tochter führte. Ach ja, Prinzessin Tausendschön hat ja auch noch ein Zimmer. Aber das war ja kein Problem! Ich räumte kurz mehrere Dutzend Quadratmeter Decken, Tücher und ähnlichen Klimbim vom Boden, schob zwei Herden Pferde und Einhörner unter das Bett und stapelte getragene Kleidung in verschiedensten Formen und Farben zu einem schicken Klamottenberg auf dem Schreibtischstuhl. Den Rest durfte Madam „Ichhabdochsehrschönaufgeräumt“ selber machen. Jedenfalls konnte ich jetzt mit meinem Freund, dem Staubsauger, über den Boden rennen und das hübsche Muster der Auslegeware wieder sichtbar machen. Nur wenige Minuten, nachdem mich meine Frau in das Zimmer unserer Tochter geführt hatte, war mein Werk getan und ich fühlte mich nun mehr als berechtigt, zur Belohnung den Rest des Tages auf dem Sofa zu verbringen, wo ich zu rekonvaleszieren gedachte. Wieder lächelte meine Frau unergründlich, wieder nahm sie mich an der Hand und führte mich dieses Mal nach oben. Ich erschauerte, als sie flüsterte: „Das war noch nicht alles!“ Mit diesen Worten stieß sie die Tür zur Hölle des Staubsaugens auf. Wir haben da ja auch noch einen Sohn, der auch ein eigenes Zimmer hat. Wie konnte ich das nur vergessen?
Auf dem Fußboden tobte eine Schlacht! Dort hinten vor der Heizung wartete ein Segelschiff voller Piraten, dass ihnen lohnende Beute ins Netz ginge. Daneben standen sechs schwere Raumkreuzer im erbitterten Gefecht, hier kämpften Horden wilder Legomännchen erbarmungslos gegeneinander, dort schickte sich ein Containerschiff an, mutig die Weltmeere zu kreuzen. Dazwischen eine schier unüberschaubare Menge an Autos, Lastwagen, Traktoren und ein riesiger Mähdrescher, der offenbar von einem großen Hai bedroht wurde. Das Zimmer unseres Prinzen „Dasdarfabernichtabgebautwerden“ bot alles auf, was die lebendige Fantasie eines Achtjährigen nur aufbieten kann! Und nein, das durfte, nach dem erklärten Willen unseres Thronfolgers, in der Tat alles nicht, gar nicht, nie und nimmer und auf gar keinen Fall abgebaut werden!
Aber ich sollte doch saugen. Mein Dilemma war komplett. Wie die Auslegeware entstauben, ohne Piratenschiff, Raumkreuzer, Automobile, Flugzeuge, Helden und Opfer durcheinander zu bringen? Wie den Staubsauger durch Heldengeschichten, Schlachtengetümmel und Paraden steuern, ohne die Ordnung zu stören?
Auf Zehenspitzen durchmaß ich das Gesamtkunstwerk unseres Geschichtenerzählers, bis ich zum Bett kam. Ich stellte mich drauf, um mir aus dieser überhöhten Position einen besseren Überblick über die Gesamtsituation zu machen. Die Bauwerke und Schlachtordnungen sollten nicht kaputt gehen? Nun, ich war bereit, diese Herausforderung anzunehmen!
Im Türrahmen stand lauernd schon der Staubsauger, und seine bisher noch stumme Bodendüse schien mich voller Tatendrang anzuschauen! Ich betrachtete meinen Arbeitsbereich, blendete die Kunstfertigkeit in diesem Werk aus, und konzentrierte mich ganz auf meine Aufgabe. Von der Tür aus gab es einen kleinen Bereich von vielleicht zwei Fuß Breite und ebenso viel Länge. Hier konnte ich wenden, vielleicht zunächst nach rechts, entlang des Bettes, langsam, damit das Raumschiff in seiner vorteilhaften Abfangposition blieb. Dann eine leichte Linkskurve, vorbei an der Horde bunter Legokrieger, die augenscheinlich auf dem Weg zum Piratenschiff war. Vorsicht, hier lagen viele Kleinteile herum! Hinter der Horde in einem leichten Rechtsbogen, der sich nach hinten spitz zuzieht, auf den nächsten Schlachtkreuzer zu, der an einem großen Lastwagen hing. Hier eine Dreiviertelwende auf dem Teller, grob in Richtung Piratenschiff. Auch hier war Vorsicht geboten, denn vor den Playmobilfiguren lagen bereits Fässer, Schwerter, Steinschloßpistolen und glitzernde Diamanten und Golddublonen im „Wasser“!
In diesem Stil durchquerte ich in Gedanken das gesamte Zimmer, plante meine Saugstrecke, verwarf den einen Plan, favorisierte den nächsten, durchdachte Umleitungen und Wendemöglichkeiten.
Es war zweifellos eine große Aufgabe, die ich da hatte. Nach einer guten Stunde heftigen Planens und Überlegens bahnte ich mir den Weg hinaus, um einen Block und einen Bleistift zu holen. All die Wege konnte ich mir einfach nicht merken! Dafür brauchte der kluge Hausmann schon geeignete Hilfsmittel. Solcherart ausgerüstet begann ich also ein zweites Mal, meinen saugenden Weg durch das Land von Lego und Playmobil zu planen. Ich zeichnete die Umrisse der einzelnen Werke und Hindernisse ein, vermerkte Kleinteile (soweit erkennbar) und Besonderheiten. Dann zeichnete ich eine mögliche Route ein, bewertete und verwarf sie, zeichnete eine zweite, veränderte hier und verlängerte dort, radierte wieder aus und zeichnete neu ein. Nach etwa zwei Stunden heftiger Planung hielt ich ein Papier in den Händen, das zu mindestens neunzig Prozent grau war und keinerlei Details mehr erkennen ließ. Ich brauchte eine neue Idee.
Wieder stieg ich auf Zehenspitzen vorsichtig über ungezählte Kleinteile hinweg und wanderte ins Erdgeschoss. Hier öffnete ich die Tür zur Haushaltskammer und schnappte mir meinen guten, alten, borstigen Besen, um dann gemessenen Schrittes wieder in unseres Sohnes Kammer zu gehen. Jetzt mussten Resultate her! Das dauerte mir hier alles schon viel zu lange!
Stundenlanges Überlegen, gründliche Planung und jede Menge Hirnschmalz kulminierten in einer Orgie des Fegens! Ungeachtet ihrer brillanten Konstruktionsmerkmale, ungeachtet ihrer Herkunft von Legoland oder Playmobilien, ungeachtet auch ihrer Ausrichtung und Positionierung im Gesamtkunstwerk, fegte ich nun alles, aber auch wirklich alles, in eine einzige, kleine Ecke des Kinderzimmers, stapelte mit dem Besen Raumschiffe auf Legomännchen, Playmobilpiraten auf Mähdrescher und Lastwagen auf Gold, Silber und Geschmeide. Der Schweiß floss, und ja, nicht nur ich, auch mein schlechtes Gewissen regte sich vehement. Aber hier wurden höhere Ziele verfolgt! Der Teppich musste gesaugt werden! Der Staub musste weichen! Alles, was ich für Prinz „IchbaumirmeineWelt“ nun noch tun konnte, war, dafür zu sorgen, dass auch nicht das winzigste Bauteil im Schwarzen Loch des schrecklichen Staubsaugers landen würde. Und ich fegte voller Hingabe, ich fegte die Raumschlacht ins Vergessen, das Piratenschiff in Grund und Boden und die Schlachten der Horden einfach hinweg. Platz! Platz brauchte ich, um endlich den Teppich saugen, dem Staub den ultimativen Kampf ansagen, der Sauberkeit Platz machen zu können. Ich fegte sogar unter Schrank und Kommode, und Prinz „Warumhastdudasalleskaputtgemacht“ würde sich freuen über all die Bauteile, die ich dort aus dem Vergessen ins Hier und Jetzt beförderte. Dann, als ich alles auf einen bunten Haufen gekehrt hatte, stieg ich noch einmal auf das Bett und ließ meinen Blick schweifen über endlose, leere Teppichweiten. Nein, nicht ein kleinstes Teil war mir entronnen! Ich hatte sie alle erwischt! Jetzt endlich konnte ich den Staubsauger über die Steppe des Teppichs jagen. Der Motor heulte auf, die Bodendüse schlürfte emsig und endlich (nach so viele Stunden!) war der Teppich sauber! Stolz erfüllte meine Brust! Und doch spürte ich auch einen Stich. Ja, der Teppich war sauber. Aber all die Geschichten! Die Schlachten! Die Dramen! Die filigranen Bauwerke, die großartigen Raumkreuzer, die Schiffe, Laster und Flugzeuge! Sie waren dahin, zerstört, kaputt! Sohnemann würde außer sich sein, wenn er das sieht!
Aber, so überlegte ich, war das nicht eher eine große Chance, statt einer Tragödie? Waren Lego und Playmobil nicht eigentlich dafür gedacht, immer neue Geschichten, immer neue Welten entstehen zu lassen? War es nicht das, was Ole Kirk Christiansen, der Erfinder der Legosteine, und Hans Beck, der Vater des Playmobils, eigentlich gewollt hatten? Der kindlichen Fantasie Raum geben?
Ich würde mich mit Prinz „IchbaueeinSchiffFlugzeugRaumkreuzer“ vor diesen riesigen Haufen voller Möglichkeiten setzen und mit ihm gemeinsam ein Kunstwerk nach dem nächsten bauen, neue Geschichten, neue Heldentaten, neue Dramen. Gleich heute Abend! Wenn er mich lässt…

Samstag, 7. Mai 2016

Kurz im Bild - Abenteuer Mars!

ESA-Astronaut Jürgen-Thorsten Pikkert hatte trotz jahrelanger, intensiver Ausbildung und Vorbereitung arge Zweifel, ob sein Auftrag auf dem Mars erfolgreich durchführbar wäre. Insbesondere dem aktuellen Mars-Rover „Head Slayer 3000“, einem Entwurf seines ansonsten geschätzten Kollegen Bent Bøllekamp, traute Captain Pikkert nur sehr wenig zu.
Mochte der Designer und Chefentwickler des Mars-Rovers auch das besondere Vertrauen der Geschäftsführung genießen, der ambitionierte Marserkunder war nach wie vor davon überzeugt, dass man keinen ehemaligen Ausstatter für Actionfilme a la „Mad Max“ hätte einstellen dürfen. Captain Pikkert fluchte beinahe lautlos in seinen Helm hinein und versuchte nun schon zum zwölften Male, das Gefährt zum Laufen zu bringen. 



Dienstag, 3. Mai 2016

Kurz im Bild - Etiquette bei Hofe


Ritter Helmfried von Gnadenreich zu Gnöpfelburg wusste weder ein noch aus, während er vor Ihrer Majestät, der Königin, in höfisch vorgeschriebener Manier das noch immer schmerzende Knie beugte.
Er kannte die Hofdame, der er diese öffentliche Gerichtsversammlung auf dem Marktplatz zu verdanken hatte, nur flüchtig. Und das Kind, welches sie ihm mit einer Mischung von Stolz und Ärger zeigte, hatte er noch nie zuvor gesehen. In dieser Hinsicht war er sich sicher.
Aber Ihre Gnaden, die Königin, hatte ihm eine Frage gestellt, und sie erwartete, völlig zu Recht, eine wahrheitsgemäße Antwort. Die hätte er ihr auch gern gegeben, doch Ritter Helmfried hatte keine Ahnung, wie er Ihrer Majestät vor aller Augen und Ohren ebenso diskret wie manierlich die Tatsache erklären sollte, dass er seine edelsten Teile schon vor vielen Jahren auf dem Schlachtfeld der Ehre verloren hatte.
Langsam richtete er sich auf und versuchte, seine Unsicherheit zu verbergen, als er seiner Königin in die stahlblauen Augen sah… 


Sonntag, 1. Mai 2016

Kurz im Bild - Die Wandlung


Mario Floßwinkel, Student der Friesischen Philologie im fünften Semester, dröhnte der Kopf. Die Party gestern war das heftigste, was er bisher an der Uni erlebt hatte. Er hatte keine Ahnung, wie er nach Hause gekommen war. Aber er konnte sich noch an den seltsamen Typen mit dem spitzen Hut erinnern, der das Mädchen anbaggerte, mit dem Floßwinkel die Party besucht hatte. Was danach kam, war im Alkoholnebel verschwunden. Alles, was Mario Floßwinkel beim Blick in den Spiegel noch wusste, war, dass er sich nicht mehr wie er selbst fühlte. Wie konnte man nur so grün im Gesicht sein? Das war doch sicher nicht gesund, oder?


Samstag, 30. April 2016

Kurz im Bild - Minkie


Langsam wurde sie dann doch ein wenig ungeduldig!
Die Sonne war schon lange aufgegangen, und Hauskatze Minkie hatte noch immer nichts Essbares in dieser vermaledeiten Küche gefunden! Sämtliche Schränke und Schubladen hatte sie durchwühlt und fand nur solche widerlichen Gaumenbeleidigungen wie Pizza, Bananen, Tomaten und jede Menge Fisch. Nur das dringend benötigte Huhn mit Feldmausgeschmack war einfach nicht zu finden.
Endlich war ihr Dosenöffner aufgetaucht, was normalerweise bedeutete, dass die schreckliche Zeit des Hungers für Minkie vorbei sein sollte. Aber statt ihr sofort zur Hilfe zu eilen, stand der Mensch schreiend und mit großen Augen in der Küche und tat – nichts! Gutes Personal ist sehr schwer zu bekommen. 


Samstag, 23. April 2016

KLANGSALAT - Prince, natürlich.

Das war nix, 2016. Das fangen wir nochmal von vorne an.
In diesem Jahr haben einfach schon viel zu viele dieses Erdenrund verlassen. Lemmy Kilmister (na gut, das war 2015, aber schon fast 2016!), David Bowie, Roger Cicero, Maurice White, Paul Bley… Und jetzt auch noch Prince, O(+>, The Artist Formerly Known As Prince (TAFKAP). So langsam reicht es dann aber auch.

Ich könnte nun einiges erzählen über Mr Prince Rogers Nelson aus Minneapolis, Minnesota. Ich würde dann wahrscheinlich etwas über seinen Werdegang erzählen, über seinen Anspruch als Künstler, über seine unkonventionelle Art, wie er in seiner Musik ganz verschiedene Stile mischte und damit der Musikwelt seinen ganz eigenen Stempel aufdrückte.
Ich könnte auch einige Worte über seinen Umgang mit Plattenfirmen verlieren, wie er zu der ganzen Geschichte mit dem Geistigen Eigentum stand, oder welche Wege er fand, um seine Musik, seine Kunst zu vermarkten. Aber das machen schon andere, die weit mehr Ahnung von dem Geschäft (und von Prince) haben, als ich, der ich die Musik doch einfach nur genießen möchte.

Ich kenne Prince als den Interpreten von Stücken wie 1999, Diamonds an Pearls, Kiss oder (natürlich) Purple Rain. Ich habe vor dem Cassettendeck meiner Stereoanlage gesessen und mit zitternden Fingern über Aufnahme- und Pausetaste gehangen, um I would die 4 U möglichst ohne die Stimme des Radiomoderators aufzunehmen. Oder When Doves cry oder Little Red Corvette.
Die 1980ger Jahre, das war die Zeit, in der man an Prince im Radio einfach nicht vorbei kam. Und deshalb verbinde ich mit Prince auch immer die Zeit und die Gefühlsachterbahn meiner Jugend und Pubertät. Meine Güte, ist das lang her… Sein Auftreten und seine exzentrischer Stil waren weit außerhalb meiner eigenen, kleinen Welt, aber seine Musik spielte mittendrin, neben Michael Jackson, Frankie goes to Hollywood, neben Elton John und Chris deBurgh.
Erst in diesen Tagen, da so viel über Prince geschrieben und gesagt wird, wie schon seit vielen Jahren nicht mehr, habe ich erfahren, dass er all seine Musik nicht nur selbst getextet und komponiert hat, sondern auch sehr viele seiner Stücke allein, Spur für Spur, Instrument für Instrument, im Studio eingespielt hat. Und gesungen, Main vocals wie Back vocals. Eine solche Schaffenskraft haben nicht viele!
Es gäbe eine lange Reihe hervorragender Lieder oder exzellenter, abwechslungsreicher Alben, die ich euch anlässlich seines viel zu frühen und vollkommen unerwarteten Todes hier einspielen könnte, um nur einen kleinen Einblick in das Genie des Mannes aus Minnesota zu geben. Aber seinen größten Erfolg, nicht nur mit dem Lied, sondern auch mit dem Film, hatte er mit Purple Rain. Für mich ist es DAS Lied, was Prince ausmacht, und wann immer ich es höre, dann mit maximaler Lautstärke. Und bitte nicht stören.


