Samstag, 3. August 2013

Warum es so lange dauert...

Schreiben kann so richtig Spaß machen! Ich kann meiner Fantasie, meinen Emotionen und meiner Kreativität freien Lauf lassen. Und am Ende steht da etwas, das wiederum die Fantasie und die Emotionen meiner Leser stimuliert. 

Ich erinnere mich noch an jene längst vergangenen Zeiten, als mir zum Schreiben nichts anderes als ein Blatt Papier und ein Stift zum Schreiben zur Verfügung stand. Da hat man sich seine Worte schon vorher gut überlegt, bevor man sie zu Papier brachte. Und trotzdem gab es ausgesprochen oft Streichungen über Streichungen, weil ich mich verschrieben hatte, weil ich neue Gedankengänge hatte oder weil ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden war. Sehr oft wurde das gerade so mühevoll beschriebene Papier aus dem Block gerissen, zerknüllt und in den Papierkorb geworfen. Oder wenigstens grob in diese Richtung. Vielen anderen und weitaus besseren Autoren als mir wird es nicht anders ergangen sein. 
Das schöne am Papier war, dass man es aus dem Papierkorb wieder hervorholen konnte, wenn einem eine alte Idee vielleicht doch noch zugesagt hatte. Das Papier wurde glatt gestrichen, gelesen, und schon ging es mit der Geschichte weiter. 
Am Ende standen einige Seiten mit einer mehr oder weniger sauber geschriebenen Geschichte und unzählige Papierknäuel, die sich in kleinen Haufen rund um den Schreibtisch gesammelt hatten. Der Papierkorb blieb meistens leer...
Aber der Fortschritt blieb natürlich auch vor mir nicht stehen, und so konnte man mich Anfang der 1990er Jahre beobachten, wie ich an Mamas guter, alter Triumph das Schreiben mit der Schreibmaschine erlernte, und zwar mit allen zehn Fingern. Was ich an Mamas mechanischer Schreibmaschine lernte, führte ich an einer elektrischen Schreibmaschine weiter. Heute steht, wie in den meisten Wohnungen, ein PC auf meinem Schreibtisch, mit dem ich weit mehr machen kann, als "nur" Geschichten zu schreiben. Es fasziniert mich ja schon, welche Möglichkeiten der Computer mir bietet. Ich kann verschiedene Stile, Worte und Satzfiguren ausprobieren, kann Idee ad hoc einfließen lassen, wieder löschen, ändern und wieder ändern, bis ich endlich zufrieden bin. Und das alles, ohne dabei unzählige Streichungen vorzunehmen, die den Text letztlich unleserlich gemacht hätten, oder einen Haufen Papier in den Papierkorb zu werfen. Oder wenigstens in seine Nähe... 
Mit dem Computer kann ich meine Ideen sofort aus dem Kopf in die Finger gleiten lassen, und wenn ich eine andere Idee bekomme, kann ich einzelne Worte, Sätze oder gleich das ganze Kapitel wieder umschreiben oder komplett löschen. Solange ich Papier und Stift brauchte, um meine Geschichten zu schreiben, überlegte ich länger, um meinen Text ans Licht der Welt zu bringen, einfach, um weniger Streichungen zu haben und nicht so viel Papier zu verbrauchen. Heute am PC ist das nicht mehr nötig. Normalerweise formt sich meine Geschichte ohnehin zuvor in meiner Fantasie, in meinem Kopf. Ich brauche mich dann nur noch hinzusetzen und sie niederzuschreiben. Aber heute kann ich mittendrin der Geschichte eine neue Wendung geben, ohne dafür stapelweise Papier vernichten zu müssen. Wenn ich heute eine Geschichte niedergeschrieben habe, muss sie deswegen nicht fertig sein. Ich kann mir jederzeit das Geschriebene wieder auf den Bildschirm rufen und meine  Geschichte umschreiben, wenn es mir gefällt. Eine Geschichte kann  leben, sich verändern, nur mit ein paar Klicks am Computer. Das ist irgendwie faszinierend. 
Allerdings hat man beim Schreiben am Computer auch so ganz eigene Probleme... 

