Sonntag, 25. November 2012

Fantasie

So, der Totensonntag ist nun beinahe vorbei, und damit biegen wir nun ganz allmählich in die Zielgerade der Weihnachtszeit ein, die ja schon Ende September angefangen hat. Jedenfalls, wenn man dem Einzelhandel glauben darf.
Und alljährlich machen wir uns tiefschürfende Gedanken, was wir den Kindern in diesem Jahr schenken. Die Geschenkeindustrie macht es einem aber auch nicht leicht.
Dabei wäre es so einfach!

Vor ein paar Tagen schnappt sich Töchterlein einen kleinen grünen Eimer, setzte sich auf ihn und erklärte: "Muss Pipi machen!" Wenigstens war sie vollständig angezogen und grinste über alle vier Backen! Was Sohnemann nicht davon abhielt, sie zu belehren: "Nein, Pipi macht man in Toilette!"
Nach einigem Hin und Her einigten sich die beiden darauf, dass der Eimer sicherlich keine mobile Toilette sei, trotzdem aber in jedem Fall an den Hintern gehöre. Töchterchen stülpte sich den Eimer also über ihre kleine Sitzfläche und rannte "Miau!" schreiend durch das Haus, verfolgt von ihrem laut lachenden Bruder! Nach einigen Runden um den Esstisch verkündete Brüderchen: "Jetzt bin ich die Katze!", entriss seiner Schwester den Eimer, stopfte seinen kleinen Hintern umständlich hinein und rannte seinerseits "Miau" schreiend durch das Haus. Meine Frage "Wo ist denn da eine Katze?" beantwortete Söhnchen mit: "Na, hier ist doch der Schwanz!" und schwenkte enthusiastisch den kleinen Eimer.

Bevor unsere Kinder ihren Teilzeitjob als Katze angenommen haben, hatten sie sich Mamas (glücklicherweise leeren) Wäschekorb geschnappt. Beide quetschten sich hintereinander in den Korb, stritten sich (natürlich) über den Platz ganz vorne,  und schon ging es in wilder Fahrt durch den Fluß geradewegs in das Meer! Das Wasser spritzte nach allen Seiten, die Klamotten unserer beiden wilden Piraten trieften geradezu vom Wasser, und die Kinder lachten sich halb kaputt! Und das alles auf dem trockenen Boden unseres Wohnzimmers!

Auch unsere Umzugskartons durften schon als Burg, Piratenschiff, Höhle und Turm herhalten, um danach als Springpolster, Behelfsschrank und Versteck zu dienen. Die Kartons konnte ich hinterher wegwerfen, aber bis dahin hatte unsere beiden Wirbelwinde stundenlang Spaß!

Es ist immer wieder wunderbar anzuschauen, mit wieviel Fantasie unsere Kinder einen an und für sich alltäglichen Gegenstand wie einen Eimer, einen Wäschekorb oder eben einen alten Karton in allerlei Körperteile, verschiedenste Fahrzeuge, großartigste Abenteuerspielplätze verwandeln. Sie brauchen keine technischen Spielereien (Batterien nicht enthalten!) oder pädagogisch getestetes und für wertvoll befundenes reichlich teures Spielzeug. Sie brauchen einfach nur irgendwas, was ihre Fantasie anspricht. Und das ist oft sogar schon ein einzelner Stock, der ein Fahne wird.

Für uns stehen die nächsten Weihnachtsgeschenke also fest: Ein weiterer kleiner bunter Eimer, der über beide Hintern passt, damit wir demnächst zwei schreiende Katzen haben. (Eigentlich drei, aber unsere pelzige vierbeinige und zuweilen schreiende Mitbewohnerin zähle ich jetzt mal  nicht mit.)
Einen größeren Wäschekorb, wo beide "Piloten" nebeneinander sitzen können, und neue Kartons, um das nächste Schloß zu bauen. Und der Nikolaus bringt schon mal einige Holzstöcke für neue Fahnen, Rührstöcke, Trommelstöcke, Kopfschmücker und alles andere, was den beiden noch so einfällt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen