Mittwoch, 1. Juli 2015

Das Lied von Eis und Feuer

Eines meiner liebsten Hobbies ist ja das Lesen. Ich glaube, ich schrieb das schon mal irgendwo. Dabei fängt das Vergnügen ja schon an, wenn ich im Buchladen meines Vertrauens stehe und das nächste Werk, das zu lesen ich beabsichtige, sorgfältig auswähle. Es gibt ja Menschen, die sich dabei von irgendwelchen Bestseller-Listen oder Bewertungen leiten lassen. Das sind sicher nicht die schlechtesten Entscheidungshilfen, wenn man so gar nicht weiß, was man lesen soll, aber ich brauche so etwas nicht. Ich konsultiere das Titelbild und den Klappentext und ignoriere die auf der Rückseite gedruckten Lobeshymnen. Gefällt mir, was ich das lese und sehe, blättere ich bis zum Prolog oder dem ersten Kapitel. Ein Buch, das mich hinsichtlich Thematik und Klappentext interessiert, muss es nun schaffen, mich mit den ersten Sätzen zu überzeugen. Wenn mir der Schreibstil des Autors (oder des Übersetzers, auch das macht viel aus!) gefällt, ist das Buch so gut wie gekauft.

Vor einigen Wochen musste ich doch tatsächlich ein wenig Zeit in der Stadt überbrücken, bevor mich mein nächster Termin erwartete. Ich nutzte die Zeit und ging in eines meiner Lieblingsgeschäfte, ein Buchladen. Wie könnte es anders sein?
Ich suchte nach neuen Abenteuern, vielleicht in einer Richtung, die ich bisher noch nicht oder doch nur wenig gelesen hatte. Fantasy hatte ich reichlich, auch Science Fiction, daneben aber auch eine ganze Menge Krimis, Dramen und sogar einige Familiengeschichten. Lustiges lese ich besonders gerne, aber eben auch spannendes, besinnliches, philosophisches. Die Auswahl war also alles andere als leicht. Ich wollte etwas neues, also schloss ich die mir bekannten und geliebten Autoren erst mal aus, sonst wird es nicht neu. Umberto Eco blieb links liegen, von Douglas Adams hatte ich auch schon reichlich und gern gelesen, selbst meinen verehrten Terry Pratchett beachtete ich dieses eine Mal nicht, obwohl es mich doch einige Überwindung kostete. Ich suchte nach einer neuen Welt mit Figuren, von denen ich noch nie gehört hatte. Und tatsächlich fand ich einen Roman, der in einer Fantasiewelt spielte, zu einer Zeit, die man wohl am besten mit unserem Mittelalter vergleichen könnte. Es gab Könige, Ritter, Schwerter und Lords und Ladies, aber eben auch einige auf unserer Welt eher seltener zu beobachtende Wesen wie Untote oder Drachen. Schon die ersten Zeilen dieses Romans waren irrsinnig spannend, und von dem Autoren hatte ich bisher weder gelesen noch gehört.
Ich hatte mein nächstes Buch gefunden, und wie ich der langen Reihe im Regal entnehmen konnte, gab es da noch einige Bände mehr.

Mit diesem kleinen Schatz in den Händen nahm ich zunächst meinen Termin in der Stadt wahr, um dann möglichst schnell auf das heimische Sofa zu eilen, wo ich endlich tief in diese mir noch völlig unbekannte Welt eintauchen konnte. Mit jeder Zeile vertiefte ich mich noch ein bisschen weiter in die Geschehnisse, las und hörte von Schwertkämpfen, roch den Moder in der Stadt, diskutierte mit Lords und Ladies, sodass ich schon ein wenig ungehalten reagierte, als es plötzlich und unvermittelt an der Tür klingelte. Ich hätte ja gerne eines meiner Mündel ans Tor geschickt, aber ich hatte ja weder Mündel noch Tor. Na ja, es gibt ja Lesezeichen.
Vor der Tür stand unsere gute Freundin, die sich schon Tage vorher angekündigt hatte, was ich aber angesichts der Abenteuer in meinem frisch erbeuteten Roman völlig vergessen hatte. Eben jene Freundin entdeckte dann auch sogleich den Roman, den ich auf dem Tisch hatte liegen lassen, und war sofort Feuer und Flamme:
„Habt ihr die Serie schon gesehen? Ich kann sie euch mal mitbringen.“
„Welche Serie? Ich hab das Buch doch gerade erst gekauft!“
„Na, Game of Thrones! Da sind doch schon vier Staffeln gelaufen, und die fünfte kommt jetzt auch bald!“
Ich verstand kein Wort. Geduldig erklärte unsere Freundin mir, was es mit diesem „Game of Thrones“ auf sich hatte, wie berühmt die Serie doch sei, und dass wir offenbar weit hinter dem Mond wohnten, wo doch praktisch jeder die Serie kenne. Außer mir natürlich…

Der mir vollkommen unbekannte Autor war also niemand anderes als George R.R. Martin, und das Buch, das mir so außerordentlich gefallen hatte, war „Das Lied von Eis und Feuer – Die Herren von Winterfell“, der erste Band der Reihe, die auf Englisch eben „Game of Thrones“ heißt. Wer hätte das gedacht? Damit erklärten sich auch die anderen neun Bände, die noch im Regal im Buchladen standen, und die inzwischen längst den Weg in unsere eigene bescheidene Bibliothek gefunden haben.
 
Diese kleine Geschichte trug sich vor nun vier Wochen zu. Inzwischen stehen natürlich alle zehn Bände dieses erstaunlichen Epos im Regal, gleich neben der Scheibenwelt und dem Herrn der Ringe. Länger habe ich tatsächlich nicht gebraucht, um die spannende Geschichte um die Lennisters, den Eisernen Thron und der wunderschönen Daenerys zu verschlingen. Es ist natürlich das Verdienst des Erfinders dieser Welt, George R.R. Martin, der die Schicksale erdacht und zwischen den Buchdeckeln eine großartige Welt erschaffen hat. Es ist aber auch das Verdienst des Übersetzers Andreas Helweg, der Martins Ideen, Beschreibungen und Gedanken hervorragend aus dem Englischen ins Deutsche übertragen hat.
Zehn Bücher lang fieberte ich mit Lords, Sers, Ladies mit, sorgte mich um eine ganze Reihe von Huren und Bastarden, bewunderte den Mut vieler Ritter und verfluchte die Taten der Verräter. In jeder freien Minute verschlang ich die Schicksale von Arya, von Tyrion, von Jon Schnee und Sansa Stark. Ich liebte Daenerys und hasste Joffrey und Ramsay Bolton. Ich sah Westeros vor mir, wanderte durch die Straßen von Königsmund und segelte durch die Sklavenbucht. Viele Helden, von denen ich es nicht erwartet hätte, starben auf vielfältige Art und Weise, viele Schurken, denen ich den Strick an den missratenen Hals wünschte, überlebten hingegen. Und immer mehr verstrickten sich Schicksale, kamen Intrigen ans Licht und wurde Vertrauen erst gewonnen, dann gebrochen. Zehn Bände lang habe ich mich gefragt, wie die Geschichte ausgeht. Und jetzt gerade, vor ein paar Minuten erst, habe ich die letzten Sätze des letzten Bandes gelesen. Aber ich weiß immer noch nicht, wie die Geschichte endet! So viele Fragen sind noch offen. Was passiert mit der Königin Regentin? Kommt die Drachenkönigin über das Meer? Wo ist der Königsmörder? Und wo die Jungfrau Brienne? Aber die wichtigste Frage ist: Wann kommt Band elf? Und wann Band zwölf?
Jetzt, wo ich die Bücher gelesen habe, schaue ich mir die Serie an. Ich bin gespannt.

Wen das Lied von Eis und Feuer interessiert, der besuche den Buchladen seines Vertrauens. Ich selbst kann das Werk nur wärmstens empfehlen.

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