Sonntag, 17. April 2016

Kurz im Bild - Eine Kreuzfahrt


Oberfinanzrat Anton Kraxlberger erlaubte sich einen Moment der Entspannung.
Zehn aufreibende Tage lang hatte er hingebungsvoll versucht, dem Kapitän, seiner Besatzung und den werten Passagieren an Bord zu erklären, warum das Kreuzfahrtschiff „MS Sonnenblume“ unweigerlich seinem finanziellen Ruin entgegenfahre, und teils drastische Einsparungsmaßnahmen bei Personalkosten und Landgängen eingefordert. Zum Dank hatte man ihm ein exklusives Ozeanerlebnis an Bord dieses kleinen, aber feinen Ruderbootes organisiert. Das war vor sechs Stunden. Nun hatte er doch ein wenig Hunger. Aber er blieb entspannt. Immerhin hatte er das Rundum-Sorglos-Paket gebucht! 


Samstag, 16. April 2016

Kurz im Bild - Geduldsprobe

Grundschullehrerin Mareike Klötzsche-Guppendorf sah sich in ihrer Geduld herausgefordert. Vor mittlerweile drei Tagen hatte sie der einheimische Landwirt Nursultan mit seinem Eselskarren an dieser gottverlassenen Stelle abgesetzt und ihr glaubhaft versichert, dass dies die einzige Straße in die kasachische Hauptstadt Astana sei. Seither wartete Frau Klötzsche-Guppendorf auf eine passende Mitfahrgelegenheit. Und eine Dusche!
Fern am Horizont erspähte die Rucksacktouristin eine Staubwolke. Das ersehnte Transportmittel? Oder doch nur wieder die Herde Urials, eine seltene Art des Steppenschafes, der gestern ihr schmuckes Samsonite Kosmetikköfferchen zum Opfer gefallen ist? 


Donnerstag, 14. April 2016

KLANGSALAT - Daughter

Daughter -
Elena Tonra, Igor Haefeli und Remi Aquilella
Da denkt man manchmal, man hört was absolut neues, dann ist es das nicht mal.
Nun gut, gemessen an AC/DC oder den Rolling Stones ist das Londoner Trio um Sängerin Elena Tonra, Gitarrist Igor Haefeli und Schlagzeuger Remi Aguilella brandneu, denn Daughter gründete sich gerade mal im Jahre 2010. Ihr erstes, ernstzunehmendes Album If you leave brachte das Trio 2013 heraus, und stellte sich damit in die Fußstapfen anderer Indie-Bands von der Insel wie The XX oder Cocteau Twins.

 
Vom Debütalbum If you leave möchte ich euch heute Smother vorstellen, der Song, durch den ich vor ein paar Tagen erst auf die Band Daughter aufmerksam geworden bin, und der meiner Ansicht nach der Höhepunkt des Albums ist. Das Album ist gar nicht so übel, auch wenn ihm ein bisschen der Tiefgang und die Professionalität fehlen. Aber es hörenswert und macht neugierig auf das derzeit aktuelle Album Not to disappear. Mal sehen, ob ich das demnächst mal hier vorstelle… Ein ganzes Album im Klangsalat, das wäre mal was.
Daughter mach Indie-Rock von der etwas zarteren Sorte, im Grunde ist die Musik genau richtig als Hintergrundkulisse, wenn man mal wieder ein klärendes und langes Gespräch über den Stand der Beziehung mit dem Partner führen muss. Als Begleitmusik für längere Autofahrten kann ich Daughter allerdings auch gerne empfehlen.
Jetzt aber erst mal Smother von Daughter, als Appetithäppchen! 

Mittwoch, 13. April 2016

Kurz im Bild - Amor mit Flöte?

Alleinunterhalter und DJ Johannes „Jim“ Flocke hatte die Nase gestrichen voll!
Seine bisher leider völlig vergeblichen Versuche, seine Flamme Sylvia „Süßi“ Glötzsche auf sich aufmerksam zu machen, kulminierten in diesem Treffen an ihrem erklärten Lieblingsplatz hoch über dem Ostseestrand, wo sie sich endlich unsterblich in den aufstrebenden Star in der hart umkämpften Alleinunterhalter-Branche verlieben sollte. Dafür hatte er keine Kosten und Mühen gescheut und über die Agentur „Love – Let us!“ für einen irrsinnig hohen Preis Amor höchstpersönlich engagiert, um den Pfeil der Liebe direkt in Fräulein Glötzsches Herz zu schießen. Und nun stand ein gewisser Herr Pan mit seiner Flöte hier und gab sich als Vertretung zu erkennen, weil Herr Amor andere, nicht aufschiebbare Termine habe. Sollte er Fräulein Glötzsche nun die Flötentöne beibringen? Jim Flocke fragte sich ernsthaft, warum er denn alles minutiös vorbereitet hatte, wenn man sich nun nicht an die Absprachen hielt!
Seltsamerweise war das einzige, was Fräulein Glötzsche dachte: „Hoffentlich merkt er nicht, dass ich gerade Knoblauch gegessen habe!“ 


Sonntag, 3. April 2016

Kurz im Bild - Bielefeld existiert! Bald!

Schon während des Studiums hatte Sven Gabelbart, Referent für Stadtumbau, Quartierentwicklung und Kleingärten im Bundesinstitut für Bau-, Stadt-, und Raumforschung, von diesem äußerst standhaften Einzelkämpfer gehört. Nun stand er endlich vor ihm! Und ABBA*-Aktivist Sören Hartmut Fastabend war mehr als bereit, dem Referenten Rede und Antwort zu stehen. Sven Gabelbart sah seine Chance gekommen! Mit diesem Projekt würde er unsterblich werden! Bielefeld würde endlich existieren!

ABBA: Aktion Baut Bielefeld Auf


Freitag, 1. April 2016

KLANGSALAT - Ólafur Arnalds


http://iceblah.typepad.com/.a/6a00e5539e87e788340147e282beee970b-pi 


Musik muss nicht immer Text haben, den ich dann auch noch verstehe. Sehr gerne höre ich auch einfach nur Melodien und erzähle mir selbst eine Geschichte dazu, oder schlafe beim Hören einfach ein und träume. Eine solche Musik habe ich mir heute für den Klangsalat ausgesucht.

Island ist ja sehr bekannt für seine Geysire, Vulkane, sein Eis und seine Gletscher. Aber eben auch für Reykjavik, Romane von Arnaldur Indridason, Yrsa Sigurdardottir oder Kristof Magnusson. In der Musik fällt einem wohl als erstes Björk ein, oder Sigurd Rós.
Gerade vor ein paar Tagen habe ich Ólafur Arnalds entdeckt, einen Musiker, der eine ganze Reihe von Instrumenten beherrscht, außerdem ein Komponist und Produzent aus der Nähe von Reykjavik. Er hat mal klassische Musik studiert, das Studium aber letztlich abgebrochen. In seiner Musik spiegeln sich die klassischen Einflüsse wieder, beispielsweise in der Instrumentierung wie auch im Musikstil. Daneben hört man immer mal wieder Anklänge eine Sigurd Rós, wenn auch nicht gar so experimentell. Hinzu kommt eine Portion Elektronik und auch etwas Techno. Eine abwechslungsreiche Mischung, eine in sich geschlossene Musik mit wechselnden Stimmungen, Melodien, die mich den Alltag vergessen lassen und ganz eigene Bilder hervorrufen.
Im Jahre 2007 veröffentlichte Ólafur Arnalds sein erstes Album Eulogy for Evolution, 2009 machte er ein Projekt, das ich leider, leider verpasst habe, weil ich ihn damals noch nicht kannte. Er veröffentlichte sieben Songs in sieben Tagen auf Twitter und Facebook und ließ seine Fans darauf basierende Kunstwerke auf Flickr veröffentlichen. Das ganze nannte er Found Songs. Sein letztes Album kam 2016 mit Trance Frendz, das er zusammen mit dem Hamburger Komponisten Nils Frahm aufgenommen hat.
Ich möchte euch allerdings ein Stück aus seinem 2013 erschienen Album For now I am Winter vorstellen: Only the Winds
 


Wer das Youtube-Video nicht sehen kann, versuche es hier:

Montag, 28. März 2016

KLANGSALAT - Ry X


Es ist recht selten, aber ab und an kommt es tatsächlich vor, dass ich manchmal, wenn ich vor Langeweile schier sterbe, den Fernseher anmache. Und da habe ich in einer Werbung für einen Fernseher (sic!) ein Lied gehört, nach dem ich dann erst mal eine ganze Weile im Internet gesucht habe. Ich habe es gefunden und stelle es euch deshalb heute vor.