Wenn ich auf Papier schreibe und irgendwann den Faden verliere, kann ich mir all die Entwürfe, die verworfenen Ideen und verschrifteten Gedankengänge wieder vom Boden aufsammeln, das Papier glätten und den Faden wieder aufnehmen. Am Computer ist das so nicht wirklich möglich, denn die Entwürfe sind schon wieder überschrieben, die verworfenen Ideen im Datennirwana verschwunden und wenn ein Gedankengang weg ist, ist er weg. Das ist nicht so schlimm, solange mein Hirn noch arbeitet und ich mehr oder weniger flüssig meine Geschichte schreiben kann. Und solange ich die Geschichte speichern kann... 

Vor einiger Zeit saß ich am Schreibtisch, um ein paar Zeilen zu elektronischem Papier zu bringen, die mir schon eine kleine Weile im Kopf umherwanderten. Stunde um Stunde saß ich da, wühlte in meinen Haaren, tippte Sätze ein, korrigierte, verbesserte, fügte neue Ideen hinzu und verwarf dafür ganz andere. Ich war ganz  in meiner schriftstellerischen Welt versunken, die Finger glitten über die Tastatur, die Muse umschmeichelte mich, und Seite um Seite reihten sich die Buchstaben zu Silben, Silben zu Worte, Worte zu Sätzen. Viel zu selten habe ich die Gelegenheit, mich derart tief in mein Tun zu versenken, dass ich die Welt um mich herum vergesse. An diesem denkwürdigen Nachmittag stimmte einfach alles. Die Fantasie sprudelte, die Muse war ganz wild auf mich, und meine Geschichte schrieb sich beinahe von selbst. Es passiert nicht oft, dass ich schon beim Schreiben das Gefühl habe, dass die Geschichte in sich stimmig ist und sich richtig gut liest. Meist ist es richtig viel Arbeit, den Text so zu schreiben, wie ich ihn gerne lesen möchte  und wie ich ihn gerne meinen Lesern geben möchte. Aber an diesem Nachmittag ging mir das Schreiben leicht von der Hand, und ich fühlte mich außerordentlich wohl. Und dann drang ein leises, aber vernehmliches "Diling!" an meine Ohren. Unvermittelt fiel ich aus den Höhen der Fantasie hinab ins Hier und Jetzt und starrte verdutzt meinen Bildschirm an: 
"Microsoft Word hat einen Fehler festgestellt und muss beendet werden."
Das war doch wohl nicht sein Ernst? Das konnte doch nicht wahr sein? Mein Text, Frucht endloser Stunden an der Tastatur, Ergebnis vieler Überlegungen, die genialste Geschichte, die ich seit langem geschrieben habe, war vom Bildschirm verschwunden! Mit einem Schrei gab ich meiner Wut und meinem Frust lautstark Ausdruck, und nur der Gedanke an die Folgekosten verhinderte, dass zumindest Teile meiner Rechnerausstattung einen Freiflug bekamen. Meine gute Laune flüchtete blitzartig, meine Muse trat mir metaphorisch in den Hintern und rannte eilends meiner Laune hinterher. Natürlich versuchte ich, das Dokument wiederherzustellen, aber ich hatte einen Anfängerfehler gemacht: Ich hatte nicht gespeichert. Was von meinem Text übrig blieb, war nicht der Rede wert. Trotzdem versuchte ich, aus der Asche der Datentrümmer noch den Phönix meiner Geschichte aufsteigen zu lassen, aber so sehr ich es auch versuchte, so sehr ich auch in den Tiefen meines Gehirns kramte, der Text wollte nicht mehr so werden, wie er mal war. Er fühlte sich einfach nicht mehr richtig an. War das denn auch ein Wunder, nachdem gute Laune und Muse verflogen waren? Wenn man auf Papier schreibt und die Muse geht in Urlaub, dann kann man weitermachen, wenn sie wieder zurück ist. Aber der Ärger über das Versagen der modernen Technik vertreibt Muse und Laune so weit, dass es viel Zeit und Überzeugungskraft braucht, um beide wieder anzulocken. 

Das ist einer der Gründe, warum ich auch heute noch meine Geschichten am liebsten zu Papier bringe, bevor ich sie der Technik übergebe. Und das ist es auch, neben einem herrlichen Sommer und der Urlaubszeit, warum in meinem Blog so lange nichts Neues zu lesen war. 
Aber keine Angst! Es wird bald wieder neue Geschichten für Euch geben. 

Hier noch ein Klassiker in diesem Zusammenhang: 


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