Ry X ist hierzulande irgendwie völlig unbekannt, obwohl seine Musik wirklich gut ist. Aber es ist eben ein weiter Weg von Down Under bis in europäische Breitengrade. Eigentlich heißt der Künstler Ry Cuming und kommt aus Australien. Seine musikalische Karriere kam dann in Los Angeles in Gang, wo er 2006 sein erstes Album veröffentlichte und mit beispielsweise Maroon 5 auf Tour ging. So richtig bekannt wurde er trotzdem nicht, der große Durchbruch ist ihm bis jetzt noch nicht gelungen.
Hier in Deutschland wurde er bummelig 2013 durch oben erwähnte Fernsehwerbung einigermaßen bekannt, jedenfalls schaffte es der Song Berlin in die deutschen Charts.

Mir gefällt die träumerische Ausstrahlung des Liedes, seine rauhe Stimme zu dem eigentlich sehr zärtlichen Stück und die Tatsache, dass recht wenig Elektronik in den Instrumenten zu hören ist. Ich werde Ry X noch ein Weilchen beobachten und mir auch sein Album mal in die Gehörgänge drücken. Hoffentlich bekommen wir da noch was zu hören.

Hier aber erst mal als „Appetizer“ die Werbung:Ry X - Berlin


Sonntag, 27. März 2016

Kurz im Bild - Steuern!


So etwas hatte Jack „Eisenarsch“ Flint noch nicht erlebt! Über vierhundert Jahre lang bewachte er nun diesen Schatz! Vierhundert Jahre als Mensch und Leiche. Unzählige Abenteurer, Diebe und Gesindel kamen, um ihm all sein Gold und Geschmeide zu nehmen. Keiner hatte überlebt!
Aber dieser hier war neu, selbst für Eisenarsch. Hartnäckig enterte der Finanzbeamte der Steuerbehörde Karibik (Buchstaben Du-Fo) nun schon den zwölften Tag in Folge diese Höhle und faselte was von Steuern und Abgaben. Sämtliche Gewaltandrohungen und Bestechungsversuche waren bisher erfolglos. Sollte er sich doch mit dem Einkommenssteuerbescheid vertraut machen? Eisenarsch Flint brauchte dringend einen Plan… 


Dienstag, 22. März 2016

KLANGSALAT - R.E.M. Leaving New York


Man könnte meinen, ich höre beinahe nur Musik mit deutschen Texten. Das ist natürlich nicht der Fall. Tatsächlich höre ich nicht nur deutsch, sondern eben auch französisch, italienisch und sogar spanisch. Aber am liebsten höre ich aber Musik, bei der ich den Text verstehe, also eben deutsch, oder englisch. Das geht auch. Und deswegen möchte ich euch heute ein Stück meiner Sammlung vorstellen, das englisch gesprochen wird.
Wer R.E.M. hört, denkt ziemlich schnell an Lieder wie Drive, Man on the Moon oder Nightswimming - alles Stücke von ihrem erfolgreichsten Album Automatic for the People.
Aber wie gesagt, das sind die Lieder, die jeder kennt. Die Truppe um Michael Stipe hat aber auch noch einige andere Alben gemacht. Immerhin bestand sie gut 31 Jahre. 1980 nämlich hatte R.E.M. als College-Band „Twisted Kites“ in den USA ihren Anfang genommen. Und 2011 hatte Michael Stipe dann das Ende von R.E.M., die aus dieser College-Band hervorgegangen war, bekannt gegeben. Es gab in diesem Jahr auch schon bessere Nachrichten. Zwischen 1980 und 2011 jedenfalls hatte sich R.E.M. einen Namen als eine der ganz großen Stars der Musikbranche gemacht, mit Alben wie eben das wahnsinnig erfolgreiche Automatic for the People, Out of Time, Collapse into Now oder Around the Sun.
Übrigens, habt Ihr euch nicht auch schon immer gefragt, was R.E.M. eigentlich bedeuten sollte?
Michael Stipe hatte auf der Suche nach einem Bandnamen einfach den Finger auf eine zufällige Seite eines Wörterbuches gelegt, und da stand dann R.E.M. zu lesen, Rapid Eye Movement, eine der Schlafphasen des Menschen. Nun, schlafen kann und will ich eigentlich nicht bei dieser Musik.
Ihr Stil wird gerne als Alternative Rock bezeichnet, obwohl sich die Musik von R.E.M. immer recht schlecht einordnen ließ. Country und Folk waren ebenso zu finden, wie Rock- und Pop-Elemente. Zuweilen kam auch ein Underground-Touch dazu, oder der gute, alte Mainstream.
Eines der Stücke, die mal so richtig Mainstream waren, konnte und kann ich mir erstaunlicherweise immer wieder anhören, vielleicht wegen der eingängigen Melodie, vielleicht wegen des Textes, oder weil für mich bei diesem Lied einfach alles passt.
2004 veröffentlichten R.E.M. ihr Album Around the Sun. Das Album war nicht so der Brenner, es wurde oft als viel zu weich empfunden. Ich selbst habe bei diesem Album immer den Eindruck, als seien die Stücke nicht so gut aufeinander abgestimmt. Die Richtung fehlt. Trotzdem enthält das Album hörenswerte Stücke, wie zum Beispiel The Outsider oder das titelgebende Around the Sun. Am meisten hat es mir aber Leaving New York angetan, weil das Lied in sich eben stimmig ist. Als das Lied 2004 die Charts enterte (Nicht sonderlich hoch, aber man konnte es häufiger im Radio hören.), hab ich es vor allem in meinem damaligen Büro rauf und runter gespielt.
Mir gefiel es gar nicht, als R.E.M. 2011 das Ende ihrer Karriere proklamierten. Immerhin gingen sie nicht im Streit, sondern einfach, weil sie ihre Zeit gekommen sahen. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Nun ja. Michael Stipe, der Sänger der Truppe und sicherlich die schillernste Figur des Trios, unterrichtet heute an der New York University, am Steinhardt Department of Art and Art Professions. Auch nicht schlecht.
Das Video zu Leaving New York will ich euch natürlich nicht vorenthalten. Viel Vergnügen! 


Montag, 21. März 2016

Kurz im Bild - Verschlafen!


Ärger brodelte heiß in Käpt‘n Gernot „Schlitzer“ Gassenschmied, schrecklichster unter den Piraten und Bukanieren der Karibik und Traum aller leichten Mädchen Tortugas. Das war doch kein ordentliches Schiff, was ihm dieser Nichtsnutz hier andrehen wollte! Wo waren die Segel? Wo war die Mannschaft, die solch eine Ausgeburt der Hölle fahren sollte?
Verwirrt schaute sich Schlitzer Gassenschmied um. Wo, bei allen Sieben Meeren, war er eigentlich? Und wie lange hatte er geschlafen? 


Sonntag, 20. März 2016

Kurz im Bild - In einem Taxi nach Paris?

Bäckerei-Fachverkäuferin Gertrude Hombach-Klappenfurth beschloss, das beste aus der Situation zu machen. Eigentlich wollte sie mit einem Taxi nach Paris, nur für einen Tag, um dort ihre Internet-Bekanntschaft Gerome "The Beast" in einem Café nahe des Eiffelturms zu treffen. Statt dessen stand sie nun in ihren besten Klamotten vor einer schlechten Plastikkopie des Eiffelturms im Maßstab 1:15, und die Stadt der Liebe entpuppte sich als ein im Sterben liegender Themenpark. Gertrude hätte stutzig werden müssen, als die Taxifahrt nur 36,80€ kosten sollte. Immerhin, der Taxifahrer sah ganz niedlich aus. Balakumaran hieß er. Vielleicht würde da ja noch was gehen...



Sonntag, 13. März 2016

Kurz im Bild - Größenverhältnisse

„Kampfstern Beknacktica!“ schimpfte Käpt‘n Buck Rogers, bester Pilot der Raumflotte, in sich hinein. Endlich hatte er einen Platz für den Lehrgang „Interkulturelle Kompetenz - Die Expansionspolitik Roms als Beispiel für die Galaktische Union“ an der Offiziersakademie der Vereinigten Worktagilianischen Streitkräfte ergattern können, und es hatte Wochen gedauert, dem Schirrmeister einen Shuttle zum Planeten Worktagilia-IXX aus dem Kreuz zu leiern. Und jetzt wies man ihm einen worktagilianischen Sternenhopper der Sklort-Klasse zu, obwohl allgemein bekannt sein musste, dass ihm die Worktagilianer höchstens bis zum Knie reichten. In diesem Hopper würde Buck nicht mal sein Gepäck unterbringen können!
Entnervt wandte er sich um und wappnete sich im Geiste bereits für das anstrengende Gespräch mit dem Schirrmeister… Zum Lehrgang würde er wohl zu spät kommen. 




Donnerstag, 10. März 2016

Kurz im Bild - Der Trinker


In dieser Nacht hatte Lebensmittelgroßhändler Erwin Sommer einen Albtraum.
Ein riesiger Wecker schien ihn erdrücken zu wollen. Wollte er sein weiteres Leben nicht in dumpfem Alkoholdunst verbringen, seine Frau und sein Geschäft verlieren, musste er sich ändern! Sein Entschluss stand fest. 


Inspiriert durch Hans Fallada - Der Trinker

Dienstag, 8. März 2016

Plötzlich war überall Schokolade!

Es gibt ja so Rituale, die gehören einfach zu einem geregelten Tagesablauf, oder zu einem ordentlichen Familienleben. Das gemeinsame Essen, möglichst dreimal am Tage, gehört zweifelsohne für jede traditionsbewusste Familie dazu. Allerdings denke ich darüber nach, mit diesem Ritual zu brechen. Das muss man sich mal vorstellen…

So weit ich zurückdenken kann, war das Frühstück für mich immer eine der drei wichtigsten Mahlzeiten des Tages. Und immer, ausnahmslos, musste das Frühstück ein möglichst prall gefülltes Glas jener berühmten Nuss-Nougat-Creme bereithalten, ohne das ein Tag einfach nicht gut werden konnte. Und auch heute noch tauche ich, wie seit unzähligen Jahren schon, allmorgendlich die Messerspitze nur einige wenige Millimeter in die weiche, süße Masse und bestreiche mein Brot mit einer millimeterdünnen Schicht der Nuss-Nougat-Genussbombe. Böse Zungen behaupten allerdings, die Schicht sei mindestens elf Meter dick. Das hat schon mein seliger Opa immer gesagt, aber das ist natürlich irrsinnig übertrieben. Es sind höchstens acht Meter, na gut, vielleicht neun. Ab und zu vielleicht auch mal zehn, aber niemals mehr als elf!
Aber so hoch die morgendliche Brotscheibe auch bestrichen sein mag, nicht ein Milligramm der kostbaren Süßigkeit geht an Frühstücksteller, Finger oder Wangen verloren! Jedes Atom (!) der Genussmasse wird der hungernden Zunge zugeführt. 

Unser Kronprinz hat von seinem Vater gelernt, und nachdem er einige Male mit dem Streichinstrument experimentiert hat, ist er nun auch in der Lage, ungefähr fünfundachtzig Prozent der Nuss-Nougat-Creme zunächst auf dem Brot und im weiteren Verlauf dann im Bauch zu deponieren. Auch der Genuss ist ihm schon deutlich anzusehen, wenn er mit Wonne in das mit mindestens elf Metern durchschnittlich bestrichene Brot beißt. Die noch fehlenden fünfzehn Prozent findet der Erziehungsberechtigte regelmäßig verteilt auf mindestens vier Finger, zwei Wangen und einem Kinn, einschließlich Oberlippenverzierung. Der dicke Klecks, der sich nach jeder Brotscheibenbestreichung auf dem Messer wiederfindet, bleibt nicht lange dort, sondern wird, trotz eindringlicher Ermahnungen, detailreicher Belehrungen, wüster Beschimpfungen oder gnadenloser Androhungen, innerhalb kürzester Zeit von einer hingebungsvollen und äußerst flinken Zunge restlos aufgenommen. Mehr als einmal passierte es uns, dass ein zuvor durch unseren Schokoladenfetischisten benutztes Messer zunächst als unbenutzt deklariert wurde. Erst eine gewissenhafte forensische Untersuchung förderte kaum merkliche Indizien zutage, anhand derer eine Benutzung zumindest vermutet werden konnte. Gründliches Kerlchen, das…!

Seine Schwester ist ebenfalls, der familiären Tradition väterlicherseits folgend, eine glühende Anhängerin der streichfähigen Süßware, allerdings in einer etwas rustikaleren Art und Weise. Wenn Prinzessin „Dasschmecktmiraber“ das Messer in das Glas taucht, braucht man hinterher einen leistungsfähigen Metalldetektor, um es in den abyssalen Tiefen der Streichmasse wiederzufinden. Madame „Dasistnochnichtgenug“ hat allerdings die erstaunliche Fähigkeit, nicht nur das Messer wieder aus der Masse ziehen zu können, sonder mit dem daran klebenden Fang auch noch ihr Brot mindestens elf Meter dick zu bestreichen. Und nicht nur das! Sie verteilt den Rest der am Messer klebenden Creme auf dem Frühstücksteller, den beiden Händen (einschließlich Handinnen- und -außenflächen), den Wangen, der Nase, der Stirn, dem bis gerade eben noch blütenweißen Hemdchen, und natürlich auch großflächig auf dem Frühstückstisch. Das erstaunliche daran ist, dass man als Beobachter überhaupt nicht sieht, wie sie das macht! In einem Moment befindet sich eine Jahresproduktion Nuss-Nougat-Creme eines weltweit operierenden Lebensmittelkonzerns an einem ob jener Belastung ächzenden Edelstahlstreichmesser, im nächsten Moment ist Prinzessin „Dasistallesmeins“ von Kopf bis Fuß nussbraun geschminkt, und das Esszimmer hat eine nette, essbare und sehr süße Dekoration! In diesem Zusammenhang ist es mir ein Mysterium, wie es ihr Brot unter diesen cremigen Umständen schaffen kann, überhaupt noch zu krümeln, und dann auch noch großräumig! 

Unzählige Male schon haben wir Alttiere Prinzessin Schleckermaul erklärt, vorgeführt, demonstriert und gezeigt, dass man das Streichmesser nicht bis zum Anschlag im Glas versenkt. Unzählige Male schon haben wir ihr erklärt, gezeigt, vorgeführt und demonstriert, wie man das Messer am Brot sauber abstreicht. Unzählige Male schon haben wir ihr erklärt, demonstriert, gezeigt und vorgeführt, wie man ein Nuss-Nougat-Brot ordentlich isst, ohne das Esszimmer und/oder die essende Person komplett zu verwüsten. Wir haben gebeten, gebettelt und gedroht. Und immer lächelte Lady „Redetihrnur“, nickte anmutig mit dem Köpfchen und rammte ihr Messer mit Schwung bis auf den Grund des Glases, um nur Augenblicke später glücklich grinsend in einem schokoladenbraunen Chaos zu sitzen.
Der bei uns übliche kleine 3kg-Eimer Nuss-Nougat-Creme würde sicher ein bis zwei Frühstücke länger halten, wenn nicht so erschreckend viel seines Inhaltes letztlich in Spüllappen und Waschbecken landen würde! Es ist ein Trauerspiel! Und auf Dauer doch auch recht teuer. 

Außerdem brauchen wir jeden Morgen etliche Minuten länger, um uns schick für den Tag zu machen, weil sich unsere Chaosfrühstücksmeisterin grundsätzlich noch einmal einer porentiefen Reinigung unterziehen und sich umkleiden muss, bevor sie das Haus verlässt. Madame „DasistabermeineSchokolade“ teilte uns unlängst mit, dass es doch viel praktischer sein, würde man sich nur ein einziges Mal am Morgen waschen und anziehen müssen. Wir versuchen nun mit allen Mitteln, sie davon zu überzeugen, doch die zweite Runde ausfallen zu lassen. Dazu müsste sie natürlich bereit und in der Lage sein, sich morgens am Frühstückstisch etwas weniger rustikal zu benehmen. Es ist noch ein weiter Weg…

Montag, 7. März 2016

Kurz im Bild - Eiland im Pazifik

Voller Zuversicht ruderte Hackebeil Hartmut auf das kleine, kaum bekannte Eiland weit südlich von Polynesien zu. Weder Eisenbart Engbert, der Kapitän des "Schwarzen Schafs", noch der Rest der Besatzung voller Halsabschneider, Diebe und Erpresser hatte eine Ahnung, welche Schätze dieser verlassene Felsen tief im Pazifischen Ozean barg. Hackebeil Hartmut durchsuchte seine Taschen. 
Wo hatte er nur die Schatzkarte gelassen? 



Freitag, 4. März 2016

KLANGSALAT - Die Fantastischen Vier

HipHop ist ja eigentlich so gar nichts für mich, und dabei ist es völlig egal, in welcher Sprache. Trotzdem falle ich mehr oder weniger regelmäßig auch in solchen Musikrichtungen, die ich normalerweise gar nicht höre, über tolle Stücke, die es wert sind, immer wieder gehört zu werden. Und irgendwann, vor doch schon einigen Jahren bin ich über die Fantastischen Vier gestolpert, die ich eher selten höre, weil ich Sprechgesang, auch wenn er deutsch ist, nicht wirklich leiden kann. Aber ich muss zugeben, so ein paar Sachen, die die vier Stuttgarter Smudo, And. Ypsilon, Thomas D. und Michi Beck in ihrem Studio fabrizieren, gefallen mir dann doch. Man denke an das geniale „Die da!“ oder „Sie ist weg, oder „MfG“, oder „Troy“…
Ins musikalische Hirn hat sich aber ein ganz anderer, ruhigerer Titel eingebrannt, dem ich immer wieder mal gerne den Staub des Archivs von den Rillen putze und den ich mir dann genüsslich ins Gehör schiebe: „Tag am Meer“, ein Lied, in dem der Sprechgesang träumerisch seidenweich ist.
„Tag am Meer“ ist hochgradig philosophisch, ruhig, entspannt. Selbst wer in den tiefsten Tälern oder auf den höchsten Gipfeln der Berge steht, wird beim Hören dieses Liedes an Strand, Sonne, Ruhe und Entspannung erinnert, der sieht das Meer vor sich, wo immer er auch gerade ist. Und immer dann, wenn das Wetter kalt, nass, grau, ungemütlich ist, denke ich zurück an den „Tag am Meer“. 


Donnerstag, 25. Februar 2016

Kurz im Bild - Rustikal!


Prokurist Jochen Froschtreter fühlte sich ein wenig unbehaglich, wie er so bäuchlings auf der Behandlungsliege lag, um sich das störende Furunkel an seiner Sitzfläche fachgerecht entfernen zu lassen. Die Behandlungsmethoden von Dr. med. (nat. med., biol. hom., rer. medic.) Gernot von Funkenschlag waren zwar gemeinhin als ungewöhnlich bekannt, Herr Froschtreter selbst hätte sie allerdings als eher rustikal bezeichnet.
Leise wimmernd vor Angst bereitete er sich auf den ersten Einschlag vor… Ob er die Brille doch besser vorher hätte abnehmen sollen?


 

Montag, 22. Februar 2016

Kurz im Bild - Auf dem Weg in die Moderne!


Erzulalya Krapowski, Junghexe im dritten Lehrjahr und Absolventin der Bibi-Bloksberg-Akademie für Magie, Thaumatologie und Zauberei, hatte sich entschieden! Schon in wenigen Augenblick würde sie stolze Besitzerin dieses hochmodernen Zweirads, einer Kreidler Flory Klassik, sein. Mit diesem Erwerb würde sie endgültig den Schritt aus der traditionellen Hexerei in die Moderne wagen können, mochte ihre Lehrhexe auch anderer Meinung sein!
Erzulalya war zwar hinsichtlich des offensichtlich fehlenden Vorderrades ein wenig verunsichert, ob das moderne Fahrzeug ihren Ansprüchen auch wirklich genügen würde. Allerdings hatte ihr der freundliche Gebrauchtwagenhändler glaubhaft versichert, dass der Flugzauber ihres alten Hexenmopps Wisch-Flex 1000C TDi vollständig kompatibel mit diesem Zweirad sei, wodurch etwaige vordere Rolleigenschaften der Kreidler ohnehin obsolet sein würden. 
 
 

Donnerstag, 18. Februar 2016

Kurz im Bild - Licht im Dunkel!


Ziegenhirte Giancarlo Luigi Pompoloni war erleichtert! Jahrelang wurde jede nächtliche Fahrt durch die Täler seiner Heimat in den italienischen Alpen zu einem haarsträubenden Abenteuer. Doch damit war jetzt Schluss!
Nach Jahren der Planung und Bastelei, nach unzähligen Rückschlägen und Misserfolgen hatte er nun endlich eine hervorragende Möglichkeit gefunden, den Weg vor seinem italienischen Flitzer auch des Nachts und während der Fahrt zu beleuchten. Gleich morgen würde er im Patentamt von Ponte di Legno vorstellig werden, um die „Lichtwerfer“, wie er seine strahlende Erfindung nannte, patentieren zu lassen. Und danach würde er ein Verfahren entwickeln, dass es ihm ermöglichen würde, andere Verkehrsteilnehmer über einen demnächst bevorstehenden Fahrtrichtungswechsel wirkungsvoll zu informieren.Mit Flaggen vielleicht, oder eine richtungsabhängigen Hupe...


Mittwoch, 17. Februar 2016

Kurz im Bild - Ein ehrenhafter Auftrag


Ritter Helmreich Graf von Schnorzburg zu Gnöttelsbach war enttäuscht. Sein Kontakt hatte ihn hierher vor diese ärmliche Taverne bestellt, weil ihn angeblich ein sehr ehrenhafter Auftrag erwarte. Ritter Helmreich hatte gehofft, nun endlich auf die Suche nach dem Heiligen Gral gehen zu dürfen, statt dessen stand vor ihm Frau Ntschotschi Schmidt, geb. Schwarzfuß, und bat ihn inständig, den Vater ihres kleinen Sohnes Eberhardt Honiahaka Schmidt zu finden. Es handele sich dabei um einen gewissen Johannes Schmidt aus Tauber-Bischofsheim.
Der Heilige Gral musste wohl noch warten. Ritter Helmreich lud Frau Schmidt zu einem Met in die Taverne ein und überlegte sich erste Fragen. 
 
 

Montag, 15. Februar 2016

Hausmanns Abenteuer!

Wer im Schichtdienst tätig ist, kennt das: Man arbeitet zu Zeiten, an denen der Rest der Welt friedlich schläft oder sich seinen vielfältigen Hobbys hingibt, und hat jede Menge Freizeit, wenn der Rest der Welt hart arbeitet. Mir geht es da nicht anders.

Mir hat dieser Lebenswandel nun einen Morgen beschert, an dem ich mal ganz für mich allein war. Die Kinder waren in die Obhut staatlicher Lehr- und Erziehungsanstalten übergeben, meine Frau erforschte auf eigene Faust das Gesundheitssystem in Deutschland, und ich… Nun, ich tat, was ein treusorgender Ehemann und Vater eben tut, wenn er allein zuhause ist. Ich kümmerte mich um den Haushalt. Was en détail bedeutete, dass ich die Küche sauber machen und den Müll raus bringen wollte. Freiwillig! Weiß auch nicht, was ich mir dabei gedacht hatte!
Eigentlich hätte das ganze Vorhaben nur wenig Zeit in Anspruch nehmen sollen, war doch unsere Küche generell schon in einem annehmbaren Zustand, mal abgesehen vielleicht von den Überresten des familiären Frühstücks. Und den vollen Mülleimern. Die Kaffeemaschine hätte auch mal gereinigt werden können. Und die Spülmaschine war voll. Vielleicht auch noch den Backofen schrubben. Und der Kühlschrank? Na, den wollte ich lieber nicht aufmachen!
Es war also gar nicht viel zu tun. Ein wenig Wasser und Spüli, ein feuchter Lappen und ein wenig gute Musik, und schon eine Stunde später war ich so gut wie fertig. Gut, bis auf die Kaffeemaschine. Und die Spülmaschine. Und den Backofen. Und den Kühlschrank. Fegen und Wischen hätte ich wohl auch noch können, aber sonst brauchte ich eigentlich nur noch den Müll, den zu Düngezwecken gesammelten Kaffeesatz und den Biomüll vor die Tür zu bringen. Im Geiste sah ich mich schon vor dem Computer sitzen und begeistert durch die irrsinnigen Weiten des Internets streifen.
Ich schob mir flux die ollen Gartentreter über die Füße und zog behände die Mülltüten aus dem Eimer. Und genau diesen Moment suchte sich die Physik aus, um mich dezent darauf hinzuweisen, dass Plastik nicht unendlich dehnbar ist. Tüte Nummer eins riss und der gesammelte Wertstoff verteilte sich mehr oder weniger gleichmäßig auf den Fliesen der Küche. Ich fluchte hingebungsvoll, sammelte den Müll wieder ein, stopfte ihn in eine neue Tüte und beseitigte die Spuren. Immerhin, der Boden war nun auch gewischt.
Beide Hände voll mit Recycling-Ware, Bio-Wertstoffen und improvisierten Düngemitteln taumelte ich schwer bepackt vor die Haustür in Richtung heimisches Mülltrennungssystem im Car-Port. Eine kleine Winzigkeit hatte ich dabei nicht bedacht:
Da ich ja nun gerne meinem lieb Frauchen eine Freude machen wollte, hatte ich mir nicht nur die Küche vorgenommen, sondern auch sämtliche Fenster geöffnet, auf dass im heimischen Schlosse ein frischer Wind wehe. Das tat er auch, und zwar mit soviel Elan, dass die Haustür gleich mal mit einem satten „WAMM!“ ins Schloss fiel, gerade, als ich vor den Mülleimern stand. Das wäre an sich nur eine kurzzeitige Lärmbelästigung und nicht weiter schlimm gewesen, trotzdem wich mir im Augenblicke des „WAMM!“ sämtliche Farbe aus dem Gesicht. Ich hatte völlig vergessen, meine Haustürschlüssel mitzunehmen!
Da stand ich nun, ratlos und ein bisschen sauer. Die Außentemperatur lag bei winterlichen minus Vielzukalt, der Wind war recht aufdringlich, und ich hatte weder eine Jacke noch vernünftiges Schuhwerk am Leibe. Wider sämtliche Erfahrung versuchte ich, die Haustür zu öffnen. Ja, ich klingelte gar! Die einzige Reaktion war das Maunzen unserer Katze, die auf diese Weise darauf hinwies, dass sie mir gerne die Tür öffnen würde, sie aber im Moment nicht an die Klinke käme und eigentlich auch sowieso keine Lust hätte, weil sie jetzt erst mal essen müsse. Es ist erstaunlich, was eine Katze in ein einziges Maunz legen kann. Jedenfalls blieb mir die Tür verschlossen. Stures Ding!
Ich wanderte um das Haus herum und entdeckte meine Rettung: Wenn ich auf den Balkon klettern könnte, was keine Schwierigkeit darstellen sollte, und dann mit einem Stock durch das gekippte Wohnzimmerfenster die Balkontür entriegeln könnte, wäre ich bald wieder im warmen Heim. Teil eins des Planes war also ein langer Stock. Die Dinger, die einem im Sommer immer zuhauf vor den Füßen herum fallen und ständig im Weg liegen, sind erstaunlicherweise im Winter, wenn man sie braucht, äußerst rare Ware mit Seltenheitswert. Nach einer langen Suche blieb mir doch tatsächlich nichts anderes übrig, als einen ansonsten völlig unschuldig in der Ecke vergessenen Besen seines Stieles zu berauben, nicht ohne ihm zu versprechen, selbigen (nämlich den Stiel) später wieder zurückzubringen.
Mit festem Schuhwerk wäre es mir vermutlich gelungen, den Balkon zu erreichen, ohne fünfmal abzurutschen und mir die Hosen an einer ausgesprochen unangenehmen Stelle aufzureißen. Immerhin stand ich nach einigen recht ereignisreichen Minuten einigermaßen sicher auf dem Balkon.
Auf einem der Balkonstühle schwankend versuchte ich nun, den Besenstiel derart durch das gekippte Fenster zu führen, dass er die Türklinke der Balkontür erreichte. Ein bisschen kam ich mir dabei vor wie ein Mikrochirurg, der versucht, eine endoskopische Untersuchung an einem Csárdás tanzenden Patienten vorzunehmen. Erschwerend kam hinzu, dass die Türklinke der Balkontür nicht etwa einbrecherfreundlich rechteckig war, sondern ein eher rundes Design hatte. Der Kopf des Besenstiels hatte also keine wirkliche Auflagefläche, die es mir leichter gemacht hätte, die Klinke in die richtige Richtung zu drücken. Drinnen saß unsere Katze und maunzte, womit sie darauf hinwies, dass sie mir gerne helfen würde, die Tür zu öffnen, es aber viel interessanter sei, mir bei meinen Bemühungen zuzuschauen. Ich lächelte gequält.
Minutenlang versuchte ich mein Bestes, mit Besenstiel, einer gehörigen Portion Gelenkigkeit und wenig Eleganz, die Tür zum Öffnen zu bewegen. Glücklicherweise ist unser Balkon auf der der Straße abgewandten Seite angebracht. Und alle möglichen Nachbarn und Zeugen befanden sich um diese vormittägliche Uhrzeit an ihren jeweiligen Arbeitsstätten, ohne Blick auf meine ersten, kläglichen Gehversuche im Einbruchsgeschäft. Wenigstens blieb mir auf diese Weise ein peinlicher polizeilicher Eingriff erspart. Ich stocherte mit wachsender Ungeduld mit dem Besenstiel durch das Fenster, dekorierte nebenbei das innen liegende Fensterbrett neu und schrie abwechselnd Tür, Besenstiel, Hauswand und Himmel an, warum das denn, zum Teufel nochmal, nicht funktionieren wollte. Außerdem wurde mir allmählich kalt.
Drinnen saß Katze und wies mit einem Maunzen darauf hin, dass meine Einbruchsversuche zwar recht vergnüglich seien, sie andererseits aber auch lange nicht mehr gegessen hätte. Es wäre damit wohl an der Zeit, mit dem Unsinn aufzuhören und ihr eine ordentliche Mahlzeit zu kredenzen. Ich ignorierte sie.
Plötzlich klickte irgendwas verdächtig, während ich halbseitig an die Außenwand gedrängt stand, ein Arm Halt suchend in den Putz verkrallt, den anderen Arm in einem eher unmöglich erscheinenden Winkel durch den Spalt des Fensters geschoben, mit den Fingerspitzen den Besenstiel balancierend. Sollte das Glück gerade kurz auf mich herab gelächelt haben? Es hatte; und mit einem hingebungsvollen „Sesam, öffne dich!“ und einem letzten, beherzten Stoß gelang es mir, die Türklinke umzulegen und somit den Eingang in unser warmes Reich zu öffnen. Welch ein Glücksgefühl strömte durch meinen Leib!
Mit stolzgeschwellter Brust durchschritt ich die Pforte und wurde drinnen von unserer Katze begrüßt, die mir mit einem Maunz zu verstehen gab, dass es nun wohl auch langsam Zeit wurde, immerhin lungerte ich ja wohl nun schon lange genug nutzlos draußen herum, während sie selbst kläglich verhungerte. Ich fauchte, Katze floh beleidigt. Ha!
Angesichts des gerade erlittenen Martyriums beschloss ich spontan, Kühlschrank, Backofen und ähnliche Kleinigkeiten heute einfach mal zu ignorieren, brühte mir einen doppelten Espresso zur Belohnung und Erwärmung meines Körperinneren und warf mich auf das Sofa, um mich von den körperlichen wie seelischen Anstrengungen der letzten halben Stunde zu erholen. Ich sollte eigentlich noch den Besenstiel wieder an den Besen schrauben. Und diverse Behältnisse sollten auch noch von den Mülleimern geholt werden. Aber das kann Frauchen tun. Sie hat ja heute noch gar nichts geschafft!

Kurz im Bild - Rapunzel

Obergerichtsvollzieher Rijk van den Tulpenbloom war sauer! Ein derartiges Verhalten hatte er in 32 Jahren noch nicht erlebt!
Er war gekommen, um bei der Schuldnerin Chantal "Rapunzel" Schulze-Grabstoecker eine Rechnung von 586,73€ für eine Lieferung "Tiefenaufbau-Shampoo für beanspruchtes Haar" eines örtlichen Drogisten einzutreiben. Die äußeren Umstände, auf die er vor der Wohnung der Schuldnerin traf, ließen ihn unschwer darauf schließen, dass sich Frau Schulze-Grabstoecker nicht kooperativ zeigen würde. Obergerichtsvollzieher van den Tulpenbloom wappnete sich für das Schlimmste...


Sonntag, 14. Februar 2016

Kurz im Bild - Theater?

Wochenlang hatte sich der Kiosk-Besitzer und Lebemann Harald Hörtgens auf seine Theaterrolle als Louis B. Armstrong exzellent vorbereitet. Voller Stolz ist er heute früh in den Bus der Linie 18 eingestiegen, um die Kleinkunstbühne Puschendorf zu erreichen. So langsam beschlichen ihn nun Zweifel. Das Kostüm erschien ihm ein wenig unpassend für einen Sänger, und auch die Bühne erschien ihm seltsam fremd. Sollte er sich etwa in der Buslinie geirrt haben? Und wo war Intendantin Frau Dr. Klaubenbusch?

Kurz im Bild - Überraschung!

Facharzt für Allgemeinmedizin, Dr. med. Meinhard "Milzriss" Meerkötter, war einigermaßen irritiert. Die "gesellschaftlich hochgestellte Persönlichkeit", zu der er wegen akuten nervösen Beschwerden gerufen worden war, entpuppte sich als niemand anders als Helene Lippe-Koschmitz, geb. Rapschewski, seine Schulkameradin aus den längst vergangenen Zeiten am Reinoldus- und Schiller-Gymnasium, zu der er nach dem Abitur im Jahre 1973 und einer äußerst peinlichen Begebenheit im Zusammenhang mit einem Fahrradschloß keinerlei Kontakt mehr pflegte. Sollte er nun den für diesen Zweck eigens einstudierten Hofknicks en avant ausführen oder sie doch eher, eingedenk ihrer lange Jahre zurückliegenden gemeinsamen Zeit, vertraulich umarmen?

Kurz im Bild - Kunstraub

Horst Schlehenkötter, seit beinahe vierzig Jahren Fachkraft für Museumsraumpflege im Haus der Modernen Kunst zu Tutzing, glaubte seinen Augen nicht zu trauen und ließ geschockt den Wischmopp fallen. Direkt vor seinen Augen stahlen die geniale Meisterdiebin Ingeborg Klekkenhusen-Schmidt und ihr fieser Kumpan Jochen "die Ratte" Kropploser den berühmten, einzigartigen und unermesslich wertvollen Kwartezky-Diamanten! Und das nur wenige Tage vor seiner Rente!

Freitag, 12. Februar 2016

KLANGSALAT - Klaus Lage


Heute: Klaus Lage – Mit meinen Augen

Gehen wir mal wieder ein paar Jahre zurück in der Zeit. Genauer gesagt ins Jahr 1983.

Damals war ich gerade so um die 14 Jahre alt und hatte von dem anderen Geschlecht zwar schon mal was gehört, aber noch nicht so wirklich viel zu tun. Aber die Musik war geil! Die Achtziger hielten damals schon einige fantastische Ohrenkracher bereit. Denken wir mal an Stars on 45, Frank Zappa, Spider Murphy Gang, Kim Wilde, Phil Collins… Die Liste ließe sich endlos fortführen.
Einer der deutschen Stars war eben auch Klaus Lage, der 1984 den Superhit raus gelassen hatte: „1000 und eine Nacht“! Die Scheibe wird heute noch auf jeder Party aufgelegt, und jeder singt mit! Ich möchte euch heute allerdings ein anderes Lied in die Ohren legen. 

Die Lieder von Klaus Lage haben eigentlich immer eine besondere Geschichte erzählt, seien es eben „1000 und eine Nacht“ oder „Monopoli“ oder „Faust auf Faust“… So erzählt auch „Mit meinen Augen“ eine Geschichte - über (natürlich) Liebe, Akzeptanz, Sichtweisen und Vorurteile.
Klaus Lage veröffentlichte das Stück 1983 auf seinem Album „Stadtstreicher“. Das Album war zwar nicht das schlechteste, aber der Durchbruch zum hallenfüllenden Sangeskünstler kam eben erst ein Jahr später mit dem Album „Schweißperlen“ und einigen Auskopplungen wie (ganz oben natürlich) „1000 und eine Nacht“, „Monopoli“ oder „Wieder zuhaus“.
Ich mag es einfach, wenn Musik eine Geschichte erzählt, und bei Klaus Lage kommen eben eine markante Stimme und ehrliche, handgemachte Melodien ohne Computer noch dazu.
Was macht Klaus Lage heute? Er hat Hörbücher gesprochen, er hat für die deutsche Version von „Toy Story“ ein Lied gemacht, und Ende 2015 war er noch einmal solo auf Tour.
Ich höre seine alten Stücke von damals immer noch gerne, und viele von ihnen sind auch noch mit schönen Erinnerungen verbunden, so eben auch „Mit meinen Augen“, das ich hörte, als ich durch die Irrungen und Wirrungen der Pubertät ging und erste, scheue Kontakte mit der Damenwelt knüpfte. Meine erste „Liebe“ war ein Mädchen, von dem alle anderen sagten: „Was willst du denn mit der?“ Nun gut, sie war auch nach damaligen Maßstäben keine Schönheit, aber sie hatte mich bemerkt. Und das ist, wenn man vor Hormonen beinahe überläuft, ein Argument, das sich nicht schlagen lässt, und eine Gelegenheit, die ich sofort ergriff. Die paar Wochen, die wir beide gemeinsam verbrachten, waren auf ihre Weise wunderschön, vollkommen verwirrend und letztlich doch nicht von der Sorte Erfolg gekrönt, die ich mir damals gewünscht hätte. Ihren Namen hab ich längst vergessen, das Lied aber nicht. 

Dienstag, 2. Februar 2016

KLANGSALAT - London Grammar


Vor einiger Zeit gab es mal bei Facebook eine Challenge: 7 Tage – 7 Songs
Hier sollte man sieben Tage lang sieben Lieder vorstellen, die man gerne hört.
Ich fand die Idee irgendwie lustig und habe dann auch mal mitgemacht.
Aus dieser kleinen Challenge entstand der Wunsch, auch weiterhin immer mal wieder, in lockerer Folge, euch die Musik vorzustellen, die ich gerne höre. Und das nannte ich dann KLANGSALAT.

Nachdem ich nun schon einige kleine Klangsalate in meinem FB-Account angerichtet habe, mache ich jetzt hier weiter. Was eigentlich gar keine schlechte Idee ist, zumal mir im Moment einfach keine guten Kurzgeschichten mehr gelingen wollen. Na, irgendwann wird auch dieser Knoten wieder platzen. Bis dahin genießt meine Musik in meiner neuen Rubrik!



KLANGSALAT
Heute: London Grammar - Wasting My Young Years

Im letzten Sommer war die kleine Gruppe um Hannah Reid immer mal wieder im Radio zu hören, und dann gab es da natürlich hier im Norden noch das eine oder andere Live-Konzert, das zu einem der Höhepunkte der Saison gehören sollte.
Ich selbst bin vor bummelig zwei Jahren beim Stöbern auf London Grammar aufmerksam geworden, kurz nachdem ihr Debut-Album „If you wait“ veröffentlicht wurde.
Hannah Reid, Dominic ’Dot’ Major und Dan Rothman sind die Sorte Menschen, die man gerne bei sich am Wohnzimmertisch sitzen hat. Wobei es mir lieber wäre, wenn sie dann auch Musik machen würden. Nette Menschen ohne Allüren irgendwelcher Art, denen das, was sie tun, einfach Spaß macht.
London Grammar macht eine weiche, zum Träumen anregende Musik, irgendwo zwischen Indie und Tanzmusik. Das besondere ist zweifelsohne Hannahs Stimme, die in ihrem Ausdruck ein bisschen in den 70gern hängen geblieben ist, ein bisschen sirenenhaft. Odysseus wäre ihr sicher verfallen. Ich, als halbwegs moderner Mensch, höre ihr zumindest gerne zu.
Das Stück, das ich euch heute vorstellen möchte, heißt „Wasting My Young Years“, und ist im Mai 2013 veröffentlicht worden. Es war eines der ersten Stücke, die ich von London Grammar gehört habe, und es hat mich wegen seiner Ruhe, seiner klaren Melodie und auch wegen Hannahs erstaunlicher Stimme fasziniert. Tatsächlich tut es das heute noch.

London Grammar macht die Sorte Musik, zu der man genüsslich abschalten und alle Mühen und Lasten abstreifen kann. Und das wollte ich euch nicht vorenthalten.
Hier also heute London Grammar - Wasting My Young Years: